Marco Reus (r.) wechselte 2012 von Borussia Mönchengladbach nach Dortmund © getty

Nach dem unnötigen Remis gegen Düsseldorf ärgern sich Subotic und Co. über fehlende Entschlossenheit. Düsseldorf feiert.

Aus Dortmund berichtet Thorsten Langenbahn

Dortmund - Es dauerte mehr als eine halbe Stunde, bis der erste BVB-Spieler nach dem 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf (Bericht) aus der Kabine kam.

"Es gab wie nach jedem Abendspiel noch Essen", erklärte Dortmunds Innenverteidiger Neven Subotic, als er als einer der ersten vor die Journalisten trat.

Anders als Reis und Nudeln, die die Kohlenhydratspeicher wieder auffüllen sollten, waren die 90 Minuten zuvor ein Unentschieden der Marke schwer verdaulich.

"Wir haben uns verzockt", sagte Subotic über das Duell mit dem Aufsteiger: "Wir wollten das Spiel gewinnen, ohne zu großes Risiko zu gehen."

Kehl: "Nicht gierig genug"

Dortmunds Vollgasfußballer hatten nach dem 1:0 durch Jakub Blaszczykowski in der 43. Minute versucht, einen Gang runterzuschalten - ein Plan, der nicht aufging.

"Sie haben uns mit dem Ausgleich knallhart bestraft. Uns ist gegen diesen tief stehenden Gegner nicht viel eingefallen. Das geht klar auf unsere Kappe", sagte BVB-Mittelfeldspieler Sven Bender zu SPORT1.

"Wir waren nicht entschlossen und gierig genug", stellte Sebastian Kehl, sein Nebenmann im defensiven Mittelfeld, fest: "Über 90 Minuten hat uns die Dominanz gefehlt." Jeder Spieler müsse sich fragen, ob er Düsseldorf ersnt genug genommen hätte, mahnte der Kapitän.

"Zu viele Fehler gemacht"

"Wir müssen nicht so tun, als sei eine Katastrophe passiert. Wir haben einfach zu viele Fehler gemacht - und Düsseldorf hat diese bestraft und sich so den Punkt verdient", sagte Trainer Jürgen Klopp bei LIGA total!.

Nach neun Pflichtspielen ohne Niederlage, darunter sieben Siege, hielt zwar die Serie, aber die Punkteteilung fühlte sich für die Gastgeber wie eine Pleite an ( 644845 DIASHOW: Der 14. Spieltag ).

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"Wir haben heute zwei Punkte verloren. Natürlich sind wir enttäuscht", meinte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc: "Das war keine gute Leistung, aber das gehört auch mal dazu. Wir haben in den letzten Wochen am Limit gespielt."

Ohne Götze nicht viel los

Dass die Nationalspieler Mario Götze, Mats Hummels und Ilkay Gündogan angeschlagen fehlten, wollte der BVB-Manager nicht als Entschuldigung gelten lassen.

"Wir hätten sie gern dabei gehabt. Aber auch die Mannschaft, die auf dem Platz stand, hätte die Qualität gehabt, das Spiel zu gewinnen", sagte Zorc.

[kaltura id="0_z2ggiswq" class="full_size" title="BVB Fans geknickt"]

"Wir hätten die Chance gehabt, uns von den Klubs hinter uns abzusetzen. Es ist ärgerlich, dass wir das nicht geschafft haben."

Die Verfolger Schalke und Frankfurt verloren jeweils 1:3, doch mindestens genauso ärgerlich aus Sicht der Borussia ist der Abstand zum Spitzenreiter.

Gewinnt der FC Bayern am Mittwochabend beim SC Freiburg, liegt der Rekordmeister bereits elf Punkte vor dem Titelverteidiger (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Dämpfer, aber nicht deprimiert

Der Dämpfer gegen Düsseldorf ließ die Dortmunder vor dem Spitzenspiel am Samstag bei den Bayern dennoch nicht deprimiert zurück.

"Ich bin zuversichtlich, dass wir das zügig wieder abstellen können", sagte Kehl mit Blick auf die Nachlässigkeiten im Spiel. Torhüter Roman Weidenfeller erklärte bei "sky": "Wir haben heute zwei Punkte verloren. Aber die Meisterschaft ist Ende November noch nie entschieden gewesen."

In der Vergangenheit haben Klopps "Mentalitätsmonster", wie der BVB-Trainer seine Spieler kürzlich nannte, auf eine schwächere Leistung stets eine entschlossene Reaktion gezeigt.

"Und ihr wollt Deutscher Meister sein?"

Die Fortuna feierte den Punkt dagegen wie einen Sieg. Düsseldorfs Fans hatten schon in der zweiten Halbzeit gespürt, dass für ihre Mannschaft etwas möglich ist.

"Und ihr wollt Deutscher Meister sein?", sangen die rund 8.000 rot-weißen Anhänger in der 77. Minute lautstark. Keine 60 Sekunden später fiel das 1:1 durch Stefan Reisinger.

"Die Mannschaft hat sehr diszipliniert gespielt und sich für ihre Leistung belohnt. Die Jungs haben sich bis zum Ende ausgekotzt", sagte Fortuna-Trainer Norbert Meier.

Giefer hält den Punkt fest

"Das war bärenstark heute. Wir haben ein Riesenspiel gemacht und jederzeit an unsere Chance geglaubt", sagte Flügelspieler Axel Bellinghausen zu SPORT1.

Der mit 65 Prozent gewonnenen Duellen zweikampfstärkste Fortune gab zu, dass dieser Erfolg "auch ein bisschen der Abschlussschwäche der Dortmunder geschuldet war".

Großen Anteil am Remis hatte auch Schlussmann Fabian Giefer, der erneut eine starke Leistung zeigte.

Der 22-Jährige wehrte sechs von sieben Schüssen auf seinen Kasten ab und hielt so den glücklichen, aber verdienten Punkt fest.

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