Nils Petersen (r., gegen Bayern Luiz Gustavo) spielt seit Saisonbeginn für Werder © imago

Werders Goalgetter will seinem Ex-Klub das erste Rückrunden-Gegentor einbrocken - und hat mit München eh abgeschlossen.

Von Frank Hellmann

Bremen - Ein geradliniger Typ Nils Petersen spricht aus, was er denkt.

"Natürlich ist die Partie in München für mich etwas Besonderes. Nicht nur, weil es der Rekordmeister ist, sondern auch, weil ich da ja noch unter Vertrag stehe", sagt der Bremer Angreifer.

(ab 18.30 Uhr auf SPORT1 im TV bei Bundesliga Aktuell: Werders neuer Geschäftsführer Thomas Eichin)

Tatsächlich könnte es ja zu der kuriosen Konstellation kommen, dass der FC Bayern im Heimspiel gegen den SV Werder (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) ausgerechnet seinen ersten Gegentreffer in der Bundesliga-Rückrunde von einem Spieler kassiert, der eigentlich noch ihnen gehört.

"Ich habe gelesen, die Bayern wollen in der Rückrunde überhaupt keins mehr kassieren. Ich wäre schon gerne der, der das erste Rückrunden-Tor macht", sagt Petersen.

Zeichen auf Abschied bei Bayern

Trotzdem dürfte auch das nicht helfen, dass sein bei den Bayern bis 2015 laufender Vertrag mit Leben gefüllt wird.

Die Zeichen stehen auf Abschied, das hat unlängst auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß verraten, der andeutete, dass sich die Vorstände beider Vereine bald zusammensetzen, um über einen Transfer dieses "ganz sympathischen Jungen" (Hoeneß) zu sprechen.

Schließlich stehen mit Mario Mandzukic, Mario Gomez und seinem Bremer Vorgänger Claudio Pizarro drei Topstürmer aktuell auf der Gehaltsliste; dazu kommt womöglich noch Dortmunds Torjäger Robert Lewandowski.

Bekenntnis zu Werder

Petersen selbst hat sich klar positioniert: (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Sollte es bei Bayern nächste Saison keine Perspektive geben, kommt für mich nur Bremen in Frage. Ich fühle mich bei Werder unheimlich wohl und möchte hier etwas aufbauen", sagt der 24-Jährige.

Und ergänzt: "Ich habe das Gefühl, dass wir hier etwas aufbauen können und sehe Potenzial, dass mehr drin ist als Platz elf. Ich möchte dann auch Bestandteil sein, wenn es nächstes Jahr besser läuft."

Elf Tore im Werder-Dress

An der Weser hat sich dieser bodenständige Blondschopf erstaunlich entwickelt.

Petersen, der wie Pizarro die 24 auf dem Rücken trägt, gibt Werders treffsichersten Angreifer ab. Elf Tore und vier Vorlagen stehen auf seinem Konto, zuletzt hat er im Weserstadion in den Heimspielen gegen Hannover und Freiburg jeweils Doppelpacks geschnürt.

Ohne seine Treffsicherheit ständen die im grauen Mittelmaß gestrandeten Grün-Weißen noch viel schlechter dar. ( 677320 DIASHOW: Tops und Flops des 22. Spieltag )

Kennt Guardiola den Namen Petersen?

Für so einen hätte wohl jeder Bundesligaverein Verwendung ? außer der FC Bayern. Dessen neuer Trainer Pep Guardiola kenne ihn wahrscheinlich gar nicht, mutmaßt Petersen.

Für seinen bewussten Schritt rückwärts hat der Profi eine bemerkenswerte Begründung geliefert: "Ich will nicht mit 35 einen Haufen Kohle auf dem Konto haben, aber 15 Jahre unglücklich gewesen sein. Mein Jahr in München war super, aber noch ein Jahr hätte ich so nicht verbringen wollen."

Als bestens bezahlter Edelreservist. Da sind die Aussichten in Bremen dann doch besser: "Hier habe ich einen anderen Status und habe eine ganz andere Verantwortung."

Aus Cottbus in die Bayern-Welt

Der im Jenaer Sportgymnasium ausgebildete Fußballer will nicht falsch verstanden werden:

Seinen Wechsel von Energie Cottbus als Torschützenkönig der Zweiten Liga an die Säbener Straße ("Ich war plötzlich in der großen Bayern-Welt") bereut er rückblickend zwar nicht, aber alsbald merkte er, dass die Messlatte in München vielleicht doch ein bisschen zu hoch liegt.

In Bremen dagegen hat er sich, wie Thomas Schaaf sagt, von Anfang "gut eingebracht". Eine Beziehung von beidseitigem Nutzen.

Familienbesuche im Harz

Für eine längere Verweildauer in der norddeutschen Tiefebene spricht zudem der familiäre Faktor: Petersen stammt aus Wernigerode im Harz.

Freie Tage nutzt er nun schon einmal zum Familienbesuch: "Meine Eltern, meine Schwester, meine Oma - die alle habe ich die letzten drei, vier Jahre nicht so oft gesehen, weil die Entfernungen nach Cottbus und nach München schon groß sind."

Täglich telefoniert Petersen zudem mit seinem Vater Andreas, der den Regionalligisten 1. FC Magdeburg trainiert und zugleich lange den schärfsten Kritiker seines Sohnes gab.

Fachsimpeln mit Vater Andreas

Die Bande zwischen den beiden ist eng. Noch immer dauern diese Gespräche stundenlang, wie Petersen erzählt ? zum Leidwesen seiner Lebensgefährtin Annemarie.

"Ich bin ein Spieler, er ist ein Trainer. Das ist eine gute Ausgangsposition", sagt Petersen.

Daraus würden sich eben gerne Grundsatzdebatten über den Fußball entwickeln. Obgleich er eine Grundsatzentscheidung längst gefällt hat.

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