Nun also die Station als Manager bei Werder Bremen. Mit Aufsichtsratschef Willi Lemke wird der Vertragsabschluss bis 2016 verkündet
Thomas Eichin (l.) spielte als Profi für Borussia Mönchengladbach und den 1. FC Nürnberg © imago

Kurz vorm Amtsantritt spricht Bremens neuer Geschäftsführer Thomas Eichin bei SPORT1 über seinen Job und Coach Schaaf.

Von Reinhard Franke

München - Thomas Eichin tritt ein schweres Erbe an:

Wenn der 46-Jährige am Freitag offiziell seinen Dienst als Geschäftsführer bei Werder Bremen beginnt, wird der Schatten seines Vorgängers Klaus Allofs mehr denn je nachwirken. 655953 (DIASHOW: Thomas Eichins Karriere)

Doch Eichin ist bereit für den neuen Job: Borussia Mönchengladbachs Ex-Profi arbeitete die letzten 14 Jahre als Manager bei Eishockey-Traditionsklub Kölner Haie - und hat den Kontakt zum Fußball nie abreißen lassen.

Vor Bremens Duell mit dem SC Freiburg (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht der Diplomsportfachwirt im SPORT1-Interview über das Allofs-Erbe, Werder-Coach Thomas Schaaf - und eine harte Lehrzeit.

SPORT1: Herr Eichin, Sie sind bis einen Tag vor Ihrem Start bei Werder noch für die Haie tätig. Sind Sie ein Workaholic?

Thomas Eichin: Es ist bis zuletzt einfach noch etwas zu tun. Ich hätte gerne eine Woche Urlaub gemacht, aber im Eishockey ist das kaum möglich, weil es so viele Spiele gibt. Werder wollte jetzt natürlich, dass ich zügig komme, dass es los geht. Ich habe aber genug Adrenalin, um das alles hinzukriegen.

SPORT1: Nach Ihrer Fußballer-Karriere wurden Sie ungewöhnlicherweise erst Eishockey-Marketingleiter in Köln, ab 2001 dann Geschäftsführer: Wie kam es dazu?

Eichin: Ich habe während meiner Gladbacher Profizeit studiert (Sportmanagement, Anm. d. Red.) , und Rolf Rüssmann (Gladbachs früherer Manager, Anm. d. Red.) hat mich damals in die Marketing-Abteilung geholt. Dort habe ich als Assistent des Marketingleiters wirklich all das gemacht, was meine Praktikanten heute machen.

SPORT1: Was denn?

Eichin: Ich habe Autogrammkarten-Sätze zusammengestellt, stand oft am Kopierer, habe Cola-Kästen geschleppt, zudem habe ich abends noch mit der zweiten Mannschaft trainiert, samstags Bundesliga organisiert und bei den Amateuren gespielt. Ich habe eine echte Knochenzeit durchgemacht, aber es war wichtig für mich, diese lehrreichen Jahre hinzukriegen. Ich wurde Marketingleiter, und schließlich kam das Angebot aus Köln, was mich sehr gereizt hat.

SPORT1: Was genau?

Eichin: Ich hatte die Möglichkeit, den Verein neu aufzubauen. Es gab damals nur die Mannschaft, zwei Container und eine kleine Geschäftsstelle - wir haben dann ein komplett neues Trainingszentrum samt Geschäftsstelle aufgebaut. Davon habe ich profitiert, und das war sicher auch ausschlaggebend für meinen neuen Job bei Werder: Ich bringe ein gewisses Rüstzeug mit.

SPORT1: Sie haben den Fußball dennoch nie vergessen?

Eichin: Auf keinen Fall. Ich habe mich im Fußball immer weitergebildet, habe den Trainerschein gemacht und mir hunderte von Spielen angeschaut. Fußball ist nach wie vor meine Leidenschaft.

SPORT1: Wie groß sind nun die Fußstapfen von Klaus Allofs?

Eichin: Manager bei einem Bundesligisten zu sein, ist immer schwer. Unabhängig davon, ob Klaus bei Werder einen super Job gemacht hat oder ob da ein anderer Manager gewesen wäre. Ich habe Respekt, aber keine Angst vor der Aufgabe. Ich bin der richtige Mann für Werder. Die Zeit bei den Haien war anfangs auch schwierig.

SPORT1: Bei Werder geht es selten turbulent zu, selbst in den Wochen von Allofs' Abschied herrschte Ruhe. Ist es gerade deshalb für Sie die richtige Adresse?

Eichin: Ja. Ich habe das auch immer bewundert. Wie Klaus Allofs und Thomas Schaaf in der Öffentlichkeit agiert haben, habe ich versucht, für meine Tätigkeit in Köln mitzunehmen. Ich habe mich mit den Trainern auch sehr gut arrangiert, und wir sind gemeinsam in der Öffentlichkeit aufgetreten. Ich versuche so zu arbeiten, wie Klaus Allofs und Thomas Schaaf das jahrelang gemacht haben.

SPORT1: Zwischen Allofs und Schaaf passte kein Blatt. Wie wollen Sie sich positionieren?

Eichin: Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich hatte nie ein Problem mit meinen Trainern, man kann mit mir gut auskommen. Thomas und ich duzen uns, und ich bin sicher, dass wir gut zusammenarbeiten werden. Eine solche Beziehung muss einfach wachsen.

SPORT1: Nach Allofs' Weggang konnte sich Schaaf stärker zeigen. Wie sehen Sie Ihren Platz an seiner Seite?

Eichin: Natürlich bin ich Geschäftsführer, aber ich sehe meine Aufgabe vor allem in der Teamarbeit. Jeder wird seine Stärken einbringen, und ich werde merken, wo ich helfen kann. Ich versuche, auf Augenhöhe mit Thomas und Frank Baumann (bei Werder nun Direktor Profifußball und Scouting, Anm. d. Red.) das Beste für Werder rauszuholen. Ich war immer ein Teamplayer, halte nichts von Alleinunterhaltern.

SPORT1: Wo wollen Sie ansetzen, um Werder wieder nach oben zu führen?

Eichin: Ich werde nicht mit dem Bagger reinfahren und wilde Entscheidungen treffen. Ich muss mir alles genau angucken, alles analysieren, und das geht nicht innerhalb von zwei Tagen. Ich muss richtig im Thema drin sein, um etwas entscheiden zu können.

SPORT1: Was ist möglich mit der Mannschaft?

Eichin: Möglichst mitzuspielen um die internationalen Plätze - dieses Ziel wurde vor der Saison ausgegeben, und da soll nichts korrigiert werden. Wir sind nicht so weit davon entfernt, die Truppe spielt momentan gut, hat Biss und Leidenschaft. Aber wir sind gut beraten, uns immer nur auf das nächste Spiel zu konzentrieren - das ist nun Freiburg zu Hause. Da wollen wir drei Punkte holen. Eins ist doch klar: Wir gehören nicht auf Platz elf.

SPORT1: Werden Sie gegen Freiburg auf der Bank sitzen? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Eichin: Ja, weil ich nah am Geschehen dran sein will. Ich will alle Abläufe kennenlernen. Es kann auch mal sein, dass ich auf der Tribüne sitzen werde, aber am Anfang werde ich unten mit dabei sein.

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