In Hoffenheim droht mal wieder ein Trainer zu scheitern. Markus Babbel dürfte sich nicht beklagen, aber das Problem geht tiefer.

Die Herbstmeisterschaft ist geschafft, aber der Hunger ist noch nicht gestillt.

"Unser Ziel ist es jetzt, diesen Platz bis zum Ende zu verteidigen", sagt der Kapitän des Halbzeit-Champions: "Ich weiß, wir können sogar noch besser spielen."

So sprach vor vier Jahren Marvin Compper im Namen der TSG 1899 Hoffenheim.

Es ist einiges schief gelaufen seitdem, der vorläufige Tiefpunkt der Entwicklung war am 14. Spieltag zu besichtigen: Nach dem 2:4 in Nürnberg steckt der Überflieger auf Relegationsplatz 16 fest und Trainer Markus Babbel mächtig in der Bredouille (BERICHT: Kurze Schonfrist für Babbel).

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Er wird noch schwer aus ihr zu retten sein, denn beim gegenwärtigen Zustand der Mannschaft sieht nichts danach aus, als ob es am Sonntag gegen Bremen eine Wende zum Besseren gibt.

Keine Abwehrsicherheit, keine erkennbare Spielidee, keine Wetterfestigkeit, wenn etwas gegen sie läuft: Die Hoffenheimer Mannschaft wirkt gerade, als wolle sie Babbels Vision eines internationalen Players nicht erfüllen, sondern parodieren.

Babbel muss sich der Verantwortung für diese Entwicklung stellen.

Und er macht seine Lage nicht besser, wenn er auch noch den verletzten Keeper und Kapitän Tim Wiese, den er zu Saisonbeginn zum Gesicht all seiner Träume gemacht hat, öffentlich zur Nummer zwei degradiert, statt psychologische Aufbauarbeit zu leisten.

Muss Babbel gehen, wäre es bei Hoffenheim das vierte Trainer-Aus innerhalb von zwei Jahren.

Ein deutlicher Hinweis darauf, dass in Sinsheim mehr im Argen liegt, als das, was Babbel zu verantworten hat.

Seit dem Ende der Ära Ralf Rangnick befindet sich der Klub auf der vergeblichen Suche nach einer Identität, die mit jedem scheiternden Übungsleiter nur schlimmer wird.

Am anderen Ende der Tabelle könnten am Wochenende ebenfalls Fakten geschaffen werden.

Der Herbstmeister von 2012 wird kaum noch von ganz oben zu verdrängen sein, wenn er auch den Prüfstein Dortmund überwindet.

In der englischen Woche hat Bayern schon demonstriert, was er dem Titelverteidiger in diesem Jahr voraus hat: Eine Kadertiefe, mit der er es sich erlauben kann, mit seiner Energie zu haushalten und mal einen Leistungsträger zu schonen, wie Bastian Schweinsteiger beim 2:0 in Freiburg.

Der BVB muss am Samstag seine wohl letzte Chance nutzen, dem Rekordmeister noch einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

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