MARKUS BABBEL: Auch die frühere Abwehrsäule schlug eine Trainerkarriere ein, stand beim VfB Stuttgart, Hertha BSC und zuletzt Hoffenheim an der Seitenlinie. Dort verhob er sich aber zuletzt an seinen Ambitionen
Markus Babbel (r.) trainierte bisher den VfB Stuttgart und Hertha BSC Berlin © getty

Nach der Niederlage gegen Leverkusen wird die Lage in Hoffenheim immer kritischer. Müller stützt Babbel. Wiese ist draußen.

Von Reinhard Franke

München - Markus Babbel richtete den Blick zum Boden.

Aber nur für einen kurzen Moment, bevor Hoffenheims Coach dann schnell in Richtung Kabinengang verschwand. Er wusste wohl, was ihm nun Unangenehmes blüht. ( 642980 DIASHOW: Der 13. Spieltag )

Seine Mannschaft hatte soeben eine weitere Niederlage hinnehmen müssen, verlor gegen Bayer Leverkusen mit 1:2 (Bericht).

Und das sehr unglücklich. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Kaum Pfiffe

Die Fans nahmen den nächsten Misserfolg weitgehend teilnahmslos hin, im Stadion waren kaum Pfiffe zu hören.

Dem Vierten Offiziellen schüttelte Babbel kurz die Hand - irgendwie lag ein Abschied in der Luft.

Nach der siebten Saison-Niederlage ist Hoffenheim auf den Relegationsplatz abgerutscht.

Chancen nicht genutzt

"Wir haben heute eine leistungsbereite Mannschaft gesehen, die versucht hat, dieses 0:2 noch umzubiegen und auch die Möglichkeiten dazu hatte. Leider haben sie sich nicht belohnt", sagte Babbel zu LIGA total!

Leverkusen habe nur drei Möglichkeiten gehabt, erklärte der Trainer. Sein Team hingegen ließ mehrere gute Chancen zum Ausgleich aus.

So ist das ist eben im Abstiegskampf.

"Wir machen die Dinger nicht rein und gehen dann als Verlierer vom Platz", fügte Hoffenheims Torschütze Fabian Johnson traurig an.

Luft für Babbel wird dünner

So wird die Luft für Babbel immer dünner. Die Frage nach der Sicherheit seines Arbeitsplatzes blockte Babbel ab.

[kaltura id="0_wfib4r27" class="full_size" title="Spieler stehen hinter Babbel"]

"Das kann ich nicht beantworten. Es ist doch klar, dass über den Trainer diskutiert wird. Man macht sich ja auch selbst Gedanken, ob man ein guter oder schlechter Trainer ist", sagte Babbel.

Und er fügte selbstkritisch hinzu: "Momentan bin ich ein schlechter Trainer."

"Nicht der Trainer braucht Punkte"

Unterstützung bekam der Coach von seinem Manager, allerdings nicht in der Bewertung dessen Qualität.

"Nicht der Trainer braucht Punkte, sondern die TSG Hoffenheim. Es geht zuerst um den Verein, danach geht es um die handelnden Personen. Wir wollen mit dem Trainer gemeinsam an Lösungen arbeiten, dass es besser wird", sagte Andreas Müller.

Mit einem knappen "Ja" beantwortete Müller die Frage, ob Babbel am Mittwoch gegen Nürnberg noch auf der Bank sitzen wird.

Alarmstufe Rot vor Englischer Woche

Babbel muss die Lösungen möglichst schnell finden. Die Englische Woche mit Spielen in Nürnberg und zu Hause gegen Bremen steht unmittelbar bevor, die Bilanz der Hoffenheimer ist schon jetzt alarmierend.

Noch nie hatten die Kraichgauer nach 13 Spielen so wenig Punkte wie derzeit (12) auf dem Konto, zudem stellen sie die schlechteste Defensive der Liga.

Vor allem in der ersten Hälfte ließ die Mannschaft vieles vermissen und lag nach Treffern von Nationalspieler Lars Bender (15.) und Daniel Carvajal (38.) zurück.

"Ich hätte mich für Koen entschieden"

Ersatz-Keeper Koen Casteels war an den Gegentreffern schuldlos. Der Belgier war für Tim Wiese ins Tor gerückt, da sich der Stammkeeper einen Teil-Abriss einer Bandstruktur auf der Innenseite des rechten Kniegelenks zugezogen hatte.

Wiese wird seiner Mannschaft mehere Wochen fehlen.

Ob er allerdings gespielt hätte, wenn er fit gewesen wäre, ließ Babbel offen.

"Ich muss ehrlich gestehen, dass ich in der Woche darüber nachgedacht habe, einen Torwart-Wechsel vorzunehmen", erklärte der Trainer.

Und weiter: "Die Überlegungen haben sich dann auch so bekräftigt, dass ich den Koen ins Tor gestellt hätte. Leider hat sich der Tim dann verletzt und von daher ist mir die Entscheidung abgenommen worden. Ich hätte mich aber für Koen entschieden."

"Nehmen den Auswärtssieg gerne mit"

Leverkusens Trainer Sascha Lewandowski war von dem Auftritt seiner Mannschaft ebenfalls nicht begeistert.

"Wir sind mit der Leistung nicht zufrieden. Wir haben aber schon einige Spiele gehabt, wo wir besser gespielt und nicht gewonnen haben", sagte Lewandowski: "Deshalb nehmen wir den Auswärtssieg gerne mit. Heute war aber vieles nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben."

Und Bayers Torschütze Lars Bender meinte nur: "Wir können froh sein, dass wir heute die drei Punkte mitgenommen haben. Ich glaube, wir waren uns in der zweiten Halbzeit mit dem 2:0 zu sicher. Im Endeffekt können wir sehr glücklich sein, dass wir das Ergebnis über die Zeit geschaukelt haben."

Mit 24 Punkten liegt Leverkusen nun punktgleich mit Schalke und Frankfurt auf Rang fünf.

Die Werkself ist somit ein heißer Kandidat für das internationale Geschäft.

Das wollte Hoffenheim vor der Saison auch sein. Doch die Kraichgauer haben momentan andere Sorgen.

Weiterlesen