Thomas Berthold geht in seiner SPORT1-Kolumne mit Schalke ins Gericht und blickt noch einmal Richtung Tim Wiese in Hoffenheim.

Was soll man zu Schalke sagen?

Ein Verein mit solchen Ambitionen kann nicht zu Hause nach einer 1:0-Führung gegen den Tabellenletzten verlieren.

Da ist es auch völlig unnötig, dass Jermaine Jones danach noch eine Baustelle aufmacht und die Fans angreift: Was sollen die Fans denn sagen bei so einer Niederlage?

Es bewahrheitet sich für mich, dass der Trainerwechsel von Huub Stevens zu Jens Keller ein Fehler war.

Diese Mannschaft braucht aus meiner Sicht einen Trainer mit einem anderen Anforderungsprofil: Einen, vor dem sie Respekt hat, der eine gewisse Ausstrahlung hat.

Fraglich, ob Clemens Tönnies sich das noch lange mit ansieht: Er ist Unternehmer und weiß, was für seinen Klub auf dem Spiel steht. Irgendwann wird es Veränderungen geben, wenn sich die Lage nicht ändert.

Horst Heldt wird dann als Verantwortlicher für die Personalpolitik ebenfalls in den Fokus rücken.

Auch wegen Lewis Holtby, dessen Verkauf ich nicht verstehe: Für 1,75 Millionen Euro reiße ich doch keinen so wichtigen Baustein aus der Mannschaft heraus ? selbst wenn ich einen Ersatz habe, der ja auch seine Eingewöhnungszeit braucht.

Heldt muss in nächster Zeit jedenfalls Rückgrat zeigen und sollte in der Trainerfrage einen Plan B in der Tasche haben.

Denn machen wir uns nichts vor: Nächste Woche in München ist da nichts zu holen. So viele Wunder können da nicht passieren, dass Schalke da auch nur mit einem Punkt nach Hause fährt.

Dann sind die Champions-League-Plätze womöglich zehn Punkte weg - bei 13 ausstehenden Spielen. Das wird eng.

Im Abstiegskampf ist der Druck ebenfalls groß, da war es wichtig, dass Hoffenheim mit dem Sieg gegen Freiburg einen Befreiungsschlag gelandet hat.

Dabei haben mich einige Zugänge überzeugt: Abraham ist eine Verstärkung. Polanski braucht seine Zeit, ist aber ein guter Typ mit Biss. Und der neue Keeper Heurelho Gomes strahlt Ruhe und Sicherheit aus.

Für Tim Wiese galt das bekanntlich zuletzt nicht, trotzdem finde ich nicht richtig, was nun als angebliche Schutzmaßnahme mit ihm gemacht wird.

Man gewinnt gemeinsam, verliert gemeinsam - und mit Druck müssen alle umgehen. Und zu seinem Torwart kann man auch stehen und ihn schützen, wenn es mal nicht läuft.

Jetzt ist Tim in einer ganz bescheidenen Lage: Ich glaube jetzt nicht, dass in Hoffenheim der Torhüter noch mal gewechselt wird, egal was Trainer und Manager nun sagen.

Und was soll er nun machen: Er kann nach Russland gehen oder anderswo nach Asien, wo die Transfermärkte noch offen sind.

Aber will er das?

Bis nächste WocheEuer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf ist regelmäßig als LIGA total!-Experte im Einsatz und schreibt wöchentlich die Bundesliga-Kolumne für SPORT1.

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