Die Ausbootung von Tim Wiese bestätigt das konfuse Bild, das Abstiegskandidat Hoffenheim in dieser Saison abgibt.

Der letzte Tag der Winter-Transferperiode verlief in der Bundesliga einigermaßen ruhig.

Die großen Deals waren bereits in den vergangenen Tagen und Wochen über die Bühne gegangen.

Dass 1899 Hoffenheim den vierten Torwart von Tottenham Hotspur ausleiht, hätte da als Randnotiz durchgehen können ? wenn der abstiegsbedrohte Klub aus dem Kraichgau nicht auf einer Pressekonferenz zuvor verkündet hätte, dass der bisherige Stammkeeper Tim Wiese vorläufig aus der Mannschaft genommen wird.

Das persönliche Schicksal von Wiese ist dabei nur die eine Seite der Medaille. In der derzeitigen Situation ist es vielleicht tatsächlich besser, den streitbaren Keeper aus der Schusslinie zu nehmen.

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Die Entscheidung beweist aber auch, wie blank die Nerven beim ehemaligen Überflieger-Klub liegen.

Sie passt zu einer Saison, die so verkorkst ist, dass sie gut und gerne mit dem Absturz in die Zweitklassigkeit enden könnte.

Und das Schlimmste aus Hoffenheimer Sicht: Ausnahmslos alle Probleme sind hausgemacht, weil beim Klub von Mäzen Dietmar Hopp schon seit Längerem überhaupt keine Linie mehr zu erkennen ist.

Im Sommer sollte Markus Babbel den Klub in Personalunion als Trainer und Manager ins europäische Geschäft führen, sogar von der Champions League wurde geträumt ? der Transfer von Wiese sollte das symbolisieren.

Babbel kam mit der Doppelrolle nicht zurecht, nach miserablem Saisonstart wurde mit Andreas Müller doch wieder ein Manager eingestellt. Babbel musste Anfang Dezember trotzdem gehen.

Sein Interims-Nachfolger Frank Kramer durfte kurzzeitig sogar auf eine Daueranstellung im Bundesliga-Team hoffen, musste nach zwei Niederlagen aber trotzdem zurück ins zweite Glied.

Müller holte seinen früheren Schalker Weggefährten Marco Kurz als neuen Trainer und ging für ihn auf große Winter-Shopping-Tour. Neben Wiese-Alternative Heurelho Gomes, der in England auch nicht unbedingt als Torwart-Titan galt, kamen für insgesamt über zehn Millionen Euro fünf weitere Neuzugänge. Drei davon ohne jegliche Bundesliga-Erfahrung.

Dass diese Transferoffensive nach Aktionismus aussieht, passt ins Bild.

Von der immer mal wieder zum Konzept ausgerufenen Nachhaltigkeit ist in Hoffenheim schon lange nichts mehr zu sehen.

Vielmehr wirkt die Degradierung Wieses wie die letzte Patrone im Kampf gegen den Abstieg.

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