Die Trennung von Büskens folgt dem bekannten Muster, überrascht aber selbst die Spieler. Hasenhüttl gilt als Nachfolgekandidat.

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Von Mike Lukanz und Reinhard Franke

Fürth/München - Es hätte eine Geschichte mit Geschmäckle werden können.

Nur knapp zwei Stunden vor Schalkes Champions-League-Auftritt bei Galatasaray Istanbul trennen sich die SpVgg Greuther Fürth und Trainer Mike Büskens.

Der Ex-Schalker Büskens wird in Stellung gebracht für den Fall, dass die Trainerdebatte in Gelsenkirchen durch eine deutliche Pleite in der türkischen Metropole weiter an Fahrt aufnimmt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Wie gesagt: hätte. Denn Büskens Demission bei den Franken kam überraschender als das Remis von Königsblau am gleichen Abend. Und, das war schnell klar, ging dieser Schritt beileibe nicht vom 44 Jahre alten Fürther Trainer aus.

"Brauchen neuen Impuls"

Denn die Entlassung des Auftstiegshelden entpuppte sich als altbekanntes wie banales Ritual eines Klubs, der in die hässliche Fratze eines Bundesligaabstiegs blickt. Ein Anblick, der zuvor jahrelang kommunizierte und sogar gelebte Prinzipien nolens volens über Bord wirft: Greuther Fürth ist in der Bundesliga angekommen.

"Wir haben eine Verantwortung für den Verein. Wir brauchen einen neuen Impuls", sagte Fürths Präsident Helmut Hack im Gespräch mit SPORT1 am Mittwochabend, nachdem er beteuert hatte, "lange Zeit keinen Gedanken daran verschwendet zu haben, etwas zu tun."

Dass Hack zudem betont, "keine Deadline" für die Nachfolge zu setzen, konterkariert jedoch die plötzliche Entlassung. Denn allzu viel Zeit hat der Klub ja nicht mehr, am Wochenende steht der 23. Spieltag an.

Es ging demnach vor allem darum, das ausgemachte Leid in Person von Büskens zu entfernen statt ein Heilmittel in Form eines neuen Trainers zu präsentieren.

Prib: "Komischer Zeitpunkt"

Denn diesen Nachfolger präsentierte der Verein am Mittwochabend nicht, was für eine die Schnellschuss-These spricht.

Wie schnell der Entschluss tatsächlich gekommen sein muss, unterstreichen die Reaktionen der Spieler. "Das ist ein komischer Zeitpunkt", sagte etwa Edgar Prib in der "Süddeutschen Zeitung": "Die Stimmung war gut, das hatte der Trainer sehr gut geregelt."

Gegen Leverkusen am Samstag werden der Sportliche Leiter Rouven Schröder und U-23-Coach Ludwig Preis auf der Bank sitzen.

"Der neue Mann muss jemand sein, von dem wir alle überzeugt sind - nicht nur für die Zeit bis zum Saisonende, sondern auch darüber hinaus", sagte Hack. Ab sofort sucht Fürth also eine Mischung aus Konzept ? und Feuerwehrmann. Beides schien man Büskens nicht mehr zuzutrauen.

Hasenhüttl gilt als Favorit

Als Kandidat für die Nachfolge wurde schnell Ralph Hasenhüttl gehandelt, derzeit noch in der Zweiten Liga beim VfR Aalen unter Vertrag.

"Ralph Hasenhüttl ist ein sauberer und wertvoller Mensch, der ja auch hier gespielt hat und einen guten Weg als Trainer gegangen ist", sagte Hack zu SPORT1, "ich müsste aber spinnen, wenn ich jetzt sage, dass er es ist."

Dass bereits Trainer kontaktiert wurden, hat Schröder am Donnerstag immerhin bestätigt.

Dreikampf um Rang 16

Sportlich hat sich die Lage in den vergangenen Wochen trotz zweier ernüchternder 0:1-Niederlage gegen Wolfsburg und in Düsseldorf nicht geändert. Der 15. Tabellenplatz war bereits lange außer Reichweite, im Keller hat sich zwischen Fürth, dem FC Augsburg und 1899 Hoffenheim ein Dreikampf um den Relegationsrang 16 herauskristallisiert.

Keine aussichtslose Lage also, und dennoch schien den Verantwortlichen der Spielvereinigung selbst dieses letzte verbliebende Saisonziel in Gefahr zu geraten.

"Wenn wir nicht mehr daran glauben würden, hätten wir diesen Schritt nicht vollzogen", sagte Hack. Vor allem die jüngste Niederlage beim Mit-Aufsteiger aus Düsseldorf hatte Hack desillusioniert: "Das hatte mit Bundesliga nix zu tun!"

So bleibt ein Verein, der sich der vielzitierten Mechanismen des Profifußballs bedient hat und damit wohl Trainer wie Mannschaft gleichermaßen überraschte. Es ist nach Wolfsburg (Felix Magath), Hoffenheim (Markus Babbel) und Schalke (Huub Stevens) die vierte Entlassung in der laufenden Saison.

Gebracht hat bislang keine etwas.

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