Klaas-Jan Huntelaar spielte schon für Real Madrid, den AC Mailand und Ajax Amsterdam © getty

Nach der Pleite gegen Fürth legt sich Jermaine Jones mit den Fans an und erntet Kritik. Manager Heldt steht zu Jens Keller.

Von Mike Lukanz und Thorsten Langenbahn

München/Gelsenkirchen - Vielleicht kommt die Länderspielpause gerade recht.

"Es wird jetzt hier auf Schalke einiges los sein, davon bin ich überzeugt", sagte Jermaine Jones nach der bitteren wie peinlichen 1:2-Heimniederlage (Bericht) gegen Schlusslicht Greuther Fürth zu SPORT1.

"Daher ist es für jeden Spieler, der weg ist, in der Hinsicht gar nicht so schlecht."

Die gegenseitige Zerfleischung hatte jedoch schon unmittelbar nach dem Spiel begonnen. ( 670001 DIASHOW: Der 20. Spieltag )

Jones selbst hatte schnell einen Schuldigen ausgemacht: Die eigenen Fans. "Die Mannschaft ist jung, braucht Selbstvertrauen und nicht das Gefühl, ein Auswärtsspiel zu haben."

Jones' Aussagen stoßen auf Gegenwehr

Diese Attacke gegen das Publikum rief schnell Kritiker auf den Plan.

"Das sehe ich anders als Jermaine. Wir haben es vergeigt", sagte unter anderem Manager Horst Heldt, der sich natürlich auch unbequeme Fragen zur Zukunft von Trainer Jens Keller stellen musste.

Deutlicher als Heldt kommentierte SPORT1-Experte Thomas Helmer im Volkswagen Doppelpass die Spitzen von Jones Richtung eigenem Anhang: "Das ist natürlich der völlig falsche Weg und eine Art von Verzweiflung und Hilflosigkeit."

Schalke fehlte etwas das Glück

Verzweifelt und hilflos hatten die Schalker Profis am Samstagnachmittag auf dem Rasen agiert. Gegen engagiert kämpfende, aber spielerisch arg limitierte Fürther fiel Schalke wenig bis gar nichts ein. Die Führung resultierte aus einer Einzelaktion von Michel Bastos. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Sicher, mit etwas Glück hätte Königsblau das Spiel für sich entscheiden können. Raffaels Schuss klatscht kurz vor Ende nur gegen den Pfosten, der Siegtreffer von Fürths Nikola Djurdjic war zudem irregulär.

"Beschämend", "Katastrophe"

Es ehrt die Benachteiligten, dass sie die Schuld nicht beim Schiedsrichter suchten. "Es wäre zu einfach zu sagen, dass wir wegen eines Abseitstores verloren hätten. Wir haben verloren, weil wir nicht so agiert haben, wie sich das gegen einen Tabellenletzten gehört", sagte Manager Horst Heldt.

Und wie tief der Schock nach der Niederlage gegen Fürth war, zeigte die drastische Wortwahl der Protagonisten. "Beschämend" sei das Ergebnis laut Manager Horst Heldt, gar eine "Katastrophe".

Heldt in der Kritik

In Gelsenkirchen beschäftigen sich die Akteure nun also wieder und fast schon traditionell mit sich selbst, die stetige Unruhe scheint Teil der Schalker Vereinskultur zu sein.

Und so steht neben dem Disput zwischen Jones und den Fans auch Heldt immer stärker in der Kritik.

Die von vielen Beobachtern als zu vorschnell vollzogene Trennung von "Jahrhunderttrainer" Huub Stevens zum Beispiel und die Inthronisierung des unerfahrenen Jens Keller werden angemahnt.

Jens Keller ohne Lobby?

Noch gibt sich Heldt standhaft. Die Mannschaft stehe in der Pflicht, Keller bleibe weiter Trainer. "Ich werde nicht gegen meine Überzeugung handeln", sagte der 43-Jährige bei LIGA total!.

Fragt sich nur, wie lange. Schon werden rund um die Veltins Arena die ersten potenziellen Nachfolger ins Spiel gebracht.

Selbst HSV-Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow mutmaßte im Doppelpass: "Ich habe das Gefühl, dass Jens Keller auf Schalke von Anfang an keine Chance hatte."

Leistungsträger ohne Leistung

Fakt ist, dass die Mannschaft sich seit Wochen in einem unerklärlichen Leistungsloch befindet.

Stürmer Klaas-Jan Huntelaar wirkt nur noch wie eine schlechte Kopie des einst ligaweit gefürchteten Torjägers, die Abwehr leistet sich in jedem Spiel unerklärliche Aussetzer, das Mittelfeld wirkt ohne Lewis Holtby pomadig und ideenlos.

Probleme, mit denen sich bereits Kellers Vorgänger Stevens herumschlagen musste. Am Trainer alleine kann es demnach nicht liegen.

Schweres Programm

In den kommenden vier Wochen warten auf Schalke schwere Aufgaben: Am Samstag geht es zum FC Bayern, danach steigt das erste Champions-League-Achtelfinale gegen Galatasaray Istanbul, Anfang März kommt Borussia Dortmund in die Veltins Arena.

Doch zuvor ist erstmal Länderspielpause. Es wird eine trügerische Ruhe.

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