Olaf Thon spielte von 1983 bis 1988 und von 1994 bis 2002 für den FC Schalke 04 © getty

Olaf Thon erläutert im SPORT1-Interview seine Aussagen zu Bastian Schweinsteiger. Schalke-Coach Jens Keller stärkt er den Rücken.

Von Reinhard Franke

München - Den Überraschungseffekt hatte Olaf Thon ganz klar auf seiner Seite.

Die kritischen Worte des ehemaligen Schalker und Münchner Profis in Richtung Bastian Schweinsteigers bei "sky" sorgten für Aufsehen (News).

Im SPORT1-Interview erläutert Thon seine Aussagen über Schweinsteiger und spricht über die kriselnden Schalker.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

SPORT1: Herr Thon, Ihre Kritik an Bastian Schweinsteiger hat für Aufsehen gesorgt.

Olaf Thon: Ich habe mich Günter Netzer nur angeschlossen.

SPORT1: Inwiefern?

Thon: Günter Netzer hat das ja schon gesagt, dass "Schweini" mehr in die Breite spielt und Ilkay Gündogan dahin geht, wo es weh tut. Ich habe dies dann mit meinen Worten noch etwas ergänzt, dass "Schweini" ein bisschen langsamer geworden ist. Er war noch nie einer der schnellsten Spieler, aber ein sehr schlauer Spieler, der sich jetzt auf andere Tugenden besonnen, beispielsweise mehr ein Freistoß-Spezialist zu werden und aus dem hinteren Bereich zu kommen. Er hat die Zeichen der Zeit erkannt.

SPORT1: Das heißt konkret?

Thon: Er muss einfach andere Tugenden an den Tag legen, weil er nicht mehr der Spieler mit dieser Schnelligkeit sein kann, die man braucht, um vorne im offensiven Bereich torgefährlich zu werden. Da sehe ich eben schon Parallelen zu Michael Ballack, falls "Schweini" mal eine Verletzung treffen sollte.

SPORT1: Wie sehen Sie denn momentan die Chancen für Schweinsteiger?

Thon: Im Moment sehe ich die Chancen für ihn noch ordentlich bis gut 2014 Stammspieler und Führungskraft zu sein, aber die Konkurrenz schläft nicht und nagt. Ich habe einfach festgestellt, dass er nicht mehr der Schnellste ist und nicht der Mann ist, der im Zweikampf eins gegen eins einen Gegenspieler umspielen kann, das wissen wir.

SPORT1: Das ist aber deutliche Kritik an Schweinsteiger.

Thon: Das ist nur eine Feststellung. Ich mag den "Schweini" schon von seiner Persönlichkeit und von seinem Naturell her und ich wünsche mir auch mit dieser Nicht-Kritik ihn daran zu erinnern, dass er auf dem richtigen Weg ist, sich jetzt auf andere Tugenden zu beschränken. Er hat gegen Schalke auch mit seinem Freistoßtor gezeigt, dass er der Leader ist und der Anspielpunkt im defensiven Mittelfeld. Da sehe ich ihn auch und wünsche ihm viel Glück. Ich sehe aber auch die Gefahren, die auf ihn zukommen könnten - wie auch bei Ballack, als der schlimm verletzt war. Doch das wünsche ich ihm nicht.

SPORT1: Kommen wir zu Ihren Schalkern. Wo sehen Sie die Hauptgründe für die Krise bei Königsblau?

Thon: Wir sehen alle, dass Schalke 04 seit dem neunten, zehnten Spieltag rapide abstürzt. Das hatte auch mit dem Trainerwechsel Huub Stvens zu tun und in meinen Augen vor allem auch mit der Problematik auf der Torhüter-Position, weil man da keine feste Nummer eins installieren konnte. Zudem kamen auch verletzungsbedingte Ausfälle im Sturm hinzu mit Afellay, Farfan und Huntelaar, der nachher nicht mehr in der Lage war einen Ball anzunehmen. Huntelaar wurde immer unsicherer, das führte dazu, dass die Spieler von den eigenen Fans ausgepfiffen wurden.

SPORT1: Was waren weitere Gründe?

Thon: Die Vertragssituation von Huub Stevens war sehr unschön, hinzu kam das Problem mit Lewis Holtby, den man zu Tottenham Hotspurs hat ziehen lassen. Das waren alles Probleme, die dazu geführt haben, dass Schalke jetzt in der chaotischen Situation steckt.

SPORT1: Ihr königsblaues Herz muss gerade sehr leiden. Kitzelt es Sie nicht mitzuhelfen?

Thon: Doch, das habe ich ja auch getan. Aber nicht in einer Position als Trainer oder Manager, sondern als Repräsentant, der versucht den Verein nach außen hin zu vertreten. Aber auch nach innen, was Sponsoring und Marketing betrifft.

SPORT1: Wie sehen Sie Manager Horst Heldt? Er lag nicht unbedingt richtig mit seinen Entscheidungen, oder?

Thon: Es kann nie einer alles richtig machen. Dass Heldt in der Kritik steht, ist klar. Für mich ist es wichtig, jetzt an dem Trainer festzuhalten, weil Heldt nicht alle drei, vier Spieltage einen neuen Trainer positionieren kann. Man muss jetzt hinter Keller stehen und ihm Rückenwind geben. Da muss man jetzt zusammen durch. Jedes Mal das Pferd zu wechseln bei Gegenwind wäre völlig falsch. Jetzt muss vom Charakter der Mannschaft eine Initialzündung ausgelöst werden. Feste Strategien müssen Einzug halten.

SPORT1: Wie meinen Sie das?

Thon: Im Tor muss Hildebrandt stehen, Höwedes in der Zentrale, Jones muss Verantwortung übernehmen und nicht hilflos im Mittelfeld umher spielen und zahnlos wirken. Auch hätte ich mir jetzt gewünscht, dass Jones gegen Bayern Flagge zeigt, das hat er nicht getan. Das wünsche ich mir im Sturm auch von einem Huntelaar. Diese Achse muss Schalke in der brenzligen Situation führen.

SPORT1: Glauben Sie, dass Horst Heldt am Ende dieser Situation noch Manager auf Schalke sein wird?

Thon: Da wird in den nächsten Wochen sicherlich Unruhe herrschen und nur die Ergebnisse werden zeigen, inwieweit Trainer und Manager gestärkt aus dieser Situation heraus gehen oder ob es weiter bergab geht. Ich hoffe, dass es jetzt eine Stabilisierung gibt, aber dazu muss man diese Tugenden an den Tag legen, die ich bereits angesprochen habe. Ich würde sehr gerne helfen.

Weiterlesen