Simon Rolfes (vorne) spielte bisher 26 Mal für das deutsche Nationalteam © imago

Leverkusen weiß um seine Stärke, bleibt aber auch nach dem Sieg in Bremen bescheiden. Völler wünscht Löw Kopfschmerzen.

Bremen - Völlig entspannt lehnte Rudi Völler an einem Pfeiler im Kabinentrakt des Bremer Weserstadions.

Von Jubel oder gar Euphorie war beim Sportchef von Bayer Leverkusen nach dem Sturm auf Platz zwei keine Spur.

Mit einer Hand in der Hosentasche plauderte Völler über den Leverkusener Höhenflug und gab sich dabei ähnlich cool wie seine Mannschaft zuvor beim eindrucksvollen 4:1 (1:0)-Erfolg bei Werder Bremen (Spielbericht).

"Wir werden jetzt nicht ausflippen, nur weil wir Zweiter sind", sagte Völler mit einem Blick auf die Tabelle. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Von der Rolle des neuen Bayern-Jägers will beim Team der Stunde angesichts von zehn Punkten Rückstand auf den Rekordmeister keiner etwas wissen.

Titelkampf noch Utopie

"Aber wir wissen, dass wir ein paar Dinge zurzeit sehr gut machen", ergänzte Völler.

Während der Begriff "Vizekusen" früher noch als Schimpfwort galt, steht er nun für eine ganz neue Bayer-Qualität.

Und auch wenn der Titelkampf zurzeit noch Utopie zu sein scheint: Nach einem schwachen Saisonstart wird der Werksklub mit einer Mischung aus taktischer Disziplin und eiskalter Effizienz mehr und mehr zu einem ernsthaften Champions-League-Kandidaten.

Ausgebuffte Bayer-Elf

Genauso ausgebufft und abgeklärt wie sich Völler vor den Mikrofonen gab, hatte sich zuvor seine Mannschaft auf dem Rasen präsentiert.

Gerade einmal neun Torschüsse benötigte Bayer für seine vier Tore. Zum Mann des Abends avancierte Gonzalo Castro mit einem Doppelpack (31. und 52.). ( 644845 DIASHOW: Der 14. Spieltag )

Nach Bremens Anschlusstreffer durch Nils Petersen (54.) sorgten Kapitän Simon Rolfes (74.) und der eingewechselte Jens Hegeler (79.) für die Entscheidung.

"Wir müssen nachlegen"

"Wir wollten die Patzer der Konkurrenz nutzen - das hat funktioniert. Jetzt müssen wir mit einem Sieg gegen Nürnberg nachlegen", sagte Rolfes und erklärte im nächsten Atemzug das Erfolgsgeheimnis der Bayer-Elf.

"Es gibt viele Mannschaften, die taktisch sehr gut organisiert sind, aber dann machen zwei, drei Spieler, was sie wollen. Das ist bei uns nicht der Fall."

Großen Anteil daran hat Bayers ungewöhnliches Trainer-Doppel. Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä haben den Spaß nach Leverkusen zurückgebracht - und den Erfolg.

In den letzten sechs Spielen gab es fünf Siege. "Die beiden haben viele Spieler besser gemacht. Die Taktik stimmt. Und auch als am Anfang der Saison mal ein bisschen Gegenwind kam, haben wir die Geduld nicht verloren", sagte Völler.

Castro profitiert

Einer der Spieler, die von der Arbeit des Duos profitiert, ist Castro.

Der Deutsch-Spanier, der in dieser Saison vom Außenverteidiger zum offensiven Mittelfeldspieler umfunktioniert wurde, blüht in den vergangenen Wochen regelrecht auf, erzielte in Bremen seine Saisontore vier und fünf.

Wenn er so weitermacht, dürfte er auch bald auch wieder ein Thema für Bundestrainer Joachim Löw sein.

Völler wünscht Löw Kopfschmerzen

"Solche Spiele wie in Bremen sollen es Jogi natürlich sehr schwer machen", sagte Völler und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Hoffentlich bekommt er deswegen Kopfschmerzen."

Castro selbst wollte seine Leistung nicht überbewerten. Ob er auf einen Anruf Löws warte?

"Das ist Käse. Ich will erstmal der Mannschaft helfen und eine vernünftige Saison spielen. Ich denke von Spiel zu Spiel und nicht an die Nationalmannschaft. Wenn man seine Leistung bringt, dann kommt alles von ganz allein", sagte Castro.

Leverkusen bleibt bescheiden

Bescheidenheit ist bei Bayer Trumph - auch im Hinblick auf das Saisonziel. Eine Kurskorrektur kommt trotz des Höhenflugs (noch) nicht infrage.

"Der zweite Platz ist eine schöne Momentaufnahme. Sie zeigt die gute Entwicklung der Mannschaft, die sie sich hart erarbeitet hat", sagte Lewandowski:

"Ein Platz im internationalen Geschäft ist machbar. Wir sind gut beraten, dieses Ziel weiter zu verfolgen."

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