Matthias Sammer (l.) ist seit Saisonbeginn Sportvorstand des FC Bayern München © getty

Der FCB-Sportvorstand analysiert Bayerns Formanstieg vor dem Duell gegen Dortmund und erklärt Fortschritte bei Gomez und Martinez.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - 45 Jahre ist Matthias Sammer inzwischen alt, eine beachtliche Grundgeschwindigkeit besitzt der Europameister von 1996 aber immer noch.

Bestes Beispiel: Beim 5:0-Schützenfest des FC Bayern gegen Hannover 96 (Bericht) sprintete Sammer in einigen Szenen mit richtig Zug zum vierten Offiziellen.

Einige Entscheidungen des Schiedsrichters Felix Zwayer, besonders die Gelb-Entscheidung gegen Bastian Schweinsteiger, wollte Sammer eben in Windeseile besprechen.

"Ich habe eine unglaubliche Verfassung", scherzte der Sportvorstand der Münchner im feinen Anzug anschließend.

Die Laune war blendend, nachdem der heißblütige Sachse sich beim recht mäßigen Spiel in Valencia (1:1) am Dienstag noch lieber die Zunge abgebissen hätte statt einen Kommentar abzugeben.

Gipfeltreffen als höchste Hürde

Nicht nur Sammer, auch der FC Bayern scheint wenige Tage vor dem Doppelschlag in Freiburg (Mi., ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER) und gegen Meister Dortmund am Samstag zurück in Bestform. ( 642980 DIASHOW: Der 13. Spieltag )

Doch das Gipfeltreffen schiebt Sammer im Gespräch mit SPORT1 bewusst ganz weit weg. Dabei stellt es für ihn und die Mannschaft die größte Hürde seit seinem Amtsantritt dar.

Ob die Mannschaft, die Anforderungen auch gegen Freiburg "von der ersten Sekunde an" umsetzt, ist für ihn aktuell die drängendste Frage.

Erst danach - und Sammers Stimme duldete hier keinen Widerspruch - gehe alle Konzentration auf Borussia Dortmund.

Großes Kompliment an Dortmund

Anerkennend spricht der Ex-Dortmunder von Schwarzgelb und der Entwicklung des Doublegewinners. "Das Potenzial dieser Mannschaft ist gut, sie leistet in dieser Saison Außergewöhnliches", sagte er. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Das Lob für den Rivalen klang ehrlich, genauso wie seine Einordnung des Kantersiegs gegen 96.

"Hannover musste hier zwei Tage nach der Europa League spielen, das ist in alle Betrachtungen mit einzubeziehen."

Spiel gegen den Ball überzeugt Sammer

Dennoch gefiel dem Charakterkopf die "Grundordnung im Spiel gegen den Ball" und das verbesserte "Umkehrspiel".

"Dann zeigt man auch im Ballbesitz ein besseres Spiel, diesen Aufwand müssen wir immer wieder betreiben. Das ist unser Maßstab."

In den beiden Partien vorher sei das nicht geschafft worden, räumte er mit Blick auf die Remis in Valencia und Nürnberg ein.

Rummenigge und Heynckes richten es im Duett

Wie ein Psychologe beschrieb Sammer, was anschließend aus seiner Sicht beim Rekordmeister, inklusive der strengen Bankettrede Karl-Heinz Rummenigges, passierte.

"Jupp Heynckes hat die Dinge inhaltlich angesprochen und die Spieler wissen, der Boss (Vorstandsboss Rummenigge, Anm. d. Red.) ist nicht ganz zufrieden", schildert Sammer diesen Zweiklang.

Lahm gefällt Reaktion

Aus Sicht von Mannschaftskapitän Philipp Lahm hat dieser Weckruf auf jeden Fall gewirkt.

"Die Reaktion, die wir gezeigt haben, war sehr, sehr gut", sagte der Nationalspieler.

Lahm war natürlich auch nicht entgangen, dass sich Javier Martinez nach seinem ersten Tor für den FCB den Spielball als Erinnerungsball geschnappt hatte.

Sanfter Spott für Martinez

Und die Sprüche der Kollegen dazu, dass ja sonst nur Lionel Messi den Ball nach einem Dreierpack mit nach Hause nehme, machten deutlich, dass der Teamgeist passt.

Zuvor hatte Dante ja etwa in Valencia versucht, Martinez nach Kräften und durch Zurufe zu unterstützen.

"Eine gute Mannschaft zeichnet sich immer dadurch aus, dass sie in einer kritischen Phase, Hilfestellung gibt, das ist Qualität", meinte Sammer.

Nicht nur wegen Martinez' Fallrückziehertor sprach er "vom besten Spiel" des Spaniers seit dessen Wechsel zum FCB.

Auch der 40-Millionen-Mann war mit seiner Leistung gegen Hannover zufrieden - ein wenig zumindest: "Ich weiß: Ich kann besser spielen, und ich werde besser spielen", so Martinez im "kicker": "Aber das kommt, vor allem mit der entsprechenden Physis".

Gomez auf gutem Weg

Neun Punkte liegen die Bayern aktuell vor Dortmund, mit diesem Vorsprung wollen sie nach dem Match in Freiburg auch ins Topspiel gehen.

Sammer macht dafür auch das Comeback Mario Gomez, samt Blitztor gegen Hannover, Mut.

"Für ihn war es sehr speziell, es war seine erste längere Verletzung", berichtete er.

"So ein Tor hilft immer für die Bewegungsabläufe und das Selbstbewusstsein." Allerdings brauche Gomez "sicherlich noch etwas Zeit".

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