Am Wochenende wurde in allen Stadien im Profifußball des Stimmungsboykott durchgeführt © getty

Die Anhänger sind trotz des überarbeiteten Reformpapiers nicht zufrieden. Ligapräsident Rauball verteidigt die Stehplätze.

Frankfurt/Main - Die Deutsche Fußball Liga hat auf die Kritik am umstrittenen Sicherheitskonzept reagiert und das überarbeitete Reformpapier am Donnerstagmittag für alle Fans zugänglich ins Internet unter www.bundesliga.de gestellt.

Öffentlich wurden damit auf insgesamt 37 Seiten die 16 Anträge, die der Vorstand des Ligaverbandes einstimmig zur Vorlage an die Klubs beschlossen hat. (VEREINSSEITEN: Alles zu Ihrem Klub)

Für viele Fans ist die Veröffentlichung allerdings kein Grund zum Jubeln.

"Kein Entgegenkommen, sondern Selbstverständlichkeit"

"Das sehen wir nicht als Entgegenkommen, sondern als Selbstverständlichkeit", sagte Ben Praße von der Organisation "Unsere Kurve" und kritisierte:

"Viele Punkte sind immer noch viel zu schwammig formuliert sind. Deswegen hoffen wir, dass die Vereine bei der Versammlung alle fanrelevanten Anträge ablehnen. Es bedarf mehr Zeit, um der Komplexität des Themas gerecht zu werden."

Angst vor Ganzkörperkontrollen

In Fankreisen herrscht nach wie vor die Angst vor Ganzkörperkontrollen, obwohl es im Papier keine explizite Vorgabe für so eine Durchführung gibt.

"Ein Fußballverband kann es einem Veranstalter, der in der Haftung steht und diese Kontrollen in absoluten Ausnahmefällen für nötig hält, nicht untersagen", erklärte Ligaverbands-Vizepräsident Peter Peters bei "Spiegel Online" und meinte:

"Wir wollen aber jetzt, dass solche Maßnahmen vorher begründet, bei fehlender Begründung nochmals besprochen werden und der Gastverein zwingend in den Prozess eingebunden wird." Das sei eine "signifikante Verbesserung" zur heutigen Situation.

DFL will bessere Täter-Ermittlung

Allgemeines Ziel der Anträge sei es, Möglichkeiten zur Täter-Ermittlung zu verbessern und damit künftig Kollektivstrafen zu reduzieren. Zudem sollen sicherheitsrelevante Defizite "verursachungsgerecht beseitigt und finanziert werden", wie die DFL mitteilte.

Das überarbeitete Papier war Mitte November bereits an die Klubs verschickt worden.

"Ich hatte dabei aber auch das Gefühl, dass einige Vereine auch ein Stück weit der öffentlichen Diskussion Rechnung tragen wollten und sich deshalb so ausführlich zu vielen Punkten geäußert haben", sagte Peters.

Abstimmung am 12. Dezember

Über das Konzept sollen die 36 Profiklubs in ihrer Mitgliederversammlung am 12. Dezember in Frankfurt/Main abstimmen.

Das erste Positionspapier der DFL, die zuletzt intensive Gespräche mit organisierten Fan-Gruppierungen und den Sicherheitsbeauftragten geführt hat, war auf massive Kritik gestoßen.

Zahlreiche Fan-Organisationen und Vereine wie Union Berlin und der FC St. Pauli hatten das Konzept abgelehnt.

Boykott in den Stadien

Am vergangenen Spieltag hatten die Fans in fast allen Stadien der Bundesliga und Zweiten Liga für zwölf Minuten und zwölf Sekunden aus Protest gegen das Sicherheitskonzept "Sicheres Stadionerlebnis" der DFL geschwiegen. (Bericht: "Das hat die Herren beeindruckt")

Sollte es im Dezember aber nicht zur Verabschiedung des überarbeiteten Konzepts kommen, könnte das Heft des Handelns bei der Gewalt-Problematik von der Politik übernommen werden.

Vor der mit Spannung erwarteten Abstimmung suchen die Fußball-Spitzenfunktionäre noch einmal das Gespräch mit der Politik.

Dialog mit der Politik

Am kommenden Montag treffen sich in Hannover unter anderem DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Ligapräsident Reinhard Rauball mit den Innenministern Uwe Schünemann (Niedersachsen) und Ralf Jäger (Nordrhein-Westfalen).

"Das erklärte Ziel des Treffens ist es, den Dialog mit der Politik fortzusetzen und die Standpunkte des Fußballs noch einmal klar zu hinterlegen", sagte Niersbach.

Rauball betonte, man werde dort "nicht über die Abschaffung von Stehplätzen reden. Stehplätze gehören in Deutschland zur Fußball-Kultur und sind daher nicht verhandelbar".

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