Heurelho Gomes wechselte auf Leihbasis von Tottenham nach Hoffenheim © getty

Hoffenheims neuer Keeper hat Ruhe und Erfolg in den Kraichgau zurückgebracht. Vor dem Spiel in Hannover stellt ihn SPORT1 vor.

Von Reinhard Franke

München - Er startete ohne Spielpraxis und Sprachkenntnisse und doch meisterte Heurelho Gomes seinen Einstand im Tor von 1899 Hoffenheim bravourös.

Hoffenheim besiegte Freiburg 2:1 (Bericht), Gomes jubelte fast wie nach dem Gewinn eines Pokals, dabei war es für die Kraichgauer lediglich ein Erfolgserlebnis im Abstiegskampf (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Der Sieg gegen Freiburg war sehr wichtig für uns. Deshalb habe ich mich auch so gefreut und mit den Fans gefeiert", sagt Gomes vor dem Spiel in Hannover (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) im Gespräch mit SPORT1.

"Es ist wichtig, dass der Funke von den Spielern auf die Ränge zu den Fans überspringt. Die Fans sind immer sehr wichtig für den Verein, in unserer Situation erst recht."

Josue warb für Bundesliga

Er habe schon vorher viel von der Bundesliga gehört, "auch durch meinen Freund Josue, der in Wolfsburg spielt. Die Bundesliga gehört zu den stärksten Ligen der Welt und ich bin froh, dass ich diese Erfahrung noch sammeln darf."

Nun ist Gomes also Teil dieser Liga.

Für die Mannschaft war die Präsenz und lautstarke Kommunikation von Gomes wie eine reinigende Wohltat nach Wochen der "omnipräsenten Unruhe in Hoffenheim", wie Abwehrmann Andreas Beck einräumte.

Doch wer ist dieser Gomes, der den Ex-Nationalkeeper Tim Wiese im Tor von 1899 ablöste?

Erfahrung auf höchstem Niveau

"Mit Heurelho Gomes bekommen wir einen Torhüter, der sowohl national als auch international eine Menge Erfahrung auf höchstem Niveau gesammelt hat", erklärte Hoffenheims Manager Andreas Müller bei der Verpflichtung des 1,91 Meter langen Schlacks'.

Gomes' Vita liest sich jedoch nicht wie das Who is Who des Fußballs: Clube de Regatas Brasil, Maceio, Guarani FC Campinas, Democrata EC Governador, Valadares, Cruzeiro, PSV Eindhoven und Tottenham Hotspur.

Bei den Engländern galt Gomes als umgänglicher und offener Typ. Der gläubige Christ wuchs mit zwölf Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf. Gomes spielte lange als Stürmer, erst mit 14 hatte er seine Premiere im Tor - beim Beachsoccer.

Pannenshow als Video

Zu seinen Spezialitäten zählt neben starken Reflexen vor allem der weite Abwurf.

Vielen ist Gomes schon aus dem Internet bekannt, dort wurde schon über 160.000-mal eines von mehreren Youtube-Videos mit seinen lustigsten Patzern angeklickt.

"Ich kenne es. Aber warum zeigen die nicht meine besten Szenen, da gibt es genug davon? Schade, aber es ist halt so. Das interessiert mich alles nicht", sagte Gomes dazu der "Bild".

Und es gab ja nicht nur Patzer. In Eindhoven wurde Gomes durch seine Leistungen zum Publikumsliebling, wurde mit dem Klub viermal Meister.

Halbfinale in der Königsklasse

2005 stand er im Halbfinale der Champions League, bei 60 Prozent seiner Spiele in der Ehrendivision blieb Hoffenheims Nummer eins ohne Gegentor.

Seine Top-Leistungen kosteten Tottenham 2008 sage und schreibe zehn Millionen Euro.

Sein Start bei den Spurs stand unter keinem guten Stern. Es gab zu den Höhen auch viele Tiefen, durch die er musste.

So wie Wiese zuletzt. Dem wurden immer wieder Schwächen beim Mitspielen attestiert.

Gomes sei ein mitspielender Keeper, betont er: "Ich versuche immer am Spiel teilzunehmen, Sicherheit auszustrahlen, Präsenz im Strafraum zu zeigen und den Verteidigern damit zu helfen. Sie müssen Vertrauen haben in das, was ich mache. Das will ich ihnen und der ganzen Mannschaft geben."

Gegenseitige Motivation

Das Verhältnis zu Wiese sei gut, berichtet Gomes.

"Beim Training wird eben grundsätzlich weniger gesprochen und dafür mehr gearbeitet. Das ist normal. Aber wir haben uns schon mehrfach unterhalten und bei verschiedenen Einheiten auch schon gegenseitig motiviert."

Das Thema Konkurrenzkampf interessiert ihn nicht: "Mit dem Thema Konkurrenzkampf beschäftige ich mich nicht. Der Trainer entscheidet, wer spielt. Meine Aufgabe ist es, hart zu arbeiten, mich zu empfehlen und der Mannschaft und dem Verein zu helfen, wieder in die Erfolgsspur zu kommen."

Sein erster Auftritt war vielversprechend, weitere sollen folgen für das Ziel Klassenerhalt.

"Müssen dran bleiben"

"Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen können. Wir müssen dran bleiben, brauchen Siege und Punkte."

Auch seine zweite Prüfung am Samstag in Hannover will Gomes bestehen.

"In Hannover wollen wir nochmal einen Schritt nach vorne machen und auf jeden Fall etwas mitnehmen. Es wird sicher bis zum Schluss der Saison spannend bleiben, aber wenn wir als Mannschaft so gut arbeiten wie zuletzt, dann können wir es schaffen."

Was danach passiert, lässt er offen: "Ich habe einen Vertrag bei Tottenham bis 2014. Stand heute kehre ich also im Sommer dorthin zurück. Aber ich beschäftige mich damit auch gar nicht, für mich zählen im Moment nur die nächsten 14 Spiele mit Hoffenheim und der Klassenerhalt."

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