Javi Martinez (l.) wechselte zu Saisonbeginn von Athletic Bilbao zu den Bayern © imago

Die Bayern vertreiben mit dem 5:0 gegen Hannover alle Krisensymptome. Speziell Martinez und Gomez haben Grund zu jubeln.

Von Martin Hoffmann und Mathias Frohnapfel

München - Die Frage musste kommen, so albern sie auch war.

Ob sein Fallrückzieher denn besser gewesen wäre als der von Zlatan Ibrahimovic, wollte ein Reporter von Javi Martinez wissen.

Er hätte auch einen Kunststudenten fragen können, ob sein erstes Exponat denn Michelangelos Sixtinische Kapelle toppen würde.

Martinez gab die entsprechende Antwort: "Nein, sicher nicht."

Martinez lachte, aber nicht nur deswegen: Der 5:0-Kantersieg des FC Bayern gegen Hannover 96 (Bericht) lieferte ja auch so genug Gründe, sich zu amüsieren.

"Das beste Spiel, seit er hier ist"

Martinez leitete den Festtag mit einem Fallrückzieher in der 3. Minute ein, sein erster, wie er hinterher erklärte ( 642980 DIASHOW: Der 13. Spieltag ).

Es war zugleich auch das erste Pflichtspieltor des 40-Millionen-Manns im Bayern-Dress, als frühes Sahnehäubchen auf das "sicher beste Spiel, das er gemacht hat, seit er hier ist", so Sportvorstand Matthias Sammer auf SPORT1-Nachfrage.

Grund genug für Martinez, sich den Ball, mit dem er den Treffer erzielte, als Erinnerungsstück einzustecken.

Kroos, Ribery, Dante: Glanz überall

Andere hätten auch ihre Gründe gehabt, das Spielgerät aufzubewahren.

Der überragende Toni Kroos etwa, der mit einem Tor und zwei Vorlagen glänzte. Der ebenso erfolgreiche Franck Ribery, der sich von einer Rippenprellung nicht vom Wirbeln abhalten ließ.

Oder Dante, der wie Martinez sein Debüt-Tor für Bayern einköpfte - was er mit einem Tänzchen und einer Widmung an seinen Sohn zelebrierte.

Gomez' Gefühlsexplosion

Die wohl größte Gefühlsdetonation von allen aber erlebte Mario Gomez.

26 Sekunden brauchte der Stürmer, um in seinem ersten Bundesliga-Einsatz seit Anfang sein erstes Tor zu machen.

"Stolz und glücklich" mache ihn das, hielt er bei LIGA total! fest. Und machte bei allen pflichtschuldigen Einschränkungen - Ball flach halten und ähnliches - klar, dass es "ein geiles Gefühl" gewesen wäre.

Mahner Rummenigge zufrieden

Letztlich war das Hannover-Spiel für alle Münchener eine höchst willkommene Hormonexplosion nach den eher freudlosen Unentschieden gegen Nürnberg und Valencia, samt kritischer Bankettrede von Karl-Heinz Rummenigge.

Den Aufwach-Befehl des Vorstandschefs wurde fulminant erhört, weshalb auch seine Laune hinterher bestens war.

"Es war wichtig, nach zwei nicht so guten Spielen eine Reaktion zu zeigen", verkündete Rummenigge: "Das hat die Mannschaft sehr gut gemacht."

Auch Coach Jupp Heynckes war nach seinem 200. Bundesliga-Spiel als Bayern Trainer voll des Lobes für eine "giftige und aggressive" Vorstellung.

Dortmund kann distanziert werden

Eine Vorstellung, die gerade recht kommt vor einer "entscheidenden Woche" (Rummenigge).

Am Mittwoch steht eine nicht zu unterschätzende Auswärtsaufgabe beim SC Freiburg an, am kommenden Samstagabend dann der Kracher gegen Meister Dortmund.

Der ist nach dem Arbeitssieg in Mainz nun Zweiter und kann im besten Fall auf zwölf Punkte distanziert werden (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Hannover kein Sparringspartner

Der einzige Nachteil des Schützenfests gegen Hannover war letztlich, dass der Gegner ein untauglicher Sparringspartner war.

Keine 48 Stunden nach dem Europa-League-Spiel gegen Enschede wirkten die 96er speziell mental zu sehr geplättet, um den Bayern etwas entgegenzusetzen.

Eine brauchbare Abwehrleistung lieferte nach dem Spiel nur Trainer Mirko Slomka, als er sich den Trickfragen der Journalisten stellen musste.

Slomka pariert die Trickfragen

Ob er denn, so als potenziell nächster Bayern-Trainer, nicht gerne eine bessere Visitenkarte abgegeben hätte, solche Sachen.

"Das hat nichts mit mir zu tun", parierte Slomka. Auch wenn er natürlich gerne gesehen hätte, wenn sich sein Team besser geschlagen hätte.

An diesem Nachmittag aber war es von den Bayern so weit entfernt wie der Kunststudent von der Sixtinischen Kapelle.

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