Arjen Robben erzielte gegen Wolfsburg sein erstes Bundesligator der Saison 2012/13 © imago

Bayerns Sieg in Wolfsburg hinterlässt nicht nur strahlende Gesichter. Robben nervt die Reservistenrolle, Rummenigge die Gerüchte.

Aus Wolfsburg berichtet Frank Hellmann

Wolfsburg - Federnden Schrittes trat Uli Hoeneß aus der Kabine des FC Bayern.

Den obligatorischen Klub-Schal um den Hals geschwungen, seinen Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge in der Gefolgschaft.

Genau in diesem Moment kam ihm im Erdgeschoss der Wolfsburger Arena sein Freund Jupp Heynckes entgegen. "Erfolgstrainer! Respekt!", rief Hoeneß durch den großen Vorraum.

Um nach dem Schulterklopfen noch diese Botschaft anzubringen: "Montag in alter Frische."

Arsenal London als nächster Gegner

Dann trifft sich schließlich am Münchner Flughafen die Entourage des FC Bayern, um die Dienstreise nach London anzutreten. Champions-League-Achtelfinale beim FC Arsenal.

Das Hinspiel läutet für die Bayern die Wochen der Wahrheit in den Cup-Wettbewerben ein, denn in der Liga ist spätestens nach dem 2:0 (1:0) beim VfL Wolfsburg (Bericht) der Rest der Saison im Grunde nur noch ein schönes Schaulaufen.

"Ein souveräner Auftritt. Wunderbar. So unbeirrt müssen wir weitergehen", schwärmte Rummenigge auf dem Weg zu Bus.

Lewandowski-Wechsel fix

Doch die Laune des Bayern-Bosses veränderte sich schlagartig, als die Sprache auf Robert Lewandowski kam. Nach Informationen von SPORT1 und des "Münchner Merkur" ist sich der Stürmerstar von Borussia Dortmund mit den Bayern einig (Bericht).

"Das lächele ich weg, sonst rege ich mich auf", erklärte Rummenigge. Ein Dementi gab es jedoch nicht. Angesprochen auf den Wahrheitsgehalt, hieß es: "Das verrate ich nicht, dann wäre die Spannung weg."

Damit hatte sich Rummenigge ähnlich nebulös geäußert wie Sportchef Matthias Sammer vor Spielbeginn bei "Sky": "Zu dem Thema gibt es von uns nichts zu sagen. Ich kann nicht beurteilen, was der Berater sagt. Ich habe gesagt, was ich sagen musste und sagen wollte und was gesagt werden darf."

"Sie machen den BVB schwächer"

Dafür erläuterte Wolfsburgs Manager Klaus Allofs hinterher ziemlich präzise, was die Bayern mit dem 24-jährigen Polen vorhaben: "Sie machen den BVB schwächer ? damit ist auch was erreicht."

Und beim schwarz-gelben Viertelfinalgegner der Bayern im DFB-Pokal (27. Februar) nimmt die Unruhe zu.

Allofs hat das oft genug erfahren, als die Münchner etwa 2007 bei Werder Bremen mit dem Buhlen um Mittelstürmer Miroslav Klose so viel Verwirrung stifteten, dass die Norddeutschen schlussendlich die Meisterschaft verspielten.

Interessant auch, was Trainer Jupp Heynckes zur Causa Lewandowski zu sagen hatte: "Spieler des FC Bayern müssen mit diesen Meldungen umgehen."

Mandzukic mit Ausrufezeichen

Ein deutlicher Fingerzeig an Mario Gomez, der Aufklärung verlangt hatte. Die bessere Antwort hatte da schon Mario Mandzukic parat, der an alter Wirkungsstätte ein wirklich sagenhaftes Ausrufezeichen setzte.

Erst sein formvollendeter Fallrückzieher brachte den bis dahin nicht wirklich überzeugenden Spitzenreiter auf die Siegerstraße (36.). (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Der hätte auch von mir sein können", merkte Rummenigge mit einem Schmunzeln an.

Der im schwäbischen Ditzingen aufgewachsene Kroate, den sein einstiger Mitspieler Hasan Salihamidzic mal als "Typus Straßenkämpfer" charakterisiert hatte, verkniff sich nach einem Tor mit Anwartschaft auf den "Klaus-Fischer"-Gedächtnispreis jedweden Jubel.

"Ich wollte zeigen, dass ich Wolfsburg noch im Herzen habe. Das war mein Zuhause", so Mandzukic.

Fallrückzieher keine Seltenheit

Solch ein "Tor des Monats" sei nichts Besonderes, versicherte der 26-Jährige, "das mache ich häufiger, wenn wir Fußball-Tennis spielen." Noch am Spieltag habe er das Kunststück morgens unfallfrei in der Halle ausprobiert.

Nur zum möglichen Konkurrenten Lewandowski angesprochen, reagierte der mit 15 Treffern erfolgreichste Bundesliga-Torjäger ausgesprochen wortkarg. Seine Antwort: Kopfschütteln.

Ein anderer aus der Reisegruppe hatte mehr Mitteilungsbedarf. Obwohl Arjen Robben in der zweiten Minute der Nachspielzeit den 2:0-Endstand angebracht hatte, vermochte der Niederländer seinen Frust kaum zu verbergen ( 676516 DIASHOW: Der 22. Spieltag ).

"Ein Tor ist schön - aber sonst ist nichts mehr schön." Und: "Das Tor war okay, aber ich will mehr spielen. Deshalb kann ich mich nicht freuen", sagte er bei LIGA total!.

"Jeder kann duschen wie er will"

Robben hatte sich wieder in Rekordzeit umgezogen, aber Kapitän Philipp Lahm sagte, er gehe nicht davon aus, "dass Arjen jetzt Theater macht. Jeder kann so schnell duschen wie er will."

Wie schon gegen Fürth, in Stuttgart oder Mainz gehörte der 29-Jährige nicht zur Startformation, weil Heynckes sich ? aus nachvollziehbaren Gründen ? in seiner Wunschelf für Franck Ribery und Thomas Müller auf den Flügeln entschieden hat.

Ergo: Robben hockte bis zur 78. Minute auf der Bank. Und schmollte. "Es ist wichtig, dass wir gewinnen, aber ich bin nicht richtig froh. Ich gehe lieber zum Bus."

Ging Robben aber nicht, sondern schickte noch eine unmissverständliche Forderung für den Dienstag hinterher, wenn die Bayern bei Arsenal antreten. "Ich will da unbedingt spielen. Das sind die Superspiele. Ich sehe keinen Grund, warum ich nicht spielen sollte."

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