Alaba sagt zu Hoeneß, er müsse nachdenken. Nach ein paar Tage kommt die Antwort: "Ich habe nachgedacht. Da muss der Ribery mit einem anderen Schwarzen unterwegs gewesen sein." Nach seinem Vortrag hat Hoeneß die Lacher auf seiner Seite
David Alaba hat in dieser Saison 14-Ligaeinsätze für den FC Bayern absolviert © getty

Alaba glänzt als Ribery-Sidekick, ein Experte sieht ihn an der Weltspitze. Sein Nationaltrainer nennt SPORT1 Alabas Idealposition.

Von Mike Lukanz und Andreas Kloo

München/Schladming - Bei David Alaba ist die Schulzeit ja noch nicht lange vorbei, insofern weiß der erst 20-Jährige sicher noch um die Bedeutung von Noten.

Der Österreicher erhielt am Wochenende nach seinem Doppelpack beim 4:0 des FC Bayern München gegen den FC Schalke (Bericht) flächendeckend die Note "1": sehr gut.

Zuerst verwandelte er den Foulelfmeter zum 1:0 im Stile eines abgebrühten Profis, im zweiten Abschnitt vollendete er nach Vorlage von Mario Gomez zum 3:0.

Dass ausgerechnet er die Elfmeter in Abwesenheit des etatmäßigen Schützen Thomas Müller verwandelt, ist angesichts der Ansammlung von internationalen Topstars im Kader auch auf dem zweiten Blick bemerkenswert.

Entsprechend überschwänglich waren auch die Reaktionen in den Tagen danach.

Komplimente vom "Kaiser"

"Der Junge ist erst 20, es ist hervorragend, was er bei den Bayern zeigt", sagte Österreichs Nationaltrainer Marcel Koller zu SPORT1 (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Auch vom "Kaiser" persönlich gab es warme Worte: "David Alaba ist ein großer Lichtblick. Er hat es geschafft, den weltbesten Linksverteidiger, Philipp Lahm, auf die rechte Seite zu verdrängen", sagte FCB-Ehrenpräsiden Franz Beckenbauer.

"Der beste Linksverteidiger der Welt"

Jan-Aage Fjörtoft, Experte bei "Sky", sieht im jungen Wiener gar den "besten Linksverteidiger der Welt".

Und der Gelobte? Gibt sich ganz bescheiden. "Wir haben Spaß und Schmäh in der Kabine, das haben wir auch auf dem Platz gezeigt", sagte Alaba. "Wichtig ist, dass wir die drei Punkte geholt haben."

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Starke Entwicklung

Der Jungspund hat beim FC Bayern seit seinem Profidebüt im Frühjahr 2010 eine erstaunliche Entwicklung genommen. Publikumsliebling ist er wegen seiner unbekümmerten Art und seines herrlichen Wiener Dialekts ohnehin schon lange.

Dass er jedoch seinen Platz im Starensemble des Rekordmeisters gefunden, hat eben auch ganz banale sportliche Gründe.

Denn Alaba verfügt über ein für sein Alter großes taktisches Verständnis, ist dazu mit einer hohen Grundschnelligkeit ausgestattet und nicht zuletzt technisch hochbegabt. Attribute, wegen derer er im Nationaldress der Österreicher sogar auf der so wichtigen Position vor der Abwehr spielt.

Zentrale Rolle im ÖFB-Team

"Für uns ist wichtig, dass er im zentralen Mittelfeld spielt. Bei uns wird er dort auch bleiben", sagte Koller mit einem kleinen Seitenhieb gen München.

Und auch Alaba selbst sieht sich eher zentral. Doch FCB-Trainer Jupp Heynckes bremst noch: "Noch sind einige Spieler vor ihm, aber er hat noch viel Zeit. Er muss auch erst in solch eine wichtige Position hineinwachsen."

Beim Tabellenführer ist man im defensiven Mittelfeld mit Bastian Schweinsteiger und Javier Martinez bekanntlich luxuriös ausgestattet.

Auf der Position links in der Viererkette ist Alaba zurzeit ungleich wertvoller. Dies hat auch Trainerfuchs Heynckes erkannt, der ohnehin seit jeher ein Faible für junge, talentierte Spieler hat.

Ribery nennt ihn "kleinen Bruder"

Alaba und der kongeniale Franck Ribery wirbeln gemeinsam die linke Außenbahn beim Rekordmeister entlang. Sie verstehen sich nicht nur auf dem Platz hervorragend, sondern auch privat. Ribery nannte den Österreicher unlängst "meinen kleinen Bruder".

Auf dem Rasen wiederum passt eher Alaba auf seinen großen Bruder auf, hält ihm defensiv den Rücken frei, hinterläuft den Tempodribbler und macht so das Spiel breit.

Riberys Beständigkeit und Formstärke in dieser Saison haben eben auch mit Alaba zu tun, der nach auskurierter Fußverletzung seit dem 9. Spieltag in der Startelf steht und jeweils 90 Minuten durchgespielt hat.

Lehrzeit in Hoffenheim

Indes, die Schattenseiten des Profigeschäfts kennt Alaba inzwischen auch.

Am 20. März 2010, da war er zarte 17 Jahre alt und hatte seinen erst zweiten Einsatz von Beginn an, unterlagen die Bayern 1:2 bei Eintracht Frankfurt. Bis kurz vor Schluss führten die Münchner 1:0, bis Alaba zwei kapitale Fehler unterliefen, die zur Niederlage führten. Note "6", ungenügend.

Ein halbes Jahr später wurde Alaba nach Hoffenheim ausgeliehen, in der Schule hätte so etwas wohl "Nachsitzen" geheißen.

Anscheinend hat es gewirkt.

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