Christian Streich löste im Dezember 2011 Marcus Sorg als Freiburg-Coach ab © imago

Vor dem Derby zwischen Freiburg und Stuttgart ist die Euphorie spürbar. Der Trainer der Braisgauer bleibt aber ganz realistisch.

Von Reinhard Franke

München - Derbys haben oft ihre ganz eigene Brisanz.

Die geographische Nähe zweier Fußballklubs bedeutet nicht, dass dadurch die Rivalität weniger stark ist. Im Gegenteil.

Am Sonntag (ab 15.15 Uhr im LIVE-TICKER) steht wieder so ein Prestigeduell an, wenn der SC Freiburg den VfB Stuttgart empfängt.

Da rückt sogar das Heimspiel des Sportclubs gegen die Bayern drei Tage später (noch) in den Hintergrund.

"Besonderes Spiel" für Streich

Für die Breisgauer geht es gegen die Schwaben auch nur um drei Punkte, doch für die Verantwortlichen des Sportclubs hat das Derby seinen ganz eigenen Stellenwert.

"Das ist schon etwas Besonderes, das ist kein normales Spiel für mich", sagt Freiburgs Trainer Christian Streich im Gespräch mit SPORT1.

"Ich spiele schon ewig gegen den VfB, auch in der Jugend. Es war immer etwas Tolles gegen so einen großen Verein zu spielen. Das ist unsere Hauptstadt und da wollen wir kämpfen und uns aufreiben."

Wenn Streich über das Duell mit den Stuttgartern spricht, dann geht er emotional mit. So wie man ihn kennt, wenn er an der Seitenlinie auf und abspringt.

"Klein gegen groß, älter gegen jünger"

"Es gibt doch immer klein gegen groß, älter gegen jünger. Ich habe unzählige Derbys erlebt, die ersten sieben Jahre bei der A-Jugend habe ich alle gegen den VfB verloren. Erst im achten Jahr wurde da gepunktet."

VfB-Sportdirektor Fredi Bobic hat die Derby-Situation im Südwesten einmal ziemlich treffend beschrieben: "Spiele gegen den KSC sind die richtigen Derbys, Spiele gegen Hoffenheim gar keine Derbys, Spiele gegen Freiburg kleine Derbys".

Doch auch das "kleine" Derby will Streich mit seinen Spielern gewinnen, da ist er zu sehr Trainer - mit Fleisch und Blut.

Beide Klubs auf Augenhöhe

Sportlich ist die Ausgangslage so eng wie selten. Ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass man sich momentan auf Augenhöhe begegnet. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Der Sportclub ist Zehnter und spielt bisher eine starke Saison, der VfB belegt Platz zwölf.

Ablösung? "Um Gottes Willen"

Dennoch sieht Streich bei SPORT1 die Verhältnisse klar verteilt. Von einer Wachablösung will der 47-jährige Fußball-Lehrer nichts hören. "Um Gottes Willen. Wir wollen zunächst einmal nicht absteigen. Wir werden nie dahin kommen. Finanziell und wirtschaftlich ist das völlig utopisch."

Man spiele bisher ordentlich und er selbst schaue auch ganz gerne zu, wenn seine Jungs spielen, aber das seien nur "Momentaufnahmen."

Streich, der von 1985 bis 1987 für den VfB-Stadtrivalen Stuttgarter Kickers die Fußballschuhe schnürte, weiß, wovon er spricht, wenn er sich an alte Zeiten erinnert: "Wir standen schon mal vor denen, dann wurden die zwei Jahre später Meister und wir kickten in der 2. Liga."

Streich spricht immer von "kicken" und das mit großer Freude. Doch er bleibt realistisch: "Es ist schön, wenn die Fans Freude haben, doch wir werden uns nie mit dem VfB vergleichen können."

VfB mit breiter Brust

Die Stuttgarter kommen mit breiter Brust. Nach dem triumphalen 5:1 in der Europa League bei Steaua Bukarest ist das Stimmungsbarometer bei den Schwaben weit nach oben ausgeschlagen.

Fast alles gelang an diesem "absoluten Sahnetag", wie es Labbadia in der "Stuttgarter Zeitung" erklärte. Natürlich will er mit seiner Truppe diese Leistung beim Sportclub wiederholen.

Streich will das logischerweise vehindern. Er freut sich auf die Begegnung und hofft insgeheim, als Trainer des Sportclubs noch bei einigen Derbys mitfiebern zu können: "Wenn man mich nicht zum Teufel jagt, möchte ich noch ein paar Jahre in Freiburg arbeiten."

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