Mike Büskens spielte als Profi für Düsseldorf, Schalke und Duisburg © getty

Vor dem Schicksalsspiel auf Schalke wehrt sich Fürth-Coach Mike Büskens bei SPORT1 gegen den Eindruck, dass sein Aus bevorsteht.

Von Reinhard Franke

München - Mike Büskens muss das Gespräch nach einigen Minuten unterbrechen.

Eine ältere Dame will von ihm wissen, wohin es zu einem bestimmten Geschäft am Stadion geht. "Für etwas bin ich noch zu gebrauchen, nämlich Leuten den Weg zum Teeladen zu erklären", flachst der Coach der SpVgg Greuther Fürth.

Galgenhumor, den er sich hat angewöhnen müssen: Seit 17 Spielen ist der Aufsteiger nun schon sieglos und steht mit nur neun Punkten auf dem letzten Tabellenplatz (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Indizien, dass Büskens deswegen klubintern ins Kreuzfeuer gerät, verdichten sich - just vor dem Auswärtsspiel bei Büskens' einstigem Leib- und Magenklub Schalke 04.

Im SPORT1-Interview wehrt sich Büskens aber vehement gegen den Eindruck, dass seine Zeit in Fürth zu Ende geht..

SPORT1: Herr Büskens, es ist zu hören, dass die Stimmung gekippt sei und dass auch für Sie die Luft dünner wird...

Mike Büskens: Wenn man sich dort befindet, wo wir uns befinden, nämlich ganz unten, dann ist es doch klar, dass du auf die Fresse bekommst. Die ganze Sache ist dadurch entstanden, weil eine turnusmäßige Sitzung in den Medien zu einer Krisensitzung gemacht wurde. Dabei wollten wir, also die Verantwortlichen des sportlichen Bereichs, über den Kader sprechen. Unser Treffen fand allerdings nicht statt, weil wir noch dringende Dinge erledigen mussten.

SPORT1: Müssen Sie sich denn bei einer erneuten Niederlage auf Schalke Sorgen machen um Ihren Job?

Büskens: Überhaupt nicht. Ich habe weiter das Gefühl, dass wir alle in eine Richtung denken, auch was die Planungen für die kommende Saison betrifft. Mich tangiert das gerade nicht, denn so sind die Mechanismen des Geschäfts. Dass die Medien auf diesen Zug aufspringen, ist nichts ungewöhnliches, wenn du als Verein so lange nicht erfolgreich warst. Aber ganz ehrlich: Ich spüre im Innenverhältnis kein Misstrauen.

SPORT1: Die 0:3-Klatsche gegen Mainz zu Hause hat jedoch alles verändert. Haben Sie nicht mal daran gedacht hinzuwerfen? ( 667129 DIASHOW: Der 19. Spieltag )

Büskens: Ich wäre der Letzte, der diesem Verein in seiner Entwicklung im Weg stehen würde. Ich habe aber nicht die Absicht hinzuwerfen. Es geht nicht um mich oder die Spieler, es geht um das große Ganze. Wir haben zweieinhalb wahnsinnig erfolgreiche Jahre gehabt, wussten, dass es in dieser Liga schwer wird und dass wir alle über dem Limit arbeiten müssen, um das Ziel Klassenerhalt zu erreichen.

SPORT1: Wie sehr belastet Sie die aktuelle Diskussion um Ihre Person?

Büskens: Jeder Mensch hat eine eigene Zielsetzung. Viele haben gesagt der Aufstieg mit dem Verein war ein Wunder, aber ein größeres wäre es mit der Spielvereinigung drin zu bleiben. Deshalb wurde mir auch geraten, den Verein im Sommer zu verlassen, aber auch ich war und bin von der Aufgabe Erste Liga beseelt. Dieser persönliche Schmerz, dass man lange Zeit nicht erfolgreich ist, tut weh. Nicht die Diskussion um mich, die von Vereinsseite nie geführt wurde.

SPORT1: Wirklich? Ihr Präsident Helmut Hack sprach davon, dass keine Entwicklung in der Mannschaft erkennbar sei.

Büskens: Wir sprechen sehr oft und in der ganzen Zeit, wo ich in Fürth bin, haben wir immer einen sehr offenen Umgang miteinander gepflegt. Natürlich sind wir mit der Entwicklung einzelner Spieler nicht zufrieden, aber ich hatte in den Gesprächen nie das Gefühl, dass das in meine Richtung geht. Irgendwann sind Möglichkeiten eines Vereins auch ausgereizt. Es ist schade, dass es bei manchen Spielern in der ersten Liga mit der Anpassung nicht so geklappt hat, wie wir uns das vorgestellt haben.

SPORT1: Haben Sie das Gefühl, dass Sie die Mannschaft noch erreichen?

Büskens: Na klar. Wenn ich das nicht hätte, würde ich von alleine gehen. Ich lese diese ganzen Schlagzeilen über mich gar nicht. Bruno Labbadia stand im Herbst am Pranger und es wurde über seine Entlassung diskutiert, jetzt hat er seinen Vertrag verlängert und wird wohl Rekordtrainer beim VfB Stuttgart. Meine Aufgabe ist es für den Verein weiter das Beste rauszuholen.

SPORT1: Woher nehmen Sie den Mut, dass das noch zu schaffen ist?

Büskens: In alle Fragen in den letzten Tagen wurde hinein interpretiert, dass wir auf Schalke sowieso verlieren. Natürlich spielen wir gegen eine individuell hervorragend besetzte Mannschaft mit einer wahnsinnigen Qualität. Und natürlich sind wir alles andere als erfolgsverwöhnt. Aber auch, wenn die Leistung gegen Mainz nicht gut war, sehe ich eher die Chance als die Angst vor einer erneuten Niederlage. Wir müssen den Mut entwickeln, Schalke wehtun zu wollen. Die Chance drinzubleiben ist noch da.

SPORT1: Ausgerechnet Ihre Schalker können Sie aber wohl endgültig ins Verderben stürzen. Nagt das zusätzlich an Ihnen?

Büskens: Solche Konstellationen hat es schon immer gegeben. Es kann in dem Spiel alles passieren und wir werden unsere Rolle, die wir kennen, annehmen. Es wird notwendig sein, dass wir da sehr mutig auftreten und versuchen zu agieren. Wir wollen den Kampf annehmen und uns am Ende des Tages in den Spiegel schauen und sagen können, dass wir für den Erfolg alles gegeben haben.

Weiterlesen