SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) traf Django Asül in München zum Interview © getty

Vor dem Heimspiel gegen Bremen spricht Kabarettist und Bayern-Fan Django Asül über die glanzvolle Saison des Rekordmeisters.

Von Reinhard Franke

München - Django Asül ist nicht nur rot, er ist dunkelrot.

Seit Kindesbeinen ist der Kabarettist Bayern-Fan. FCB-Legende Paul Breitner zählt zu seinen engen Freunden.

Der 40-Jährige verfolgt das Geschehen bei seinem Herzensverein ganz genau - und ist begeistert über die aktuelle Saison.

In der Meisterschaft eilen die Münchner voraus, im Pokal geht es im Viertelfinale gegen Borussia Dortmund und in der Champions League steht man nach dem 3:1 beim FC Arsenal (Bericht) mit einem Bein im Viertelfinale. "Arsenal ist ja mehr Breitensport", scherzt Asül.

Vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht der gebürtige Deggendorfer im SPORT1-Interview über seine Bayern, Guardiola, Lewandowski, Gomez, Robben - und verrät, warum Bastian Schweinsteiger kein Chef sein muss.

SPORT1: Herr Asül, wie schlimm war es, die letzten zwei Jahre den Dortmundern beim Jubeln zuzuschauen?

Asül: Ich bin ein großer Bayern-Fan, bin aber auch ein großer Fußball-Fan. Die Leistung, die Dortmund die letzten zwei Jahre geboten hat, muss man einfach anerkennen und respektieren. Ich habe sogar Herrn Rauball, dem Dortmunder Präsidenten, persönlich gratuliert.

SPORT1: Ihr neues Album nennt sich "Paradigma", was so viel heißt wie "Sicht auf die Dinge". Beim FC Bayern laufen die Dinge jetzt ja glänzend...

Django Asül: Momentan würde es mich nicht wundern, wenn sie schon am 29. Spieltag die Schale kriegen. Man kann sich durch die beruhigende Situation in der Liga, wo eine Niederlage auch kein Drama wäre, mehr auf die Champions League konzentrieren, es spricht ja nichts dagegen, dass man das letztjährige Ergebnis mindestens wiederholt. Natürlich nur in der Champions League, die Schale ist ja schon fast in München.

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SPORT1: Was sind die Gründe für die großartige Saison der Bayern?

Asül: Es ist eine gewisse Lockerheit da, nicht auf dem Spielfeld, sondern im Verein. Der Jupp Heynckes verbreitet sehr gute Stimmung und auch das Zusammenspiel zwischen ihm und Matthias Sammer klappt wunderbar. Wenn dann diese Sekundärtugenden wie Spielfreude und Einsatzbereitschaft dazukommen und untereinander Respekt und Empathie herrscht, dann kommt so was wie gerade heraus.

SPORT1: Wer ist für Sie bisher der Bayern-Spieler der Saison?

Asül: Eigentlich tut man sich schwer da jemand rauszuheben, aber wenn ich mir zwei Spieler rauspicken soll, dann sage ich Dante und Thomas Müller.

SPORT1: Warum nicht Ribery oder Schweinsteiger?

Asül: Vielleicht sind wir es von Ribery schon zu oft gewohnt, dass er einfach Weltklasse ist und Sachen macht, die man nicht erwartet. Vielleicht gilt für "Schweini" das gleiche wie für den frechen Franzosen (schmunzelt). Wie aber ein Müller sich in dieser Saison einbringt und wie der Dante hinten abräumt, das ist schon bestechend.

SPORT1: In der Vergangenheit gab es immer wieder Diskussionen, dass Bastian Schweinsteiger noch kein Chef auf dem Platz sei.

Asül: Ich weiß gar nicht, was diese Chef-Diskussion soll. Wenn die Mannschaft wie aus einem Guss spielt, ist die Frage müßig. Wenn du den Messi bei Barca fragst, ob er der Chef ist, dann wundert der sich eher über die Frage. Fußball ist ein Mannschaftssport und wenn jeder zu Prozent die Verantwortung auf sich nimmt aufgrund seiner Klasse, dann hat man im Optimalfall elf Chefs auf dem Platz.

SPORT1: Der Ober-Chef ab Juli heißt Pep Guardiola. Wie sehr freuen Sie sich auf ihn?

Asül: Ich freue mich sehr auf ihn. Es ist eine Auszeichnung für den FC Bayern, wenn einer auf viel Geld verzichtet, weil er sagt, dass er zu einem Verein will, der strukturell und auch sportlich gut dasteht und ihm eine gute Basis bietet, seine Ideen umzusetzen. Bei Barcelona war er schon, zu Real Madrid würde er nicht gehen, drum finde ich, dass Manchester United und der FC Bayern die zwei einzigen Klubs waren, die für ihn in die nähere Auswahl gekommen sind. Alle anderen Vereine werden von irgendwelchen reichen Sonnenkönigen regiert.

SPORT1: Wie sehen Sie den geplanten Transfer von BVB-Star Robert Lewandowski, der sich mit den Bayern schon einig sein soll?

Asül: Lewandowski ist unbestritten ein toller Stürmer. Ob Guardiola ihn gebrauchen kann, muss er entscheiden. Lewandowski kann jeder Mannschaft weiterhelfen, wenn die Truppe den Stil spielt, der ihm auch entgegen kommt.

SPORT1: Wird Gomez zu wenig wertgeschätzt?

Asül: (schmunzelt) Mario hat das Glück in einer Mannschaft zu spielen, wo ein Mandzukic einfach trifft und trifft und trifft. Gomez ist ein toller Mann, der müsste in einigen Situationen einen Tick mehr Biss zeigen. Bei ihm wirkt alles etwas leger, wenn er gut spielt, aber dann auch phlegmatisch, wenn es nicht gut läuft. Bei ihm liegen Fluch und Segen sehr nah beieinander. Man weiß nicht, welche Idee Guardiola mit Gomez hat.

SPORT1: Arjen Robben war bis Arsenal das Sorgenkind. Ist seine Zeit im Sommer abgelaufen?

Asül: Es hängt viel von ihm selber ab. Wenn er sich mit Leistung reinkämpft, spricht nichts dagegen, dass er bleibt. Wenn einer nur Unruhe sät, das wird beim FC Bayern nicht gerne gesehen.

SPORT1: Am Samstag kommt Werder Bremen nach München. Früher war das ja mal ein Spitzenspiel.

Asül: Anfang der achtziger Jahre war ich ein kleiner Fan der Bremer Mannschaft, weil die damals mit lauter Underdogs aufgestiegen sind und gleich oben mitgemischt haben. Das fand ich toll. Damals mit einem jungen Völler, Meier, Möhlmann, Burdenski, Reinders - und Schaaf. Im Moment hat Werder sicher Probleme die richtige Spur und die richtige Konstanz zu finden. So eindeutig waren die Vorzeichen schon länger nicht mehr vor einem Duell Bayern gegen Bremen.

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