Jupp Heynckes kehrte 2011 als Trainer zum FC Bayern München zurück © getty

Der Bayern-Trainer bleibt vor dem Hammerprogramm und dem Spiel gegen Hannover ruhig. Wegen Slomka fängt er Beckenbauer ein.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Fast einen halben Liter Mineralwasser hat Jupp Heynckes nach und nach getrunken, als er am Freitagnachmittag über das Spiel gegen Hannover 96 (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) sprach.

Es war das einzige Zeichen dafür, dass die kommende Hammerwoche auch den FCB-Coach stärker beschäftigt als er - äußerlich höchst konzentriert und sachlich - zu erkennen gab. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nach dem Match gegen die kampfstarken Niedersachsen muss der Rekordmeister in Freiburg bestehen, ehe schon in Wochenfrist der Dauerrivale Borussia Dortmund in München vorstellig wird.

Planung Schritt für Schritt

Was am Ende dieses Monsterprogramm als Gesamtergebnis stehen könnte, ließ Heynckes unkommentiert. Ob er mit sieben Punkten aus diesen drei Partien leben könne?

"Das sind Gedankenspiele von Journalisten, ich sehe erstmal das nächste Spiel", sagte Heynckes kühl auf SPORT1-Nachfrage und fügte an: "Der FC Bayern hat immer wichtige Wochen vor sich, das ist nichts anderes als zum Beispiel zum Rückrundenstart."

Dabei dürfte in sieben Tagen geklärt sein, ob Bayern wie im Vorjahr in ein Herbstloch tappt und die gegen Ajax (Bericht) glänzend aufgelegten Dortmunder kräftig aufholen - oder eben nicht.

"Das ist eine Woche, die ganz wichtig ist für die Zukunft", hatte ja bereits Karl-Heinz Rummenigge nach dem 1:1 in Valencia (Bericht) gemahnt.

Heynckes will von Rechtfertigung nichts wissen

Von selbst gehe da gar nichts, redet der FCB-Vorstandschef den Spielern nach dem mäßigen Auftritt in Spanien ins Gewissen.

Heynckes hatte am Tag danach selbstbewusst verkündet: "Ich weiß, was ich zu tun habe" - und ärgerte sich nun über die öffentliche Interpretation.

"Ich war hocherstaunt, dass meine Deklaration in Verbindung mit Karl-Heinz Rummenigge gebracht wurde."

[kaltura id="0_xxhaq5e0" class="full_size" title="Schweinsteiger Keine Angst vor tristem Herbst"]

Vermeintliche oder so gedeutete Missverständnisse in Bayerns Führungsriege, davon wollen sie im Moment an der Säbener Straße nichts wissen. Zumal in Hannover 96 ein gefürchteter Gegner kommt.

Dass die 96er nach der Nullnummer am Donnerstag gegen Enschede konditionell im Nachteil seien, sieht Heynckes nicht.

Respekt vor Hannovers Stil

"Wenn man schon qualifiziert ist für die K.o.-Runde, formiert man die Mannschaft entsprechend", meinte Heynckes zum Trainer-Kollegen Mirko Slomka.

Und freiheraus lobte er den 45-Jährigen für seine erfolgreiche Arbeit in Niedersachsen. "Hannover hat in den letzten zwei Jahren immer ein gutes Image in der Liga und in der Europa League abgegeben. Das ist ein Gegner, der uns alles abverlangen wird."

Dem Trainerveteran sind schon längst Hannovers Qualitäten bei Balleroberung und Konterspiel aufgefallen.

"Fragen Sie Franz Beckenbauer!"

Auch deshalb wird ja deren Chefcoach immer wieder als möglicher Nachfolger in München genannt, sollte Heynckes - wann auch immer - seine Trainerlaufbahn beenden.

Die verfrühte Nachfolgediskussion nervt Don Jupp dennoch.

"Das kann ich nicht beantworten, fragen Sie Franz Beckenbauer!", sagte er salopp zu Slomkas Eignung als möglicher Bayern-Trainer.

Just der Bayern-Ehrenpräsident hatte zuletzt mit einigem Lob Slomka neben anderen Namen ins Gespräch gebracht.

Ribery wohl in der Startelf

Zukunftsfragen. Da war es Pragmatiker Heynckes lieber, sich den Aufgaben der allernächsten Gegenwart zu stellen.

Obwohl Franck Ribery nach der Partie in Valencia über Schmerzen geklagt hatte, zeigte sich Heynckes zuversichtlich, dass der Franzose gegen Hannover in der Startelf stehen wird.

Ribery hat am Donnerstag gut eine Stunde lang trainiert.

"Wenn sich die Situation nicht verschlechtert, ist es selbstverständlich, dass er das Abschlusstraining voll durchzieht und von Anfang an spielen wird."

Auch Jerome Boateng könnte nach seiner Muskelverletzung wieder im Kader sein, Abwehrkollege Daniel van Buyten plagt indes eine "leichte Erkältung".

Auf Arjen Robbens Rückkehr, für den aktuell nur Lauftraining möglich ist, muss der FCB noch warten.

Gomez "braucht Zeit"

Behutsam will Heynckes in den nächsten Spielen Mario Gomez einbauen, von allzu großen Erwartungen hält er dabei nichts.

"Es ist klar, dass ein Spieler Spielpraxis und Minuten braucht, er braucht seine Zeit", sagte er, nachdem der Deutsch-Spanier nach seiner Verletzungspause in Valencia den ersten Pflichtspieleinsatz der Saison machte.

Gegen Hannover könnte Gomez' Aufbauprogramm womöglich mit einem Jokereinsatz weitergehen.

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