Stefan Aigner hat für Eintracht Franfurt schon vier Tore und vier Assists auf dem Konto © getty

Frankfurts Stefan Aigner spricht vor dem Spiel auf Schalke bei SPORT1 über die neue Eintracht, das Saisonziel und seinen Wandel.

Von Reinhard Franke

München - Stefan Aigner ist ein Vorzeige-Profi.

Das hat den 25-jährigen Münchner endgültig nach oben gebracht.

Nach Stationen bei seinem Jugendklub 1860 München, Zweitligist Wacker Burghausen und dem damaligen Bundesligisten Arminia Bielefeld führte sein Weg in diesem Sommer von den Münchner "Löwen" zu Eintracht Frankfurt.

Beim überraschend stark aufspielenden Aufsteiger ist Aigner ein Erfolgsgarant, schoss bereits vier Tore und bereitete weitere vier Treffer vor.

Sein Herz schlägt immer noch blau, das wird klar, wenn er vor dem Duell der Bayern-Verfolger beim FC Schalke 04 (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) im SPORT1-Interview nur Borussia Dortmund und Schalke als Topteams nennt, die Bayern nicht einmal erwähnt.

Aigner spricht über den Erfolg der Hessen, das Saisonziel und erklärt seinen Wandel als Spieler.

SPORT1: Herr Aigner, war der 4:2-Sieg gegen Augsburg die perfekte Antwort auf alle Kritiker, die die Eintracht zuletzt schon im Sinkflug sahen?

Stefan Aigner: Man konnte nicht erwarten, dass wir jeden Gegner aus dem Stadion schießen werden. Es war klar, dass es auch mal nicht so gut laufen würde. Trotzdem sind wir nie ins Grübeln gekommen, sondern haben ganz normal unser Ding weiter durchgezogen. Gegen Augsburg hat man das gesehen - offensiv wie defensiv.

SPORT1: Haben Sie bei Platz drei das Gefühl, dass Sie nicht bei einem Aufsteiger gelandet sind?

Aigner: (lacht) Ich bin bei einem Aufsteiger. Es läuft aber einfach super bei uns und den Lauf nehmen wir gerne mit. Man kann aber natürlich nicht an 34 Spieltagen gleich gute Leistungen bringen.

SPORT1: Eine Mannschaft, die nach ein paar schwächeren Spielen so gestärkt wieder kommt wie die Eintracht gegen den FCA, hat sicher das Zeug zu mehr. Was ist die wahre Stärke des Teams?

Aigner: Es stimmt, dass sich erst in einer Phase, wo es nicht so läuft, der Charakter einer Mannschaft zeigt. Ich will nicht sagen, dass es nicht lief, aber aus drei Spielen sprang eben nur ein Punkt heraus. Aber wir sind eine super Truppe, sind eine junge Mannschaft, wo alle sehr gut zusammen passen. Der Manager (Bruno Hübner, Anm. Red.) und der Trainer (Armin Veh, Anm. d. Red.) haben das Team prima zusammengestellt. Gegen den FCA hat man unseren Charakter gesehen. Wir geben nicht auf und fangen nicht an zu hadern, warum es zuletzt nicht so lief. Wir sind wieder da und sind gestärkt aus diesem kleinen Tal herausgekommen.

SPORT1: Sie sind mit vier Toren und vier Assists gleich ein Leistungsträger geworden. Erklären Sie doch mal Ihr Leistungshoch.

Aigner: Man lernt immer dazu und so ging es mir auch. Früher war das bei Burghausen so und auch bei 1860 war es am Anfang so. In der Vergangenheit bin ich auf meiner Außen-Position immer stehen geblieben und nie mit nach innen gerückt. Jetzt habe ich ein Gespür dafür bekommen, wie man noch besser Tore erzielen kann. Obwohl es nicht meine Hauptaufgabe ist viele Tore zu schießen und insgeheim ist es mir egal, wer die Tore macht. Dass ich torgefährlich bin, habe ich schon bei Sechzig gezeigt. Ich gebe immer 100 Prozent.

SPORT1: Ihr Berater Michael Koppold, der Sie seit der Jugend begleitet, hatte da auch seinen Anteil daran, oder?

Aigner: Einen sehr großen Anteil. Er ist wie ein Kumpel für mich und hat mich bis jetzt sportlich immer weiter gebracht, hat für mich immer die beste Entscheidung getroffen. Der Michi hat mich damals nach Burghausen gebracht und dort habe ich mit 19 schon 28 Spiele gemacht. Jetzt der Wechsel nach Frankfurt war der absolut richtige Schritt - auch dank ihm.

SPORT1: Der Abstieg dürfte bei Platz drei für die Eintracht kein Thema mehr sein, oder?

Aigner: Doch. Was bringt es jetzt zu sagen, dass es kein Thema mehr ist. Dann verlierst du vier Spiele, bist plötzlich auf Platz 13 und dann sagt jeder "erst große Klappe und jetzt das". Es kann so schnell gehen. Freiburg auf Platz neun hat nur 16 Punkte. Es macht gar keinen Sinn als über etwas anderes zu reden als über das Ziel Klassenerhalt.

SPORT1: Holt Armin Veh die Mannschaft da immer wieder auf den Boden zurück?

Aigner: Er bremst uns nicht in der guten Stimmung, sondern er macht mit uns sein Ding. Wir trainieren jede Woche hart und er lässt uns unseren Freiraum. Ich glaube das bestätigen wir auch mit den guten Leistungen.

SPORT1: Das Wappentier der Eintracht ist Steinadler "Attila". Sind seine Eigenschaften "Mut, Weitblick, Killer-Instinkt und Geduld" auch die der Mannschaft?

Aigner: Kann schon sein. Unsere Spielweise ist aggressiv und zweikampfbetont. Wir müssen darüber kommen, weil andere Top-Teams wie Schalke und Dortmund uns spielerisch überlegen sind. Wenn wir über das Läuferische kommen, dann hat es jeder Gegner schwer.

SPORT1: Am Samstag geht es zum FC Schalke. Mit welchen Erwartungen geht die Eintracht in das Spiel?

Aigner: Wir fahren da mit breiter Brust hin. Wir haben nichts zu verlieren, obwohl die Schalker der Favorit sind. Was dabei herauskommt, wird man dann sehen. Aber möglich ist es, auch da zu gewinnen. Wir müssen einfach unser offensives Spiel durchziehen, dann geht auch was.

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