Trainer Christian Streich (r.) holte Max Kruse im Sommer vom FC St. Pauli © imago

Der SC kann gegen Frankfurt einen Champions-League-Platz erobern. Stürmer Max Kruse erklärt SPORT1 das Erfolgsrezept.

Von Reinhard Franke

München - Es sind die zwei Überraschungsteams in dieser Saison. Wenn am Abend der SC Freiburg Aufsteiger Eintracht Frankfurt empfängt (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER), werden sich viele Experten und Fans beim Blick auf die Tabelle verwundert die Augen reiben. Es spielt der Fünfte gegen den Vierten. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

as vor der Saison noch Magerkost im Tabellenkeller zu sein schien, ist am 23. Spieltag ein echter Leckerbissen.

Freiburg verzückt die Liga seit rund einem Jahr mit erfolgreichem Offensiv-Fußball. Mit einem Sieg über Frankfurt kann der SC gar Rang vier erobern, der zur Champions-League-Qualifikation berechtigen würde.

Mitverantwortlich für den Freiburger Höhenflug ist Trainer Christian Streich, der im Dezember 2011 den glücklosen Marcus Sorg ablöste.

Letzte Saison wurde souverän der Klassenerhalt gesichert und nun hat sich die Freiburger Boygroup mit tollen Leistungen sensationell an die internationalen Plätze ran gerobbt. Die Streich-Truppe verblüfft die Bundesliga.

Auch Streich ist erstaunt

"Ein Außenstehender mag vielleicht überrascht sein, dass der SC Freiburg mit seiner Zielsetzung im Moment auf diesem Tabellenrang steht. Und auch wir sind hin und wieder erstaunt, was mit dieser Mannschaft möglich ist", sagt Streich zu SPORT1.

"Aber wir wissen auch: Es ist nicht so, dass wir die Punkte gestohlen hätten, sie sind hart erarbeitet. Von daher ist auch die Platzierung verdient."

Die Euphorie weiß der 47-jährige aber richtig einzuordnen: "Die Menschen hier in der Region neigen dazu, uns nicht in Grund und Boden zu verdammen, wenn es schlecht läuft und sie sind umgekehrt auch nicht am Durchdrehen, wenn wir eine Saison wie diese spielen."

"Keine Sache auf Leben und Tod"

Fußball sei in Freiburg ein Freizeitangebot unter vielen, weiß Streich, und ?keine Sache auf Leben und Tod. Umso mehr wollen wir attraktive Spiele bieten, bei denen die Menschen sich mit Freude für den Stadionbesuch entscheiden."

Doch was ist das Erfolgsgeheimnis von Streich mit seinem Klub, der in der Vergangenheit eigentlich immer nur das Wort Abstiegskampf kannte?

"Es gibt kein Geheimrezept, das ich nennen könnte", betont der Fußball-Lehrer. "Genauso wenig möchte ich über meinen eigenen Erfolg reden, er ist in erster Linie das Ergebnis einer konstruktiven Teamarbeit mit den anderen Trainern, der Mannschaft und dem gesamten Verein." ( 676516 DIASHOW: Der 22. Spieltag ).

Kruse wird zum Leistungsträger

Einer, der sich im Verein zuletzt immer mehr in den Fokus spielte, ist Freiburgs Torjäger Max Kruse (sechs Treffer in 22 Spielen).

Der 24-Jährige kam vor der Saison vom FC St. Pauli in den Breisgau und ist unter Streich zu einem absoluten Leistungsträger geworden.

Kruse findet bei SPORT1 eine ganz einfache Erklärung für den Freiburger Erfolg: "Weil uns das Trainerteam für jedes Spiel top vorbereitet und motiviert und wir alle wissen, dass uns in dieser Liga nichts geschenkt wird." Streich zeichne dabei aus, "dass er sich nie als alleinigen Vater des Erfolgs sehen würde", betont Kruse.

Streich: "Träumen ist erlaubt"

Streich stellt sich nicht gerne ins Schaufenster, er ist Mensch geblieben im Zirkus Bundesliga. Das machte ihn zu einer Art Kultfigur. Und sollten sich die Freiburger tatsächlich für die Champions League qualifizieren - bei einem Sieg gegen die Eintracht ist man punktgleich mit den Hessen - dürfte Streich endgültig Heldenstatus haben.

Er will dennoch keine Luftschlösser aufbauen: "Träumen ist tatsächlich erlaubt, wenn man sich darüber im Klaren ist, dass es sich um einen Traum handelt. Daran glauben, dass er Wirklichkeit wird, kann man nicht."

Dann fügt der Coach hinzu: "Ansonsten halten wir uns überhaupt nicht mit irgendwelchen internationalen Szenarien auf, sondern konzentrieren uns auf das Wesentliche - die Spiele gegen Frankfurt und Mainz."

Ziel immmer noch Klassenerhalt

Im Spiel gegen die Eintracht wolle man das zeigen, "was uns diese Saison auszeichnet, nach besten Möglichkeiten zeigen wollen. Auch am Freitagabend möchten wir offensiven und attraktiven, mutigen Fußball spielen. Wenn das dann auch noch erfolgreich ist, ist es umso schöner."

Zukunftsszenarien werden aus den Köpfen gestrichen.

Auch für Kruse ist die Königsklasse kein Thema, "unser Ziel lautete Klassenerhalt. Wenn wir den geschafft haben, sehen wir weiter."

Sätze, die man kennt. Man denkt von Spiel zu Spiel. Kruse wehrt sich jedoch nicht gegen eine Fortsetzung des Freiburger Märchens: "Es ist in jedem Spiel genug Motivation, dass wir dort stehen, wo wir gerade in der Tabelle angesiedelt sind. Und dass wir noch eine Weile dort stehen wollen."

Weiterlesen