Jens Keller (l., mit Bastos) beerbte im Dezember den entlassenen Huub Stevens © getty

Bastos' Doppelpack in Mainz sorgt dafür, dass Heldts Treuebekenntnis zu Keller nicht direkt auf die Probe gestellt wird.

Von Martin Hoffmann

München/Mainz ? Wochenlang gingen zuletzt alle Witze auf Schalker Kosten, da nutzte Horst Heldt die Gelegenheit zu gerne, auch mal selbst wieder scherzen zu dürfen.

Ob das 2:2 bei Mainz 05 (Spielbericht) Fisch oder Fleisch gewesen sei, wollte ein Reporter vom S04-Manager wissen. Die Antwort: "Eher Pferd."

Ein tagesaktueller Gag, den Heldt sich erlauben konnte, zumal am Ende offensichtlich war, wie sein Klub den Punktgewinn zu deklarieren hatte: als Erfolgserlebnis, das ein paar Tage Beruhigung ins aufgeregte Revier bringen wird.

Speziell für Jens Keller, den Coach, der seit der Pokal-Pleite gegen Mainz bei seinem Debüt im Dezember nicht zur Ruhe gekommen ist ( 676516 DIASHOW: Der 22. Spieltag ).

Keller aus der Schusslinie

Bedanken konnte sich Huub Stevens' Nachfolger dafür bei Michel Bastos.

Der Neuzugang schob S04 mit seinem Doppelpack (41., 82.) von Platz zehn auf acht und Keller zumindest ein Stück aus der Schusslinie (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Was Heldt, der selbst auch schon mittendrin steht, zuvor nicht gelingen konnte: Dem Coach hatte er nach der 0:4-Pleite in München eine Job-Garantie bis Saisonende gegeben.

Heldts luftiges Treuebekenntnis

Wie viel die wert ist, war aber schon an Heldts Aussagen kurz vor Anpfiff in Mainz abzulesen.

Angesprochen auf diese Garantie verlor der Manager da ein paar wolkige Worte, die übersetzt so viel zu bedeuten hatten wie: "So ernst gemeint ist das nicht, aber was soll ich denn jetzt sonst auch sagen?"

Und längere Zeit sah es so aus, als ob die Realität das luftige Treuebekenntnis auch schnell einholen würde.

Gefährliche Rückstände

Erst war es Andreas Ivanschitz (27.), dann Zdenek Pospech (63.), der die Schalker mit seinem Führungstor an den Rand der nächsten Pleite brachte.

Und Heldts Gesichtszüge glichen denen eines Pferdeliebhabers, dem gerade ein saftiges Stück Supermarkt-Lasagne serviert wurde.

"Horst Heldt hat seinen Beziehungsstatus mit Jens Keller von 'es ist kompliziert' zu 'in einer offenen Beziehung' geändert", kalauerte der frühere Schalke- und heutige Internet-Liebling Hans Sarpei da schon durch die sozialen Netzwerke.

"Die Mannschaft ist intakt"

Die bittere Pointe blieb Heldt und Keller erspart, weil die Mannschaft diesmal eben nicht die Weiße Flagge hisste.

"Man hat gesehen: Die Mannschaft gibt nicht auf, die Mannschaft will und ist intakt", durfte Keller bei LIGA total! zufrieden feststellen.

Tatsächlich stimmte die Einstellung und der Trainer durfte sich am Ende freuen, "dass wir für den Fight und die Laufbereitschaft, die wir heute an den Tag gelegt haben, belohnt wurden".

Kaltschnäuziger Bastos

Entscheidenden Anteil daran hatte Nachwuchshoffnung Maximilian Meyer, der vor dem zweiten Ausgleichstor den entscheidenden Pass spielte, nachdem er den Ball zuvor erfolgreich vor drei Gegenspielern abschirmte.

Über allem aber thronte Bastos, der bei den stürmerlosen Schalkern die Kaltschnäuzigkeit einbrachte, die der "falschen Neun" Jefferson Farfan abging.

Der Brasilianer gilt nach seinen Treffern zwei und drei im dritten Einsatz für Schalke nun auch als Hoffnungsträger für das so wichtige Champions-League-Achtelfinale gegen Galatasaray Istanbul.

Ruhe für Istanbul

Vor dem Hinspiel am Mittwoch hat Keller nun etwas Zeit gewonnen, in Ruhe an den Schwächen zu arbeiten, die auch in Mainz noch deutlich zu Tage traten.

In Sachen Teamchemie war die Mannschaft von Thomas Tuchel den Gästen deutlich überlegen, die Abwehr sah bei beiden Gegentoren nicht gut aus, "zu lethargisch" fand zudem Keeper Timo Hildebrand seine Teamkollegen: "Es muss einfach in den Kopf rein, dass wir aggressiv spielen müssen."

Keller weiß, dass erst ein "dreckiger Sieg" den wirklichen Befreiungsschlag bedeutet, für den Klub, wie auch für ihn persönlich.

Auch wenn ihm Heldt nach dem Abpfiff in Mainz die Job-Garantie noch einmal erneuerte: "Wir haben bisher nichts anderes gesagt", hielt der Manager fest.

Aber was sollte er sonst auch sagen?

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