Fredi Bobic (2.v.r.) ist seit Juli 2010 Sportdirektor beim VfB Stuttgart © imago

In Stuttgart macht sich HIlflosigkeit breit. Die Fans schießen gegen den Trainer. Manager Bobic bleiben nur Durchhalteparolen.

Von Mike Lukanz und Rainer Nachtwey

München/Stuttgart - Es sind sichere Indizien für die handfeste Krise, die zurzeit beim VfB Stuttgart herrscht.

Die Flucht in Phrasen als Zeichen der Hilflosigkeit.

VfB-Manager Fredi Bobic: "Wir müssen jetzt Selbstvertrauen tanken" und "Wir müssen die Fehler abstellen".

Diese Erkenntnisse nach fünf Pleiten in Serie sind wenig überraschend, doch im Schwabenländle ist man derzeit abseits des Rasens ähnlich hilflos wie darauf.

Das 1:4 gegen Werder Bremen (Bericht) stand in vielerlei Hinsicht exemplarisch für den gefährlichen und immer schnelleren Abwärtstrend, den die Stuttgarter im Jahr 2013 genommen haben.

Einen derartigen Negativlauf hat der VfB zuletzt im Jahr 1987 erlebt. Damals setzte es sieben Niederlagen am Stück. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Fans brüllen: "Bruno raus"

Einen Trend, der sich, einer gewissen Ironie folgend, in einer Zeit entwickelte, als das vermeintlich wichtigste Thema beim VfB der vergangenen Wochen endlich geklärt war: die Vertragsverlängerung von Trainer Bruno Labbadia bis 2015.

Die Fans in der Cannstatter Kurve bewiesen am Samstag, dass sie für derlei vertragliche Details wenig übrig haben: "Bruno raus!", schallte es durch das nur durchschnittlich besuchte Rund der Mercedes-Benz-Arena.

Zwar war der Beginn gegen Werder Bremen durchaus ambitioniert, doch bei der ersten Gegenwehr des Gegners bricht das Gefüge wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

"Wenn das Spiel offen bleibt und wir unsere Chancen nicht nutzen, dann verlieren wir unsere Sicherheit", analysierte Martin Harnik auf SPORT1-Nachfrage.

Der ewige Einbruch in der Rückrunde

"Wir befinden uns in einer Phase, in der schon Kleinigkeiten reichen, um uns zurückzuwerfen", stellt Labbadia fest, ohne bislang ein Mittel dagegen gefunden zu haben.

Schon wird der Trainer mit seinem "Rückrunden-Problem" konfrontiert, das ihm in Leverkusen und Hamburg den Job gekostet hatte, als jeweils in der zweiten Saisonhälfte seine Mannschaften brutal abstürzten.

Dass es auch anders geht, hatte der 47-Jährige vergangene Saison just mit dem VfB bewiesen. Doch die sportliche Situation scheint in diesem Jahr dramatischer, da zu viele Fehler passieren, und zwar in allen Mannschaftsteilen.

"Müssen einfacher spielen"

Insbesondere die Abwehr leistet sich teils unerklärliche Aussetzer und lädt die gegnerischen Angreifer zum Toreschießen ein. 39 Gegentore sind der Beweis, nur Hoffenheim (45) verteidigt schlechter.

Selbst erfahrene und sonst zuverlässige Spieler wie William Kvist oder Kapitän Serdar Tasci lassen sich von der Verunsicherung anstecken.

"Wir müssen uns auf die einfachen Dinge konzentrieren, wir sind eine gute Mannschaft, wir müssen wieder als Truppe auftreten, vielleicht ein Stück weit einfacher spielen, dann werden wir auch wieder unsere Ergebnisse erzielen", fordert Georg Niedermeier im Gespräch mit SPORT1.

Richtungsweisendes Derby in Hoffenheim

Wohin geht also der Weg für den VfB, der kurz vor Weihnachten noch von der erneuten Qualifikation fürs internationale Geschäft träumte? "Wir sind im Dreck und müssen uns da jetzt raussuhlen", fordert Bobic.

Das kommende Spiel bei 1899 Hoffenheim kann da schon richtungsweisend sein. Verlieren die Schwaben das Derby auch, wird es wohl richtig ungemütlich in der Landeshauptstadt.

Dabei richtet sich der Frust der Fans nicht nur auf Trainer Labbadia, sondern auch und vor allen an den Vorstand um Präsident Gerd Mäuser. Der hat dem Klub seit Jahren einen strikten Sparkurs auferlegt, nachdem jahrelang etwas zu großzügig mit Gehältern gelockt worden war.

Rigoroser Sparkurs von Präsident Mäuser

Zuletzt noch 2009, als der VfB sich überraschend noch einmal für die Königsklasse qualifiziert hatte und sich im Klub der Reichen wähnte.

Präsident Mäuser nannte dies stets die "Champions-League-Falle" und drehte den Geldhahn in der Folge zu. Der Etat für die Profis wurde sukzessive von 67 Millionen auf 45 Millionen Euro reduziert.

Einen Nachteil, auf den Labbadia immer wieder gerne verweist: "Wir konnten im Sommer nicht so zuschlagen, wie wir wollten. Wir haben einen klaren Wettbewerbsnachteil."

Hoffnung Europa League

Immerhin: Unter der Woche treten die Stuttgarter wieder in der Europa League an, am Donnerstag wartet mit dem KRC Genk ein machbarer Gegner. Vielleicht holen sich die Schwaben dort das Selbstbewusstsein für die Bundesliga zurück.

Denn, wie Tasci nach dem Bremen-Spiel treffend feststellte: "Schlechter geht es nicht!"

Manche Phrasen sprechen einfach für sich.

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