Klaus Allofs führte Werder Bremen zur Meisterschaft und zwei DFB-Pokal-Triumphen © getty

Vor dem Spiel gegen Werder spricht Wolfsburgs neuer Boss Klaus Allofs bei SPORT1 über seinen Wechsel und das Wiedersehen.

Von Reinhard Franke

München - Es ist ein Wiedersehen der ganz besonderen Art.

Wenn am Samstag der VfL Wolfsburg den SV Werder Bremen empfängt (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER), dann werden alle Kameras auf einen Mann gerichtet sein:

Klaus Allofs, seit zehn Tagen neuer Geschäftsführer bei den "Wölfen" und zuvor über 13 Jahre Sportdirektor und zuletzt Vorstands-Boss an der Weser.

Für Allofs kommt es bei seiner Heimpremiere ausgerechnet zum Treffen mit der alten Liebe. Doch seine berufliche Veränderung sorgte bei weitem nicht nur für ein positives Echo.

(Klaus Allofs im Volkswagen Doppelpass, So., ab 11 Uhr im TVauf SPORT1)

Vor der Begegnung mit der eigenen Vergangenheit spricht der 55-Jährige bei SPORT1 über den Wechsel und die damit aufkommende Kritik, Werder-Coach Thomas Schaaf, die Trainerfrage in Wolfsburg - und verrät, warum er kein zweiter Felix Magath werden will.

SPORT1: Herr Allofs, wie war die erste Woche beim VfL?

Klaus Allofs: Ich bin mit offenen Armen empfangen worden und so ist mir der Start sehr leicht gemacht worden. Sowohl von den Mitarbeitern als auch von der Mannschaft. Die ersten Tage waren sehr anstrengend und es gibt sehr viel Neues zu entdecken. Dass man unter Spannung steht, das ist völlig normal. Für mich kam dann auch das Auswärtsspiel in Hoffenheim ganz gelegen, denn es war natürlich interessant, die Abläufe auf eine andere Weise wieder neu kennenzulernen. Das war das einschneidendste Erlebnis in der ersten Woche.

SPORT1: Sie sind ein Sympathieträger in der Liga. Haben Sie die Befürchtung, dass dieser Wechsel am Ende Ihrem positiven Image geschadet hat?

Allofs: (überlegt lange) Ich hoffe es nicht und glaube es auch nicht. Wer sich ganz genau damit beschäftigt, der hat das auch erkannt. Dass ich 13 Jahre nun bei einem Klub gearbeitet habe, ist außergewöhnlich und zeigt, dass ich nicht leichtfertig eine solche Entscheidung treffe. Ich bitte das zu respektieren, dass das meine persönliche Entscheidung ist. Es hat gar nichts mit Werder Bremen zu tun, sondern ich habe gefühlt, dass es jetzt der Moment ist, etwas Neues zu beginnen. Der Moment war zudem gut, weil in Bremen die Dinge auf den Weg gebracht worden sind. Wer das weiterhin anders sieht, den werde ich nie überzeugen können und damit kann ich auch leben.

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SPORT1: Mit Verlaub, aber wie wollen Sie einem Wolfsburger Spieler mit laufendem Vertrag, der irgendwann mal weg möchte, erklären, dass er bleiben soll?

Allofs: Wenn er dann vorher 13 Jahre da war, dann ist das kein Problem (lacht). Ich habe nur das gemacht, was wir in Bremen viele Jahre gelebt haben. Wenn ein Spieler mit dem Wunsch an mich herantrat, haben wir die Situation analysiert und überlegt, ob ein Wechsel wirtschaftlich passt und sportlich zu vertreten ist. Wenn sich dann für beide Seiten eine Win-Win-Situation ergeben hat, waren wir bereit diesen Schritt zu tun. Bei Valerien Ismael, Torsten Frings oder Miro Klose hat sich das beispielsweise so ergeben. Und so haben wir das auch in meinem Fall umgesetzt.

SPORT1: Können Sie Werders Aufsichtsratsboss Klaus-Dieter Fischer verstehen, der Ihnen vorwirft, Sie hätten hinten rum verhandelt?

Allofs: Ich war da sehr offen mit allen wichtigen Entscheidern. Dass wir in der Endphase die Interessen von Werder Bremen schützen mussten, das weiß er auch. Es war keine einfache Entscheidung und dass er vielleicht etwas enttäuscht ist, das kann ich verstehen. Dennoch sollte Verständnis für mich da sein.

SPORT1: Wird es nun Ihre erste Aufgabe sein einen neuen Trainer zu suchen?

Allofs: Nein. An erster Stelle steht zu analysieren, sich einen Gesamteindruck zu verschaffen und danach sinnvoll zu handeln.

SPORT1: Sie sagten, dass Sie schauen müssen welchen Trainertyp diese Mannschaft braucht. Die Mannschaft hat ein deutliches Signal gesendet pro Lorenz-Günther Köstner.

Allofs: Die Mannschaft macht einen sehr guten Eindruck und ich finde, dass sie top eingestellt ist. Da wird sehr gute Arbeit geleistet - von Lorenz und dem ganzen Trainerteam. Es gibt nicht den Auftrag Trainersuche. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

SPORT1: Den Namen Thomas Schaaf als neuen Trainer haben Sie aber nicht kategorisch ausgeschlossen.

Allofs: Ich habe nur gesagt, dass ich mich nicht für alle Ewigkeit beschränken kann und dass es niemals der Fall sein könnte. Ich weiß nicht, was in einigen Jahren ist. Nochmal: Wir sind nicht auf Trainersuche.

SPORT1: Können Sie Thomas Schaaf verstehen, der noch Tage später wie geschockt wirkte über Ihren Weggang?

Allofs: Natürlich war er enttäuscht. Ich habe ihn jetzt nicht mehr gesprochen. Einen Tag vorm letzten Spiel haben wir telefoniert, aber jetzt muss auch Normalität reinkommen. Es war uns Beiden klar, dass wir eines Tages auch einmal getrennte Wege gehen werden. Zwischen uns gibt es keine Probleme.

SPORT1: Was halten Sie von dem Modell Trainermanager, wie es Felix Magath inne hatte? Auch Sie waren früher bei Fortuna Düsseldorf Trainer.

Allofs: Bei den Anforderungen an diese beiden Positionen, insbesondere in Deutschland, halte ich eine personelle Teilung für sinnvoll.

SPORT1: Wie sehr freut es Sie, dass Sie beim VfL nicht mehr auf den letzten Cent achten müssen?

Allofs: Wir wollen auch in Wolfsburg wirtschaftlich arbeiten und nicht das Geld leichtfertig oder wenig sinnvoll ausgeben.

SPORT1: Die Spieler schwärmen von Ihnen. Die Mannschaft spielte gegen Hoffenheim noch befreiter als zuletzt. Ist Ihnen der Heilsbringer-Status recht?

Allofs: Ich will es nicht übertreiben, denn die Mannschaft hat einfach gut gespielt. Es waren keine leeren Worte von den Spielern, als sie sagten, dass sie sich freuen, dass ich da bin. Wenn dass das schon bewirkt hat, ist das wunderbar, aber wir wollen einfach positiv an die Sache rangehen.

SPORT1: Können Sie in der Nacht vor dem Spiel gegen Werder ruhig schlafen?

Allofs: Ich glaube schon, aber je näher das Spiel rückt, kommt eine gewisse Nervosität dazu. Es wird ein bisschen mehr kribbeln als sonst.

SPORT1: Keine Angst vor dem Spiel versehentlich in die falsche Kabine zu gehen?

Allofs: (lacht) Das wären zu schöne Bilder, wenn ich in die falsche Richtung laufen würde. Es geht zum Glück gar nicht, weil ich nicht die Wahl habe. Von dort, wo ich herkomme, geht es sofort in die VfL-Kabine.

SPORT1: Aber es wird schon ein verrückter Moment werden, oder?

Allofs: Ja. Es wird schon eine außergewöhnliche Situation sein. Ich habe mir das aber gut überlegt. Ich muss mit der neuen Konstellation leben. Es ist aber ein ganz besonderes Spiel, weil ich die Spieler vom Gegner viel besser kenne als bei sonstigen Spielen. Wenn das Spiel vorbei ist, kann ich wieder uneingeschränkt Werder Bremen die Daumen drücken.

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