Andre Schürrle wechselte 2011 von Mainz nach Leverkusen © getty

Nationalstürmer Andre Schürrle spricht bei SPORT1 über Traumtore in den Winkel und warnt vor 1899 Hoffenheim.

Von Thorsten Langenbahn

Leverkusen - Mit seinem Traumtor aus 25 Metern in den Winkel unterstrich Andre Schürrle vor einer Woche seine klasse Form.

Der Führungstreffer beim 2:0-Sieg gegen Schalke war für Bayer Leverkusens Flügelstürmer der Höhepunkt einer überragenden Leistung der Werkself.

"Wir sind mittlerweile eingespielt", sagt der Nationalstürmer über das Leverkusener 4-3-3-System vor dem Duell bei 1899 Hoffenheim (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Beim 0:2 gegen Metalist Charkow in der Europa League gönnte das Trainerteam dem 22-Jährigen eine Pause, ebenso wie Nationalmannschaftskollege Lars Bender ( 642599 Diashow 5. Europa League Spieltag ).

In 18 Pflichtspielen stand Schürrle bis auf eine Ausnahme in der Bayer-Startelf, schaffte in Liga, DFB-Pokal und Europa League fünf Treffer und fünf Vorlagen. (DATENCENTER: Bundesliga)

Im SPORT1-Interview spricht Leverkusens Nummer neun über die hohe Belastung der englischen Wochen, die Gründe für Leverkusens Lauf in der Liga und das Duell gegen Hoffenheim.

SPORT1: Herr Schürrle, nach 18 Pflichtspielen in dieser Saison haben Sie gegen Metalist Charkow erstmals ausgesetzt. Wie wichtig war die Pause für Sie, auch angesichts des bevorstehenden Programms mit sieben Spielen in den nächsten zweieinhalb Wochen?

Andre Schürrle: Wir haben das ausführlich besprochen und sind zu der Auffassung gelangt, dass eine Pause mal angebracht wäre, nicht nur für mich. In Charkow haben wir ja auf vielen Positionen rotiert. Bei unserem relativ kleinen Kader war dies die beste Gelegenheit für die Maßnahme. Schließlich waren beide Mannschaften schon für die K.o.-Runde qualifiziert.

SPORT1: Was bedeutet der verpasste Gruppensieg in der Europa League für die Ausgangsposition im Achtelfinale?

Schürrle: Das weiß man erst nach der Auslosung. Du kannst auch als Gruppenerster sehr schwere Gegner bekommen, momentan sind zum Beispiel Liverpool, Tottenham oder Inter Mailand in ihren Gruppen auf Platz zwei. Von daher macht es keinen Sinn, darüber zu spekulieren. Man muss die Gegner eh nehmen, wie sie kommen.

SPORT1: Bayer hat dennoch sechs der letzten acht Pflichtspiele gewonnen. Ist die Handschrift von Trainer Sascha Lewandowski und Teamchef Sami Hyypiä immer deutlicher erkennbar?

Schürrle: Ja, ganz klar. Man konnte schon die ganze Saison über erkennen, dass wir einen Plan haben auf dem Platz - und den versuchen wir in jedem Spiel zu 100 Prozent durchzuziehen. Manchmal funktioniert das besser, manchmal schlechter. Aber wir wissen immer ganz genau, was wir zu tun haben.

SPORT1: Den Spitzenreiter Bayern 2:1 geschlagen, vor einer Woche den Tabellenzweiten Schalke 2:0 besiegt. Es läuft zurzeit in der Liga...

Schürrle: Ja. Gegen Schalke war eines unserer besten Spiele. Wir haben es sehr gut gemacht, hatten eine sehr gute Balleroberung, waren in jedem Zweikampf griffig und haben blitzschnell umgeschaltet.

SPORT1: Mit Ihrem Traumtor aus rund 25 Metern haben Sie Ihre Mannschaft auf die Siegerstraße gebracht. Wussten Sie eigentlich gleich: das Ding sitzt?

Schürrle: Ich habe schon gemerkt, dass ich den Ball gut getroffen habe. Er ist dann wirklich sehr gut geflogen und ich bin froh, dass er auch reingegangen ist. Manchmal hat man ein gutes Gefühl, aber der Ball geht trotzdem weit drüber. Schalkes Torhüter Lars Unnerstall hat hinterher auch gesagt, er kann da nicht viel machen.

SPORT1: Das letzte Bayer-Gastspiel in Hoffenheim wurde vor sieben Monaten durch einen sehenswerten Schlenzer von Ihnen in den Winkel entschieden. Legen Sie nach Ihrem Knaller gegen Schalke noch einmal nach und machen sich selbst Konkurrenz bei der Wahl zum Tor des Monats?

Schürrle: Schön wär?s. Aber mir wäre auch ein Stochertor recht, wenn wir dadurch gewinnen würden. In jedem Fall wird es ein schwieriges Spiel. Hoffenheim wird alles dafür tun, wieder in die Spur zu kommen. Die Mannschaft ist gefährlich.

SPORT1: Dennoch geht Ihr Team als Favorit ins Spiel. Warum funktioniert es zurzeit bei Leverkusen auch spielerisch?

Schürrle: Wir sind mittlerweile eingespielt und haben viele Spiele mit der gleichen Aufstellung gemacht. In unserem Spielsystem sind wir inzwischen sehr gut aufeinander abgestimmt. Wir suchen oft den Pass in die Tiefe. Dafür ist es wichtig, dass das Verständnis untereinander sehr groß ist.

SPORT1: Inwiefern profitieren Sie dabei von Ihren Kollegen im Angriff, Stefan Kießling und Gonzalo Castro?

Schürrle: Wenn ich meine Dribblings ansetze, brauche ich die Leute, die die Gegenspieler binden, damit man nicht eins gegen zwei oder sogar eins gegen drei spielt. Das kriegen wir inzwischen viel besser hin als noch zu Saisonbeginn und ergänzen uns sehr gut.

SPORT1: Schalke ist nun zwei Punkte entfernt, die Bayern zehn Punkte vor. An wem orientieren Sie sich in der Tabelle?

Schürrle: (lacht) An den Bayern kann man sich nicht orientieren. Wir gucken auf uns selbst und unseren Spielstil. Den müssen wir verbessern, dann werden wir weiter punkten.

SPORT1: Das Länderspieljahr ist bereits beendet. Wie fällt Ihre ganz persönliche Bilanz im DFB-Dress aus?

Schürrle: Durchweg positiv. Die EM war ein absolutes Highlight. Ich bin zum ersten Mal bei so einem wichtigen Turnier dabei gewesen und habe im wichtigen Spiel gegen Griechenland (4:2 im EM-Viertelfinale, Anm. d. Red.) das Vertrauen bekommen.

SPORT1: Mit welchen Erwartungen gehen Sie nach Ihren neun Nationalmannschaftseinsätzen 2012 ins kommende Jahr?

Schürrle: Ich muss schauen, dass ich im Verein meine Leistung bringe und mich dann auch im Training bei der Nationalmannschaft anbiete, um dann, so wie ich es immer gemacht habe, meine Chance zu nutzen und meine Tore zu machen. Dann kann ich hoffentlich auch irgendwann wieder in die erste Elf reinrutschen.

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