Bremens Thomas Schaaf (l.) und Hannovers Mirko Slomka schätzen sich sehr © getty

Sowohl Hannover als auch Bremen kämpfen vor ihrem Aufeinandertreffen mit Abwehrsorgen. Slomka erklärt SPORT1, woran es liegt.

Von Mike Lukanz

München - In mancher Hinsicht ähneln sich Hannover 96 und Werder Bremen ja durchaus.

Die Niedersachsen erfreuten die Fans in der Bundesliga und in Europa in den vergangenen zwei Jahren mit starkem Offensivfußball und tollen Toren - wie einst die Bremer.

Mit dieser attraktiven Art brachte H96-Trainer Mirko Slomka die ehemals graue Maus zwei Mal hintereinander in die Europa League und dem Klub Sympathien über die Stadtgrenzen hinaus.

Doch vor dem direkten Duell heute Abend beim SV Werder zum Auftakt des 20. Spieltags (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) plagt sich Hannover bereits mit 37 Gegentoren herum, zusammen mit eben den Bremern der zweitschwächste Wert der Liga. Nur Hoffenheim (43) ist schlechter. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Großes Verletzungspech bei Hannover

"Wir geben dem Gegner noch immer zu viele Lücken, das war ja besonders auf Schalke zu sehen", sagt Hannovers Trainer Mirko Slomka im Gespräch mit SPORT1. Zum Rückrundenauftakt hatte es an Slomkas ehemaliger Wirkungsstätte gleich fünf Gegentreffer gesetzt.

Doch das Verletzungspech der Hannoveraner nimmt in der laufenden Spielzeit fast schon groteske Züge an. In Lars Stindl (Sydesmosebandriss), Christian Schulz (Blinddarm-OP), Leon Andreasen (Kreuzbandriss), Felipe (Hüftverletzung) und Kapitän Steven Cherundolo (Knie) muss Slomka gleich auf fünf Stammspieler verzichten.

Effektivität vor dem Tor

Vergangenes Wochenende gesellte sich Innenverteidiger Mario Eggimann (Knöchelbruch) hinzu, der neue Linksverteidiger Sebastian Pocognoli sah bei seinem Debüt nach 34 Minuten die Rote Karte und muss drei Spiele aussetzen.

"Das sind alles Dinge, die uns natürlich auch etwas die Stabilität nehmen", betont Slomka erstaunlich ruhig: "Insofern ist es bemerkenswert, dass wir vergangenes Wochenende gegen Wolfsburg in Unterzahl so ein Spiel gezeigt haben."

Womit der 45-Jährige den Nagel auf den Kopf trifft. Denn bei allen Abwehrsorgen hat sich 96 seine gnadenlose Effektivität vor dem Tor behalten. Die 38 erzielten Tore sprechen Bände, einzig Bayern München und Borussia Dortmund trafen bislang häufiger.

Bremens chronische Abwehrschwäche

"Im letzten Drittel des Platzes machen wir das ausgesprochen gut, weil wir nach wie vor sehr effektiv spielen." Beim 2:1-Sieg gegen die "Wölfe" gab Hannover vier Torschüsse ab, eine Woche zuvor war beim 4:5 in Schalke statistisch sogar jeder Schuss ein Treffer.

Und genau hier liegt der große Unterschied zum heutigen Gegner von der Weser. Dass die Bremer sich nicht als Abwehrspezialisten hervortun, hat unter Trainer Thomas Schaaf ja fast schon Tradition.

[kaltura id="0_of7z4s8g" class="full_size" title="Schaaf spricht Klartext"]

"Es zeigt, dass diese Entwicklung nicht von heute auf morgen abgeschlossen werden kann", sagte Schaaf im Interview mit SPORT1, angesprochen auf die schon chronische Abwehrschwäche seines Teams.

Schaafs Credo vom "Umbruch"

Dass der von Schaaf so oft zitierte "Umbruch" der Mannschaft den Spielern ein Alibi geben würde, nannte der 51-Jährige schlicht: "Quatsch!"

Doch im Gegensatz zu 96 lässt Werder die sich bietenden Chancen in dieser Saison zu oft ungenutzt.

Waren die Bremer beim 0:5 gegen Dortmund noch chancenlos, wäre bei der Derby-Niederlage beim Hamburger SV (2:3) vergangener Woche mindestens ein Punkt drin gewesen.

Es winken viele Tore

Bremen steht also nach zwei Niederlagen in der Rückrunde unter Druck, soll das nach wie vor formulierte Ziel, um die internationalen Plätze mitzuspielen, nicht schon frühzeitig aufgegeben werden. "Einen Sieg, egal wie", wünscht sich Schaaf, während Slomka Ziel lautet "zunächst einmal, einen Punkt aus Bremen zu entführen."

Doch die Statistik verspricht für das Duell im Weserstadion in jedem Fall Spektakel. In Spielen mit Hannovers Beteiligung fallen im Schnitt bislang 3,9 Tore (Ligabestwert), stehen die Bremer auf dem Platz, sehen die Zuschauer 3,5 Tore (zweitbester Wert).

Sie ähneln sich eben doch mehr als ihnen lieb ist.

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