Sucht nach Lösungen für die Schalker Krise: Sportdirektor Horst Heldt © getty

Die Fans begegnen der königsblauen Krise zunehmend mit Spott. Beim Spiel in Mainz soll endlich wieder Leistung sprechen.

Von Tom Vaagt

München - Ein Anflug von beißendem Spott hat die bedingungslose Liebe abgelöst.

Manch Anhänger von Schalke 04 findet dieser Tage seinen ganz eigenen Weg, um mit der Krise des Vereins umzugehen. Phrasen-Bingo heißt die Form der Frustbewältigung. 25 Allgemeinplätze auf einem Spielschein. Abrufbar unter schalkefan.de. So etwas ist schmerzhafter als jede Kritik.

Immer wenn ein Verantwortlicher oder Spieler öffentlich in eine der vorgegeben Phrasen flüchtet, wird ein Kreuz gemacht. Sportdirektor Horst Heldt ging vor der Partie am Samstag bei Mainz 05 (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) schon einmal in Vorleistung.

Nur ein Sieg aus elf Spielen

"Wir nehmen die Spieler natürlich in die Pflicht", sagte der Manager. Ein Volltreffer. Mal wieder. Wie so oft in den vergangenen Wochen. Man wirkt machtlos bei S04.

Aber was soll man angesichts der jüngsten Bilanz von nur einem Sieg aus elf Pflichtspielen auch groß sagen? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ergebnisse müssen sprechen. Schnell. "Man kann es irgendwann selbst nicht mehr hören und lesen, was man so sagt. Die Fans wollen Antworten, aber wir sind ja selbst ratlos", gestand Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder der "Bild". Doch auch Ehrlichkeit bringt keine Punkte.

Leben muss in die Mannschaft zurückkehren. Beim 0:4 am vergangenen Wochenende beim FC Bayern (Bericht) ergaben sich die Schalker einem übermächtigen Gegner fast ohne Gegenwehr. "Das war nicht akzeptabel", sagte Kapitän Benedikt Höwedes anschließend.

Keller immer heftiger in Kritik

In der Tat. Doch wer soll das Team wachrütteln? Trainer Jens Keller ist schon seit seinem Dienstantritt im vergangenen Dezember selbst schwer angeschossen. 1:2 ging die erste Partie unter seiner Führung verloren - bei Mainz 05. Für Schalke war es das Ende im DFB-Pokal. Für Keller der Anfang immer heftigerer Kritik.

Heldt steht dennoch unverrückbar zum Coach. Es gibt keine wirklichen Alternativen. Zumindest nicht im Moment. Ob Armin Veh, Martin Jol oder wer sonst noch alles als potenzieller Schalke-Trainer gehandelt wird - fast alle Kandidaten wären erst im Sommer frei für einen Wechsel. Die Spur zum sofort verfügbaren Stefan Effenberg läuft derzeit ins Leere.

Tuchel bekennt sich zu Mainz

Auch der Mainzer Thomas Tuchel wird immer wieder in Gelsenkirchen gehandelt. Vor dem Duell am Samstag bekannte sich der Coach aber eindeutig zu seinem aktuellen Klub.

"Stand jetzt: Ein glasklares Ja, dass ich im nächsten Jahr noch Trainer in Mainz bin", sagte der Coach.

Die Schalker Suche nach einer langfristigen Perspektive gestaltet sich also schwierig. Die Gefahr, darüber die Gegenwart zu vergessen, ist allgegenwärtig. Eigentlich wollte man erneut in die Champions League. Nun schleppt man sich durch die Saison - psychisch und physisch angeschlagen.

Auch in Mainz fehlen neben Torjäger Klaas-Jan Huntelaar wieder zahlreiche Leistungsträger aufgrund von Verletzungen. "Das ist eine Situation, die man so annehmen muss", sagt Heldt und verfehlt das nächste Kreuz auf dem Bingoschein nur knapp.

Champions League in Istanbul

Dabei gerät eines fast in Vergessenheit: Alles können Klub und Manager in vergangenen Monaten nicht falsch gemacht haben. Am kommenden Mittwoch gibt es eine Gedächtnisstütze. Im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League geht es zu Galatasaray Istanbul.

Bei der Auslosung galt der türkische Meister noch als lösbare Aufgabe. Dann kamen die Superstars Didier Drogba und Wesley Sneijder zu Galatasaray. Nach Gelsenkirchen kamen zuletzt vor allem Frust und Spott und Bingo.

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