Jermaine Jones hat in dieser Saison bisher ein Bundesligator für Schalke erzielt © getty

Vor dem FCB-Spiel spricht Schalkes Jermaine Jones bei SPORT1 über die Krise, Kellers fehlenden Kredit und die Pfiffe der Fans.

Aus Gelsenkirchen berichtet Thorsten Langenbahn

Gelsenkirchen - Die Stimmung auf Schalke ist am Boden.

Das 1:2 gegen Greuther Fürth offenbarte noch einmal die ganze Misere des Champions-League-Teilnehmers.

Auch Rückkehrer Jermaine Jones konnte nach Ablauf seiner Rotsperre im defensiven Mittelfeld wenig Impulse schaffen und setzte kaum Akzente.

Zur angespannten Situation in Gelsenkirchen passte unter der Woche auch Jones? Länderspielergebnis mit den USA: Beim 1:2 gegen Honduras bot die Mannschaft von Trainer Jürgen Klinsmann eine peinliche Vorstellung.

Eine erneute Blamage innerhalb einer Woche will Jones sich tunlichst ersparen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Auch wenn die Schalker zu ihrem Gastspiel beim FC Bayern (Sa., ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) als absoluter Außenseiter antreten, rechnet sich der Mittelfeldkämpfer in München etwas aus.

Im SPORT1-Interview spricht der 31-Jährige über Anspruch und Wirklichkeit bei den Königsblauen, die Pfiffe der Fans und den fehlenden Kredit von Trainer Jens Keller.

SPORT1: Herr Jones, wird bei Schalke von der Champions League erstmal nicht mehr die Rede sein?

Jermaine Jones: Jetzt muss erstmal die Rede davon sein, dass wir gegen Bayern antreten. Wir müssen einfach ein anderes Gesicht zeigen. Im Trainingslager haben wir gesehen, wie wir unter die Räder kommen können (Schalke verlor in Katar gegen Bayern 0:5, Anm. d. Red). Ich denke, dass man zu den Bayern nicht viel sagen muss. Da muss man, auf gut Deutsch gesagt, seinen Arsch bewegen.

SPORT1: Warum hat Ihrer Mannschaft gegen Greuther Fürth die Durchschlagskraft gefehlt?

Jones: Die Fürther haben tief gestanden. Wir hatten schon unsere Chancen, haben aber das Tor nicht gemacht. Im Endeffekt sind wir dafür im kompletten Spiel über 90 Minuten eiskalt bestraft worden. Wir bekommen zwei fast identische Tore über unsere rechte Seite, das darf nicht passieren.

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SPORT1: Wie bitter war diese Niederlage in der aktuellen Situation?

Jones: Es geht nicht um die Situation, sondern darum, dass es bitter ist, in so einem Spiel gegen den Tabellenletzten zu verlieren. Mit unseren Ansprüchen dürfen wir dieses Spiel nicht verlieren.

SPORT1: Die Mannschaft ist verunsichert. Die Pfiffe der Fans machen das sicher nicht besser.

Jones: Den Punkt habe ich ja schon angesprochen. Die Nordkurve, die uns auch in den Auswärtsspielen immer wieder begleitet und versucht zu pushen, nehme ich da aus. Aber es kann nicht sein, dass der Rest im Stadion uns hier auspfeift. Das tut uns nicht gut, das merkt man auch.

SPORT1: Ist es eine zusätzliche Bürde für die Mannschaft, dass dem Trainer Jens Keller so wenig Kredit eingeräumt wird?

Jones: Ich bin jetzt sechs Jahre auf Schalke und ich muss sagen, jeder Trainer hier wurde von Anfang an kritisiert. Intern versucht die Mannschaft, mit den Leuten zu arbeiten, die hier sind. Das meiste kommt von außen, von den Medien. Da wird jeder Trainer infrage gestellt, egal ob Slomka, Büskens, Rütten, jetzt Jens. Das ist schade.

SPORT1: Gibt es irgendwas Positives, was die Mannschaft aus der Pleite gegen Fürth mitnehmen kann?

Jones: Man hat gesehen, dass Michel Bastos Qualitäten hat und sich auch gleich ins Team eingefunden hat. Nichtsdestotrotz war die Enttäuschung über die Niederlage erstmal sehr groß. Jetzt müssen wir uns auf die Bayern konzentrieren. Durch die Länderspiele war die Zeit recht knapp.

SPORT1: Woher soll bis dahin eine spielerische Linie kommen, die gegen Fürth kaum erkennbar war?

Jones: Ich denke, wir hatten schon den einen oder anderen Spielzug drin. Aus meiner Sicht haben wir uns mehrere Torchancen gut herausgespielt. Wir hatten ja die Möglichkeiten, haben sie aber nicht genutzt. Uns war klar, dass es nicht einfach wird. Wir wussten, dass Fürth tief stehen und mit längen Bällen spielen wird.

SPORT1: Dient der Außenseitersieg der Fürther als Vorbild für das Schalke-Gastspiel in München?

Jones: Wir müssen uns nicht Fürth als Vorbild nehmen. Wir wissen, dass Bayern in dieser Saison überragenden Fußball spielt. Das haben sie bis jetzt jedes Wochenende unter Beweis gestellt. Wir haben das zweimal gemerkt, einmal hier zu Hause und einmal im Trainingslager. Wir brauchen ein anderes Auftreten und ich bin fest davon überzeugt, dass das auch so sein wird.

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