Schon in Posen glänzte Artjoms Rudnevs mit 33 Toren in 56 Pflichtspielen © getty

Rudnevs will nach zwei Toren in Dortmund nachlegen. Bei SPORT1 spricht er über das Traumduo mit Son und seinen Plan für Europa.

Von Thorsten Langenbahn

München - Selbst die Mitspieler konnten sich so manches Lächeln nicht verkneifen.

Wenn Artjoms Rudnevs den Ball im Training des Hamburger SV mal wieder ebenso wuchtig wie unplatziert in Richtung Tor bolzte, waren Zweifel angesagt. 3,5 Millionen Euro Ablöse? Für so einen? Ein typischer Fall von Fehleinkauf.

Rudnevs galt als unbeholfen und überfordert - selbst nachdem er seine ersten Treffer erzielt hatte. Doch der Lette ließ sich nicht beirren. Ebensowenig wie Trainer Thorsten Fink und Sportchef Frank Arnesen. Man hielt an Rudnevs fest. Und wird nun belohnt.

Zuletzt zwei Tore beim 4:1 gegen Borussia Dortmund (Bericht), insgesamt schon zehn Saisontreffer. Sein hochbezahlter Vorgänger Paolo Guerrero brachte es in der gesamten vergangenen Spielzeit nur auf fünf Tore.

Im SPORT1-Interview spricht Rudnevs über den Sensationssieg beim deutschen Meister, den Erfolgssturm mit Heung-Min Son, seine Entwicklung an der Elbe und die Chancen des HSV auf die Europa League (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

SPORT1: Herr Rudnevs, wie viel Mut gehörte dazu, so offensiv wie der HSV beim BVB aufzutreten?

Artjoms Rudnevs: Wir wussten genau, wie wir gegen Dortmund spielen müssen. Das haben wir sehr gut gemacht. Es war ein hartes und schwieriges Spiel, aber wir haben unsere Chancen genutzt. So haben wir die drei Punkte mitgenommen. Das war sehr wichtig für uns.

SPORT1: Das Zusammenspiel im HSV-Sturm mit Heung-Min Son funktioniert immer besser ...

Rudnevs: Wir wollen noch viele Tore für den HSV schießen. Das war ein perfektes Spiel für uns. Unsere ganze Mannschaft hat gut gespielt. Die Verteidiger haben super gearbeitet, auch Rene Adler im Tor.

SPORT1: Gibt es zwischen Son und Ihnen einen internen Wettkampf, wer der bessere Torjäger ist?

Rudnevs: Nein. Für mich ist das Wichtigste, dass meine Mannschaft gewinnt. Dann sind alle zufrieden. Ob Son oder ich die Tore schieße, das ist egal.

SPORT1: Ihre beiden Treffer in Dortmund waren für Sie die Saisontore Nummer neun und zehn. Wie bewerten Sie Ihre bisherige Entwicklung beim HSV?

Rudnevs: Ich habe einen klaren Plan für diese Saison, wie viele Tore ich schießen will. Diesen Plan will ich auf dem Platz umsetzen. Ich werde nicht verraten, wie viele Tore ich mir insgesamt vorgenommen habe. Das ist nur für mich selbst bestimmt. Nach der Saison rechne ich dann ab. Wenn es gut ist, will ich in der nächsten Saison noch mehr treffen. Wenn es nicht gut ist, muss ich noch härter daran arbeiten. Bisher bin ich auf einem guten Weg.

SPORT1: Auch dank Ihres zweiten Doppelpacks in dieser Saison. Was ist für Sie noch möglich?

Rudnevs: Ich würde natürlich gerne mal einen Hattrick erzielen. Das ist doch normal. In Polen ist mir das schon viermal gelungen. Und in der Bundesliga wird es mir eines Tages auch noch gelingen.

SPORT1: Wie haben Sie sich seit Ihrem Wechsel von Lech Posen im Sommer in Hamburg eingelebt?

Rudnevs: Sehr gut. Alles ist prima für mich. Meine Familie ist ebenfalls hier in Hamburg. So kann ich mich voll auf den Fußball konzentrieren und einfach nur Tore schießen. So kann es weitergehen.

SPORT1: Ist Ihre Mannschaft auf einem guten Weg, ihren Rhythmus zu finden?

Rudnevs: Auf jeden Fall. Das vorletzte Spiel gegen Frankfurt haben wir zwar verloren, aber gegen Dortmund hat man gesehen, wie wir kämpfen und unseren Job gut machen können. Ich hoffe, das wird am kommenden Wochenende gegen Mönchengladbach genauso sein. Da wollen wir wieder drei Punkte holen.

SPORT1: Der HSV liegt inzwischen in Reichweite zu den Europapokalplätzen ?

Rudnevs: Da wollen wir gar nicht so viel von sprechen. Wir müssen realistisch bleiben und richtig hart arbeiten. Wir müssen in fast jedem Spiel drei Punkte holen, wenn wir es in die Europa League schaffen wollen.

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