Klaas-Jan Huntelaar (l.) kam 2010 vom AC Mailand zu Schalke © getty

Nach der schwachen Vorstellung in Hamburg herrscht bei Schalke miese Laune. Stevens spricht Klartext. Fink fordert mehr.

Von Felix Götz und Jürgen Blöhs

München/Hamburg - "Heute sage ich nichts", sagte Horst Heldt und ließ die wartenden Journalisten abblitzen.

Der schwache Auftritt seiner Schalker bei der 1:3-Niederlage beim Hamburger SV (Bericht) hatte dem Manager die Laune verhagelt.

Drei Auswärtspleiten in Serie, nur noch Dritter hinter Dortmund und zehn Zähler Rückstand auf den FC Bayern: Der königsblaue Motor ist ins Stottern geraten. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Das war zu wenig", war Trainer Huub Stevens ebenso bedient: "Wir müssen so schnell wie möglich unsere Frische wiederfinden."

"Das ist keine Entschuldigung"

Diese fehlende Frische wollte der 59-Jährige aber nicht als Ausrede verstanden wissen. Auch wenn die Partie beim HSV für die Schalker bereits das siebte Spiel im November war.

"Das ist keine Entschuldigung. Ein Profi muss das hinbekommen, dass er drei Spiele in einer Woche spielen kann", sagte Stevens auf SPORT1-Nachfrage.

Zudem hatte der Niederländer die Startelf auf drei Positionen verändert. Kyriakos Papadopoulos, Chinedu Obasi und Teemu Pukki durften für Joel Matip, Lewis Holtby und Julian Draxler ran.

Dennoch lief das Spiel vor allem in der Anfangsphase völlig an den "Knappen" vorbei.

Anfangsphase verschlafen

Bis zur elften Minute hatten die Hamburger bereits drei gute Möglichkeiten ausgelassen.

"Die ersten zwölf Minuten haben wir komplett verpennt. Wir waren gar nicht auf dem Spielfeld", befand Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes.

Immerhin stabilisierte sich Schalke mit der Zeit ein wenig und hielt das 0:0 bis zur Pause.

"Flatterball" zur HSV-Führung

Doch danach wurde es nicht besser. Maximilian Beister traf in der 52. Minute zum 1:0, wobei Lars Unnerstall einen unglücklichen Eindruck hinterließ.( 644845 DIASHOW: Der 14. Spieltag )

"Für mich war das kein Patzer - der Ball hat geflattert", schilderte der Keeper bei LIGA total! die Szene.

Rudnevs legte nach, Klaas-Jan Huntelaar verkürzte per Nachschuss eines von ihm verschossenen Handelfmeters, ehe Milan Badelj in der Nachspielzeit den 3:1-Endtand markierte.

"Wir machen es dem Gegner leicht"

"Ich kann nicht erklären, woran es liegt. Unser Spiel ist zu durchsichtig. Wir machen es dem Gegner leicht. Wir brauchen viel mehr Bewegung. Der Hunter ist doch aufgeschmissen vorne drin", sagte Jermaine Jones. "Als Schalke musst du dich anders präsentieren."

Von einer Herbstkrise wollten die Schalker allerdings nichts wissen.

"Krise würde ich nicht sagen, aber wir können von Glück reden, dass Dortmund und Frankfurt auch nicht gewonnen haben", meinte Jones.

Und Höwedes ergänzte: "Überlegt mal, auf welchem Platz wir stehen: Da kann man nicht von einer Krise reden."

Arslan muss blechen

Während die Schalker angesäuert waren, herrschte beim HSV allerbeste Laune. Die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink hat den Beweis erbracht, dass es auch ohne Rafael van der Vaart (Muskelfaserriss) und Heung-Min Son (Oberschenkelzerrung) geht.

Tolgay Arslan räumte ein, dass das Fehlen der beiden Leistungsträger die anderen Spieler sogar zusätzlich motiviert habe: "Wir haben gezeigt, wozu wir fähig sind."

Für den 22-jährigen Mittelfeldspieler hat die Partie allerdings ein Nachspiel. Er sah wegen Meckerns die fünfte Gelbe Karte, ist somit am Sonntag in Wolfsburg gesperrt und muss in die Mannschaftskasse einzahlen.

Fink erwartet mehr

"Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht", war Fink, dessen Elf so zielstrebig kombinierte wie lange nicht mehr, ansonsten zufrieden.

Allerdings verlangt der Trainer nun auch einmal konstant gute Leistungen.

"Wenn man so spielt, dann muss man das auch am Sonntag erwarten können", forderte der frühere Bayern-Spieler.

Keine Europa-Träume

Hamburg ist mit 20 Punkten Achter und ganz dicht an den Europa-League-Plätzen dran.

Träumen wollen die Norddeutschen trotzdem nicht.

"Wir sollten jetzt nicht von Europa reden - es war nur ein Sieg", sagte Heiko Westermann.

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