Rafael van der Vaart (l.) kehrte 2012 von Tottenham Hotspur zum HSV zurück © getty

Der HSV feiert dank eines Geniestreichs von Superstar Rafael van der Vaart den zweiten Sieg in Folge. Trainer Fink bleibt am Boden.

Hamburg - Superstar Rafael van der Vaart kam aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus. Immer wieder musste der begnadete Regisseur des Hamburger SV sein Traumtor erklären.

"Ich habe einfach mal draufgehalten", sagte er nach seinem spielentscheidenden Hammer (24.) aus rund 25 Metern zum 1:0 (1:0)-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach (Bericht): "Als der Ball meinen Fuß verlassen hatte, wusste ich sofort, dass er reingeht." ( 676516 DIASHOW: Der 22. Spieltag )

Van der Vaart war hinterher sichtlich erleichtert. Der Niederländer schoss seinen HSV gegen die müden "Fohlen" nicht nur auf Europapokal-Kurs, sondern feierte auch seine ganz persönliche kleine Auferstehung.

Minutenzählerei endet bei 1066

Die Trennung von Ehefrau Sylvie hatte van der Vaart zuletzt mehr belastet, als er zugeben wollte. Und ohne die Geniestreiche des 30-Jährigen wirkte das Spiel der Hamburger zu Rückrundenbeginn uninspiriert.

Unruhe war aufgekommen, weil "VdV" so lange nicht mehr getroffen hatte. Die Minutenzählerei endete bei 1066. "Schade, dass wir nicht noch einmal gegen Gladbach spielen", sagte er und lachte. Letztmals hatte er beim 2:2 im Hinspiel ein Tor erzielt.

Traumtor mit links

Und wieder war es ein Treffer der Marke "Tor des Monats". Nach einem Ballgewinn überbrückte van der Vaart mit ein paar schnellen Schritte das Mittelfeld, legte sich den Ball auf den starken linken Fuß und drosch ihn unhaltbar für Gladbachs Keeper Marc-Andre ter Stegen in den linken Winkel.

Hinterher wurde dem Genius ausführlich gehuldigt. "Traumtor", meinte Sportdirektor Frank Arnesen. "Sensationell gemacht", urteilte Marcell Jansen. "Wir kennen ja seine Qualität", sagte Trainer Thorsten Fink.

Fink vermeidet "E-Wort"

Durch den Kunstschuss distanzierte der HSV einen direkten Konkurrenten im Kampf um die europäischen Plätze auf vier Zähler und rangiert nun auf dem sechsten Platz (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Die Fans träumen nach zwei enttäuschenden Spielzeiten längst wieder vom Europapokal. Doch Fink will das böse "E-Wort" partout nicht als neues Saisonziel ausgeben.

"Wir fangen jetzt nicht an, von Europa zu sprechen", sagte er, "wir sind heiß auf jedes Spiel und am Ende schauen wir, was rauskommt."

Um sich oben in der Tabelle endgültig festzusetzen, "müssen wir spielerisch noch besser werden", meinte Fink. Und tatsächlich überzeugte der HSV gegen ausgelaugte Gladbacher vor allem kämpferisch.

HSV bestätigt Sieg in Dortmund

Angeführt von van der Vaart waren die Hamburger bissiger und hungriger auf die drei Punkte.

Nach dem glanzvollen Überraschungssieg bei Meister Borussia Dortmund (4:1) vergangene Woche bewiesen die Hanseaten aber auch eine kühle Reife und ließen auch ohne den verletzten Nationalkeeper Rene Adler kaum eine Chance zu.

Jetzt "müssen wir einfach mal über ein paar Wochen auf konstant hohem Niveau spielen", forderte Jansen und verschwand in der Kabine, aus der auch weit nach Spielschluss laute Jubelschreie zu vernehmen waren.

Gladbach müde und bedient

Die Gladbacher hingegen verließen die Hansestadt völlig bedient.

Den "Fohlen" steckte beim HSV nach nur 41 Stunden Pause noch der kraftraubende Europapokal-Abend gegen Lazio Rom (3:3) in den Knochen.

Und so war von dem schnellen Umschaltspiel unter Trainer Lucien Favre an der Elbe vor 54.558 Zuschauern nichts zu sehen.

Trotzdem meinte Sportdirektor Max Eberl: "Wir waren spielbestimmend und haben kaum etwas zugelassen. Ein Unentschieden wäre verdient gewesen, wenn nicht vielleicht sogar ein Sieg für uns."

Diese Einschätzung hatte er allerdings exklusiv. Das verriet nicht nur das Grinsen im Gesicht von Rafael van der Vaart.

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