Manuel Neuer wechselte im Sommer 2011 vom FC Schalke 04 zu den Bayern © imago

Bayern-Keeper Manuel Neuer bedauert vor dem Spiel gegen Schalke die Krise seines Ex-Klubs. Hildebrand will "befreit aufspielen".

Von Christoph Lother

München - Es war der vierte Spieltag der laufenden Bundesliga-Saison, als ein euphorisierter FC Schalke 04 die Münchner Bayern zum Topspiel in die heimische Veltins-Arena bat.

Was folgte, waren eine 90-minütige Lehrstunde in Rot und Weiß und die erste Niederlage für die mit sieben Zählern aus drei Partien gestarteten Schalker in dieser Spielzeit (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Vielmehr als die 0:2-Pleite an sich machte den Gelsenkirchnern dabei die kompromisslose Art und Weise zu schaffen, auf welche der Rekordmeister seinen Rivalen in die Schranken gewiesen hatte.

Dass sich die Vorzeichen bis zum zweiten Aufeinandertreffen mit den Münchnern (Sa., 18 Uhr im LIVE-TICKER) aber derart drastisch verändern würden, hätten sie sich auf Schalke wohl nicht träumen lassen.

Neuer "immer noch Freund des Vereins"

22 Punkte liegt der Spitzenreiter aus der bayerischen Landeshauptstadt mittlerweile vor den Königsblauen, deren Fußball-Welt hingegen in Trümmern.

Auch Bayern-Keeper Manuel Neuer ist die Krise seines Ex-Klubs, der von den letzten neun Liga-Spielen nur eines gewinnen konnte, freilich nicht entgangen:

"Ich bin immer noch Freund des Vereins. Ich weiß, was im Verein passiert, bin bestens informiert", erklärt er und fügt hinzu: "Es ist schade, dass Schalke diese aktuelle Negativserie hat."

Jobgarantie für Keller

Fügt ausgerechnet Neuer seiner alten Liebe nun den nächsten und für Trainer Jens Keller womöglich schon entscheidenden Tiefschlag zu?

Zwar betonte Schalkes Manager Horst Heldt bei "Eurosport", dass man "auf jeden Fall bis Saisonende mit Jens arbeiten" werde.

Wer die oft bemühten "branchenüblichen Mechanismen" bei kriselnden Profi-Vereinen kennt, weiß aber, dass bei einer weiteren Demontage der Druck auf Heldt und somit auch Keller vielleicht zu stark werden könnte.

Hildebrand: "Können befreit aufspielen"

Fakt ist, dass die auf Tabellenplatz sechs abgestürzten Schalker schon lange nicht mehr als derart krasser Außenseiter nach München gefahren sind wie diesmal.

"Keiner erwartet einen Sieg von uns. Wir können eigentlich unbeschwert aufspielen", sagt selbst der eigene Torhüter Timo Hildebrand und denkt dabei womöglich auch an die peinliche 0:5-Klatsche seines Teams gegen die Bayern während des Wintertrainingslagers in Katar.

[kaltura id="0_2pny73pk" class="full_size" title="Neymar Gibt nichts was gegen Bayern spricht "]

Keine Rede von Champions League

Manager Heldt hingegen kann diese "Einstellung nicht teilen, dass wir dort ohnehin keine Chance haben. Wir sind in der Lage, alles zum Positiven zu drehen."

Über den anvisierten Einzug in die Königsklasse will der 43-Jährige angesichts der aktuell sieben Zähler Rückstand auf Rang vier aber nicht reden:

"Es ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, über Saisonziele, sprich die Champions League zu sprechen. Wir müssen sehen, dass wir kurzfristig wieder in die Erfolgsspur kommen."

Heynckes und Neuer warnen

Die Bayern sind unterdessen weit davon entfernt, den taumelnden Riesen aus dem Ruhrgebiet ob seiner Formschwäche, die bei der 1:2-Niederlage gegen Fürth am vergangenen Samstag ihren vorläufigen Tiefpunkt erreichte, zu unterschätzen.

Die Schalker seien zwar sicherlich "etwas verunsichert", sagt FCB-Trainer Jupp Heynckes.

Zugleich erwartet er aber, dass sie "mit einer extremen Motivation nach München kommen, um hier vielleicht für eine Überraschung zu sorgen."

Und auch Keeper Neuer warnt: "Schalke hat in dieser Saison gerade bei den wichtigen Spielen gegen namhafte Gegner gute Spiele abgeliefert. Ich denke, die Schalker möchten einiges gutmachen. Die warten nur auf so ein Spiel."

Schalker Lazarett wird größer

Als vergeblich erwies sich dieses Warten derweil bei Schalkes Stürmer Klaas-Jan Huntelaar. Der Niederländer wird den "Knappen" in München aufgrund einer geplatzten Ader im linken Auge fehlen.

Auch der Einsatz des grippegeschwächten Julian Draxler gilt als fraglich, ist aber mit nach München gereist.

Hinzu kommen die Ausfälle von Christian Fuchs (Gelbsperre), Ibrahim Afellay (Muskeleinriss), Kyriakos Papadopoulos (Knie-OP), Ciprian Marica (Meniskus-OP) und Christoph Moritz (Außenbandanriss im Sprunggelenk).

Bayern nahezu in Bestbesetzung

Bei den Bayern hingegen stehen mit Ausnahme des langzeitverletzten Holger Badstuber (Kreuzbandriss) und Xherdan Shaqiri (Kapselzerrung im Sprunggelenk) alle Leistungsträger zur Verfügung.

Lediglich hinter dem Einsatz von Bastian Schweinsteiger (Sprunggelenksprobleme) steht ein kleines Fragezeichen.

Doch so oder so wolle man sich "auch von Schalke nicht aufhalten lassen", unterstreicht Thomas Müller die derzeit unbändige Gier der Bayern nach dem 23. Meistertitel.

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