Hoffenheimer Frust: Andreas Beck (2.v.l.) kam 2008 vom VfB Stuttgart zu 1899 © getty

Manager Müller wird nach dem erneuten Rückschlag von Wut und Resignation befallen. Für Augsburg fordert er eine 180-Grad-Wende.

Sinsheim/München - Als die Profis von 1899 Hoffenheim am Montagvormittag in die Vorbereitung auf das "Abstiegs-Endspiel" beim FC Augsburg starteten, hatte sich Andreas Müller wieder einigermaßen beruhigt.

Nur wenige Stunden zuvor war dem Manager des Krisenklubs allerdings der Kragen geplatzt.

"Ich bin stinksauer. Das war zum Teil unterirdisch. Da gibt es nichts mehr schönzureden. Dafür habe ich kein Verständnis. Wenn wir so in Augsburg auftreten, werden wir sicher verlieren. So wird das nichts", sagte Müller nach dem desolaten Auftritt der Kraichgauer beim 0:1 im baden-württembergischen Derby gegen den VfB Stuttgart (Bericht).

Müller redet sich in Rage

Einmal in Fahrt, redete sich Müller richtig in Rage. "Ich muss meinen Hals beruhigen, der ist nämlich ziemlich dick. Wir haben ängstlich und ohne Mumm ein Derby gespielt. Das war keine Leistung", äußerte der 50-Jährige.

Und er fügte hinzu: "Ich will das Wort Qualität nicht mehr hören. Qualität ist, wenn man es auf dem Platz zeigt. Das bringen sie nicht. Wenn nur ein, zwei Spieler Normalform haben und acht unter Normalform spielen, kann man nicht gewinnen."

Verlieren verboten

Zumindest verlieren dürfen die Hoffenheimer am Samstag in Augsburg nicht, wenn sie den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen wollen. Der Drittletzte, der nur einen Sieg aus den zurückliegenden zwölf Spielen holte, liegt nur einen Zähler vor dem Vorletzten.

Angesichts von zehn Punkten Abstand zum rettenden Ufer ist die Relegation laut Müller das Höchste der Gefühle. Der Manager war allerdings so geladen, dass er vor dem Augsburg-Spiel keine Hoffnung verbreiten wollte: "Ich habe keine Lust auf Durchhalteparolen. Das bringt doch nichts. Fragen Sie doch die Spieler, was die für einen Plan haben."

Erst eineinhalb Stunden nach dem Abpfiff des Derbys, das Martin Harnik vor 28.750 Zuschauern mit seinem frühen Tor (3.) zugunsten des VfB entschieden hatte, schlug Müller wieder etwas moderatere Töne an.

"Das Trainerteam macht einen hervorragenden Job"

Bei seinem TV-Auftritt in der Sportsendung des "SWR" stärkte er zunächst Trainer Marco Kurz den Rücken ("Das Trainerteam macht einen hervorragenden Job"), und nahm dann die Spieler in die Pflicht.

"In Augsburg muss sich alles ändern, wir müssen uns um 180 Grad drehen. Ich erwarte von der Mannschaft, dass sie in den verbleibenden Spielen den 16. Platz sichert", sagte der gebürtige Stuttgarter.

Plan B in der Tasche

Müller hat allerdings auch einen Plan B in der Tasche, falls der Klub von Mäzen Dietmar Hopp tatsächlich zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte absteigen muss. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir können alle Spieler halten, wenn wir das wollen. Es ist klar, dass wir eine Personalplanung für die 2. Liga machen müssen. Eigentlich will ich mich damit aber noch nicht beschäftigen", sagte der frühere Profi.

Beschäftigen muss sich Kurz ("So ein Spiel ist nicht zu entschuldigen") in den kommenden Tagen vor allem mit der Versagens-Angst seiner Schützlinge, die dem VfB bei der Bewältigung der Krise (fünf Niederlagen in Folge) bereitwillig geholfen hatten.

"Angst begegennen und sie meistern"

"Wir müssen unserer Angst begegnen und sie meistern", sagte Kurz, der in den fünf Spielen unter seiner Regie nur vier Punkte einfahren konnte: "Bei uns haben doch alle den Anspruch, Bundesliga zu spielen. Dann muss man seinem Gegenspieler in Augsburg auch zeigen, dass man besser ist."

Mit der Partie beim FCA ist es allerdings nicht getan. Für die Hoffenheimer, die in dieser Saison wieder einmal für zahlreiche Negativ-Schlagzeilen gesorgt haben, beginnen die Wochen der Wahrheit.

Nach dem Spiel in Augsburg kommt Bayern München in den Kraichgau, dann steht das Spiel beim Tabellenletzten aus Fürth auf dem Programm.

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