Christian Streich (l., mit Jonathan Schmid) beerbte Ende 2011 Marcus Sorg als Freiburg-Coach © getty

Freiburg steigt mit einem furiosen Sieg gegen den VfB zum Europa-League-Anwärter auf - und wird auch für die Bayern zur Gefahr.

Von Martin Hoffmann

München/Freiburg - Die Sache mit dem Freistoß wollten die Stuttgarter schon noch loswerden.

"Eine Frechheit", fand sie Keeper Sven Ulreich, "ärgerlich" Manager Fredi Bobic, Serdar Tasci war der Ansicht: "Das kann für mich nicht sein."

Einen zu schnell ausgeführten Freiburger Freistoß, nach dem die Stuttgarter den Ball schon erobert hatten, ließ Schiedsrichter Tobias Welz wiederholen.

Was eigentlich eine Strafe für Freiburg sein sollte, wurde zu einer Belohnung: Der Freistoß führte zum vorentscheidenden zweiten Tor durch Pavel Krmas ( 642980 DIASHOW: Der 13. Spieltag ).

Freiburg auf Platz sechs

Eine Szene, die verständlichen Ärger bei Stuttgart auslöste. Und doch wäre es kleines Karo, den Freiburger 3:0-Sieg gegen den VfB darauf zu reduzieren.

Der fulminant erkämpfte, erlaufene und erspielte Triumph im Südwest-Duell markierte nämlich den Moment, in dem sich die Breisgauer endgültig zur zweiten Überraschungsmannschaft der Saison gemausert haben.

Platz sechs mit 19 Punkten aus 13 Spielen: Trainer Christian Streich hat aus der Mannschaft, die er vor elf Monaten als Tabellenletzten übernommen hat, einen veritablen Europa-League-Anwärter geformt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und einen Gegner, über den sich auch der souveräne Tabellenführer FC Bayern, der vor dem Spitzenspiel gegen Dortmund am Mittwoch noch im Breisgau gastiert (ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER), den Kopf zerbrechen muss.

"Nicht vermessen werden"

Gesagt hat beides nach dem Sieg gegen Stuttgart allerdings keiner.

"Wir wollen nicht vermessen werden", mahnte Max Kruse, der Schütze des 3:0: "Wir wissen, wie wir diesen Sieg einzuordnen haben."

Aber: "Wir haben jetzt 19 Punkte, die uns niemand mehr nehmen kann."

Und Kruse ließ keinen Zweifel daran, wem sein Team das in erster Linie zu verdanken hat: "Der Trainer hat uns wie immer super eingestellt und super motiviert."

Der so Gelobte wirkte derweil, als traue er den eigenen Erfolg selbst kaum über den Weg.

Streich verkneift sich den Jubel

Keine Jubelbilder lieferte Christian Streich während des Spiels für die Fotografen und Kameraleute, stoisch nahm der sonst so ruhelose Coach jedes der drei Tore für sein Team auf.

Erst hinterher ließ er es zu die Emotion auf sich wirken zu lassen: "So ein Spiel, auf so einem hohen Niveau zu gewinnen, ist eine ganz große Freude für uns."

Stuttgart am Ende kraftlos

Trotzdem wollte er diese Freude richtig einsortiert sehen. Von sich aus merkte er an, dass sein Team von Stuttgarts Europa-League-Auftritt unter der Woche profitierte.

Dass der an der Substanz gezehrt hatte, konnten die VfBler spätestens nach Freiburgs 2:0, nach dem es kein Aufbäumen mehr gab, verbergen.

Ulreich gab danach zwar die gut gemeinte Floskel von sich, dass das "keine Ausrede" sein dürfe, Bobic allerdings machte klar: "Am Ende hat die Kraft gefehlt, das muss man ganz ehrlich sagen."

Während Coach Bruno Labbadia feststellte: "Da sieht man, wie die Bundesliga ist, man darf keinen Prozent runterfahren. Das kann man sich nicht erlauben, und das hat Freiburg heute ausgenutzt."

"Mittwoch wird ganz anders"

Freiburg hat das Europa-League-Problem (noch) nicht, was der kraftraubenden Press- und Umschaltspiel der Breisgauer entgegenkommt.

"Wenn wir so viel investieren, wird das bei einem Drei-Tage-Rhythmus nicht einfach", mahnte auch Streich mit Blick auf die anstehende englische Woche.

"Mittwoch wird was ganz anderes", meinte der Coach: "Wenn du gegen die Bayern verlierst und einigermaßen ordentlich spielst, dann ist das die größte Selbstverständlichkeit."

Allein: So wie Freiburg aktuell aufspielt, ist auch gegen den Rekordmeister gar nichts mehr selbstverständlich.

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