Kevin Volland (r., gegen Niedermeier) kam 2012 von 1860 München nach Hoffenheim © getty

Vor dem Duell Hoffenheim gegen Stuttgart stehen beide Seiten unter Druck. VfB-Legende Hansi Müller glaubt an seine Stuttgarter.

Von Reinhard Franke

München - Euphorische Derby-Stimmung sieht anders aus.

Wenn am Abend 1899 Hoffenheim den VfB Stuttgart zum Krisen-Gipfel empfängt (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER), wird die Atmosphäre in beiden Lagern angespannt sein.

Kein Wunder, denn der Blick auf die Tabelle bereitet Fans und Verantwortlichen Kopfschmerzen.

Stuttgart belegt Platz 15, Hoffenheim klebt schon seit Wochen auf Rang 16 fest. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die Kraichgauer stehen auch unter ihrem neuen Trainer Marco Kurz weiter mit dem Rücken zur Wand, in vier Spielen gab es unter dem gebürtigen Stuttgarter, zwei Niederlagen, ein Remis und erst einen Sieg.

Zu wenig für das Hoffenheimer Anspruchsdenken.

VfB: Fünf Niederlagen in Folge

Auch der VfB kennt das Gefühl eines Sieges schon länger nicht mehr. Die letzten fünf Spiele in der Liga wurden allesamt verloren, zuletzt gab es in der Europa League ein mageres 1:1 gegen KRC Genk.

"Das Spiel gegen Genk lasse ich außen vor, Fakt ist, dass du fünf Niederlagen in der Bundesliga am Stück kassiert hast und da ist es klar, dass die Mannschaft völlig verunsichert ist", sagt Stuttgarts Aufsichtsratsmitglied und VfB-Legende Hansi Müller im Gespräch mit SPORT1.

"Es sind die brutalen individuellen Fehler, die uns auf die Verliererstraße gebracht haben. Ich habe alle Spiele gesehen und die Mannschaft war nicht chancenlos. Solche Fehler tun jetzt in der Phase doppelt weh und das hemmt Dich als Spieler."

"Du bräuchtest einen Stefan Effenberg"

Bei solch einem Negativ-Lauf "kommen die ganzen Dinge zusammen. Unsere mangelnde Konzentration und Präzision ziehen sich wie ein roter Faden durch die letzten Spiele. Das macht uns das Leben schwer."

Müller fehlt augenblicklich einer, der dazwischenhaut: "Du bräuchtest einen Stefan Effenberg oder wie früher einen Paul Breitner, einen, der sich unbeliebt macht."

Der Trainer könne von außen schlecht einwirken, weiß der Europameister von 1980.

"Das muss auf dem Platz passieren, das muss ein Spieler mit Atemverbindung richten und so einen kannst du dir nicht backen. Christian Gentner, Serdar Tasci oder William Kvist übernehmen Verantwortung, aber sie hauen den anderen nicht in die Rippen."

Müller stärkt Labbadia den Rücken

Damit sich die Krise beim VfB nicht weiter verschärft, ist ein Sieg Pflicht. Schon jetzt ist der Druck auf VfB-Coach Bruno Labbadia und seine Mannschaft enorm.

Das Kuriose am Formtief der Schwaben ist, dass mit dem Tag der Vertragsverlängerung Labbadias im Januar die Talfahrt begann. Müller will da aber keine Parallelen sehen.

"Das jetzt zu verbinden, das würde ich nicht machen. Alle im Verein sind von Bruno überzeugt. Er hat schon mehrere schwierige Situationen gemeistert. Die Situation jetzt ist ernst, aber wir waren schon mal schlimmer dran. Ganz wichtig ist, dass Fredi und Bruno funktionieren. Sie sind ein gutes Gespann."

Schwierige Aufgaben warten

Für Müller gilt es nun, die Weichen für die Rückkehr in die Erfolgsspur zu stellen. Ganz wichtig sei dabei, dass Labbadia und Bobic "nah an der Mannschaft dran sind und an die Jungs appellieren, dass sie den Glauben an sich nicht verlieren."

Viele Spieler, die jetzt auf dem Platz stehen, hätten schon bewiesen, dass sie es können, weiß Müller. Den Ernst der Lage hat er durchaus erkannt: "Hoffenheim ist ein Sechs-Punkte-Spiel. Das darfst du auf keinen Fall verlieren, damit man die auf Distanz hält."

Zumal nach Hoffenheim mit Nürnberg, Leverkusen und Hamburg "keine leichten Aufgaben" anstehen.

Kurz will vollen Einsatz sehen

Auch für Kurz und Manager Andreas Müller ist die Situation in Hoffenheim ernst. "Es ist schon, was die Nähe betrifft, ein besonderes Spiel für beide Mannschaften", sagt Müller, der auch eine VfB-Vergangenheit hat.

Im Hinspiel gab es ein überzeugendes 3:0 für die Kraichgauer, "aber das wissen die Stuttgarter natürlich auch und werden dementsprechend engagiert sein. Unser Anspruch und Ziel sind dennoch die drei Punkte", so Müller.

Kurz sieht es genauso: "Wir wollen es wieder hinkriegen, dass mit großer Leidenschaft und Engagement der Funke von uns auf die Fans übergeht. Es ist ein ganz wichtiges Spiel, bei dem jeder alles in die Waagschale werfen muss."

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