Nur drei Siege in 13 Spielen als Bundesligatrainer: Schalkes Jens Keller © getty

Königsblau taumelt durch die Liga. Manager Heldt stärkt dem Trainer weiter den Rücken. Doch der Druck steigt wöchentlich.

Von Schalke 04 berichten Tom Vaagtund Mathias Frohnapfel

München - Horst Heldt war nicht zu beneiden. Mal wieder musste der Sportdirektor von Schalke 04 eine Niederlage erklären.

Dieses Mal das 0:4 (0:2) beim FC Bayern (Bericht). "Wir waren nicht mutig genug", analysierte der 43-Jährige mit gedämpfter Stimme.

Der Schmerz scheint in Gelsenkirchen zur Gewohnheit geworden zu sein.

Routine ist er deshalb noch lange nicht. Zu groß sind die eigenen Ansprüche.

Heldt-Bekenntnis für Keller

Heldt wirkte in den Katakomben der Münchner Arena ratlos, ja beinahe machtlos. Einen erneuten Trainerwechsel schloss er aber aus.

"Jens Keller stand ja nicht auf dem Platz. Er bleibt bis zum Saisonende unser Trainer", wiederholte der Manager. Hoffnungsvoll oder kämpferisch war Heldt bei diesen Ausführungen nicht. Wie auch?

Die Mannschaft hatte sich in den vorherigen 90 Minuten blutleer und leblos präsentiert. Wie schon beim 1:2 in der Vorwoche gegen die SpVgg Greuther Fürth. Wie so oft in den vergangenen Spielen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

S04: Blutleer und leblos

Die Schlappe bei den Bayern war die fünfte Pleite in den vergangenen sieben Pflichtspielen. Man könnte auch sagen, Schalke hat in den vergangenen elf Partien nur einen Sieg eingefahren.

Doch egal, wie man es dreht und wendet, eines ist klar: Die Krise spitzt sich zu. Die Suche nach positiven Ansätzen erscheint aussichtslos.

"Über die Champions-League-Plätze brauchen wir im Momentan nicht reden", sagte Heldt auf Nachfrage von SPORT1: "Die Spieler müssen schnell einen Schlüssel finden, um wieder ihre Leistungen abzurufen."

Keller mit katastrophaler Bilanz

Doch wer den Profis bei der Suche den Weg weisen kann, ist ungewiss. Keller wirkt jedenfalls nicht wie der ersehnte Türöffner.

Wie schon bei seinem ersten Bundesliga-Engagement als Cheftrainer vor gut zwei Jahren beim VfB Stuttgart droht der 42-Jährige auch nun zu scheitern.

Insgesamt 13 Spiele saß Keller in Deutschlands Top-Liga bisher auf der Bank. Es gelangen magere drei Siege.

"Fußball ein Ergebnissport"

"Wir wissen, dass Fußball ein Ergebnissport ist und müssen jetzt irgendwie Punkte holen. Das wollen wir gemeinsam mit Jens Keller schaffen", sagte S04-Torhüter Timo Hildebrand: "Es liegt an uns Spielern, nicht am Trainer."

Es scheint auch keine Alternative für den glücklosen Coach zu geben.

Die für Schalke interessanten Kandidaten von Armin Veh (Eintracht Frankfurt) über Martin Jol (FC Fulham) bis zu Thomas Tuchel (Mainz 05) wären erst im Sommer verfügbar - wenn überhaupt.

Auch Heldt unter Druck

Eine missliche Lage. Gerade auch für Heldt.

Als der Manager im vergangenen Dezember die Trennung vom damaligen Coach Huub Stevens beschloss, befand sich der Klub bereits im Abwärtsstrudel.

Doch seitdem hat die Schussfahrt noch einmal gehörig an Dynamik gewonnen.

Holtby-Abgang wirkt nach

Dabei ist die unglückliche Lösung der Trainerfrage nicht die einzige Entscheidung, die für Heldt zum Bumerang werden könnte:

Nachdem sich Deutschlands U-21-Kapitän Lewis Holtby mit dem englischen Premier-League-Klub Tottenham Hotspur auf einen ablösefreien Wechsel zur kommenden Saison verständigt hatte, ließ Schalke den Mittelfeldspieler schon im Winter für knapp 1,8 Millionen Euro gehen.

Die Einnahmen wurden reinvestiert - in Michel Bastos. Gegen die Bayern hatte der Brasilianer zwei auffällige Szenen. In der ersten Hälfte segelte einer seiner Freistöße in Richtung Eckfahne, in der Pause tauschte er das Trikot mit seinem Landsmann Dante.

"Ich hätte mir lieber ein Trikot gekauft, als es in der Halbzeit zu tauschen", kommentierte Heldt.

"Sind in Mainz Favorit"

Natürlich sind die übermächtigen Bayern, die die Liga nach Belieben dominieren, derzeit nicht der Schalker Maßstab.

Doch am kommenden Samstag in Mainz muss endlich wieder Zählbares herausspringen - der zuletzt angespannten Personalsituation zum Trotz.

"Wir wissen, dass wir in der Pflicht stehen. In Mainz sind wir Favorit. So müssen wir auch auftreten", forderte Mittelfeldspieler Jermaine Jones.

Gedanken ans Pokal-Aus

Bei einer weiteren Pleite dürfte der Druck auf Keller noch größere Ausmaße annehmen. Dabei weiß der Coach, wie sich Niederlagen in Mainz anfühlen.

Im vergangenen Dezember schied er dort mit Schalke im Achtelfinale des DFB-Pokals aus. Es war sein Debüt auf der S04-Bank.

"Ich werde meine Arbeit weiter gewissenhaft machen, alles andere liegt nicht in meiner Hand", sagte Keller nach der Pleite in München.

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