Andreas Beck (l.) wechselte 2008 vom VfB Stuttgart zu 1899 Hoffenheim © getty

Nach dem Rückschlag in Hannover herrscht im Kraichgau Ratlosigkeit. Der Aufwärtstrend bleibt aus, das Torwart-Thema bleibt.

Von Reinhard Franke und Jürgen Blöhs

München/Hannover - Es sollte alles besser werden.

Als Marco Kurz den Job bei 1899 Hoffenheim antrat, standen die Kraichgauer auf Platz 16.

Vier Spiele sind nun unter dem Schwaben gespielt und eine Besserung ist nicht wirklich erkennbar.

Seine Mannschaft belegt immer noch den drittletzten Rang in der Tabelle und alles deutet auf ein Wiedersehen in der Relegation mit Kurz' Ex-Klub, dem 1. FC Kaiserslautern, hin.

Beck konsterniert

Kurz' Bilanz liest sich entsprechend: Zwei Niederlagen, ein Remis bei nur einem Sieg. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Während man nach dem 2:1-Sieg gegen Freiburg vor einer Woche wieder Hoffnung schöpfen konnte aufgrund eines couragierten Auftritts, war die Laune nach dem 0:1 in Hannover (Bericht) wieder am Boden.

"Wir hatten uns viel vorgenommen. Das war gegenüber Freiburg eindeutig ein Rückschritt", klagte Kapitän Andreas Beck im Gespräch mit SPORT1: "Wir wollten alles geben und zur Not nach dem Schlusspfiff in die Kabine kriechen. Aber wir sind nicht an unsere Grenzen gegangen."

Folgenschwerer Lapsus von Gomes

Was die Sorgen nicht unbedingt schmälert, ist die Tatsache, dass das Torwart-Thema auch nach dem Spiel gegen die Niedersachsen wieder aufkam. Heurelho Gomes, als Ersatz für den unglücklich agierenden Tim Wiese geholt, patzte entscheidend.

Der Brasilianer kam vor dem Gegentor gegen den einköpfenden Mame Diouf zu spät. Manager Andreas Müller verteidigte den Keeper auf SPORT1-Nachfrage aber:

"Natürlich sah Gomes unglücklich aus beim Gegentor, aber ansonsten war es eine gute Leistung Leistung von ihm. Er spielt gut mit und war besonders in Eins-zu-Situationen stark."

Müller versteht die Spieler nicht

Die erneuten Aussetzer seines Teams machen aber auch Müller große Sorgen.

"Wir waren nicht konzentriert genug und zu wenig kompakt. Zielstrebigkeit und Einfachheit haben gefehlt. Das war ein herber Rückschlag. Ich verstehe die Spieler nicht", sagte er. Beck ergänzte:

"96 hat uns bestimmt nicht vor unlösbare Aufgaben gestellt, aber mit so einer Leistung haben wir auch keinen Punkt verdient."

Beängstigende Offensivschwäche

Zum 15. Mal im 21. Spiel geriet die TSG mit 0:1 in Rückstand, zwölf dieser Spiele gingen anschließend auch verloren, nur zwei Siege standen am Ende auf der Habenseite.

Zu wenig, um hoffnungsvoll nach vorne schauen zu können. Die instabile Torwart-Position ist bei weitem nicht das einzige Übel in der Kurz-Truppe.

Was Kurz, den Klub-Bossen und Mäzen Dietmar Hopp an der Spitze besonders die Sorgenfalten ins Gesicht treiben dürfte, ist die beängstigende Offensivschwäche.

Eigentlich merkte man in den letzten Spielen nur Kevin Volland eine gewisse Torgeilheit an. Der 20-Jährige, der im Sommer von 1860 München zu 1899 wechselte, erzielte alle drei Tore in den bisherigen vier Rückrunden-Partien und ging zuletzt trotz seines jungen Alters als Musterprofi vorneweg.

Derdiyok und de Camargo wirkungslos

Seine Kollegen dagegen nehmen sich schon länger eine Auszeit, allen voran Eren Derdiyok, der im Sommer aus Leverkusen geholt wurde. Neuzugang Igor de Camargo, aus Mönchengladbach gekommen, wartet auch nach zwei Spielen immer noch auf eine gelungene Aktion.

In Hannover waren Volland und Eugen Polanski wieder mal beste Hoffenheimer.

"Ich bin sprachlos. Wir haben die einfachsten Dinge total vergessen. Wir wollen zaubern, statt einfach nur mal den nächsten Mann zu suchen.", kritisierte Polanski.

Schwere Aufgaben vor der Brust

Die nächsten Partien werden so für die Kraichgauer schon vorentscheidend.

Am Sonntag geht es ins Derby gegen den ebenfalls kriselnden VfB Stuttgart, dann geht es zum Schlüsselspiel beim einen Punkt schlechter da stehenden FC Augsburg.

Spätestens dann sollte sich die Bilanz von Kurz und seinem Team bessern - denn anschließend kommen die Über-Bayern nach Sinsheim.

Weiterlesen