Breno wurde 2007 mit dem FC Sao Paulo brasilianischer Meister © getty

Nürnberg will dem wegen schwerer Brandstiftung verurteilten Breno eine Anstellung anbieten. Hoeneß unterstützt die Bemühungen.

Von Barnabas Szoecs

Es ist schon einige Zeit her, dass der Name Breno in Verbindung mit Fußball auf dem Feld - und nicht abseits des Platzes - in den Schlagzeilen stand.

Schwere Brandstiftung, eine fast vierjährige Haftstrafe, Depressionen, Alkohol: die Geschichte des brasilianischen Innenverteidigers, dessen Vertrag beim FC Bayern Ende Juni 2012 auslief, ging monatelange durch alle Medien - und ließ die meisten sportlichen Erinnerungen an den heute 23-Jährigen nahezu verblassen. (Bericht: Lange Haftstrafe für Breno)

Bald allerdings könnte wieder der Fußball Brenos Alltag bestimmen - dank des 1. FC Nürnberg.

Sollte der Brasilianer in den offenen Vollzug kommen, also tagsüber arbeiten dürfen und nur noch nachts ins Gefängnis zurückkehren, wären die Franken bereit, ihren ehemaligen Spieler anzustellen.

Kontakt über Pinola

"Da er bei uns erfolgreich gespielt hat, haben wir einen engen Draht zu ihm, seinem Berater und natürlich auch zum FC Bayern München", erklärt Nürnbergs Sportdirektor Martin Bader bei SPORT1 die Hintergründe der möglichen Anstellung:

"Als dann der Kontakt von seiner Frau und unserem Spiel Javier Pinola kam, der eng mit Breno befreundet ist - und es die juristische Möglichkeit gab zu helfen, war es für uns eine Selbstverständlichkeit."

Seit seiner Verurteilung ist Breno Insasse der JVA Stadelheim in München, sitzt dort seine Strafe ab. Über die laufende Revision soll der Bundesgerichtshof (BGH) in den kommenden Wochen urteilen.

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Bader will Breno helfen

"Um überhaupt in Revision gehen zu können beziehungsweise in einen möglichen offenen Vollzug zu kommen, muss er die Möglichkeit nachweisen, dass er einer geregelten Arbeitstätigkeit nachgehen kann", so Bader weiter:

"Wenn es für uns sportlich Sinn macht und er vielleicht sogar irgendwann bei uns spielen kann, dann ist klar, dass wir Breno helfen."

Die Unterstützung des Vereins kommt nicht aus heiterem Himmel: 2010 spielte Breno zwischen Januar und Juli auf Leihbasis in Nürnberg, hinterließ bei Trainerstab und Spielern einen hervorragenden Eindruck und genießt beim Club - trotz aller Vorfälle - einen guten Ruf:

"Er hatte beim Club einen sehr hohen Stellenwert - sportlich und menschlich", stellt Bader gegenüber SPORT1 klar.

Hecking: "Breno hat zweite Chance verdient"

Auch Trainer Dieter Hecking macht sich für den inhaftierten Defensivmann stark: "Der Junge hat einen schweren Fehler begangen und wird dafür zu Recht bestraft. Aber jeder hat eine zweite Chance verdient."

Bislang hält sich Breno in der JVA fit. Sollte es jedoch mit Revision, offenem Vollzug und den zahlreichen juristischen Hürden klappen, könnte er den Gefängnishof mit dem Trainingsplatz des Bundesligisten tauschen. Unterstützung bei ihren Bemühungen erhalten die Franken vom großen Nachbarn aus München:

"Wir helfen ihm wo wir nur können, gemeinsam mit dem FC Bayern", sagt Bader:

"Ich habe mit Uli Hoeneß gesprochen und wir versuchen alles, ihm da rauszuhelfen. Wer dann welchen Anteil daran haben wird steht noch nicht fest. Wir haben Breno aber angeboten, dass er sich bei uns fit halten kann - wenn alle Details geklärt sind. Juristisch ist aber noch nichts hundertprozentig geklärt."

Koc als Vorbild

Risiken sieht Bader bei einer möglichen Verpflichtung Brenos nicht. Als positives Beispiel dient die Geschichte des Süleyman Koc.

Der 23-jährige Spieler wurde wegen einer Verwicklung in Überfälle auf Casinos wie Breno zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt, jedoch nach elf Monaten bereits in den offenen Vollzug entlassen.

Der Drittligist SV Babelsberg nahm ihn unter Vertrag, Koc ist sogar bei Auswärtsspielen seines Klubs dabei.

Zukunft in Brasilien

So weit ist Breno zwar noch nicht, aber die Bemühungen um seine sportliche Karriere laufen.

"Das Entscheidende ist: Er muss gesund werden und bleiben", so Bader in der "Sport Bild": "Breno ist motiviert. Er will gerne Fußball spielen - und zwar so schnell wie möglich. Auf Sicht tendiert er aber irgendwann wieder nach Brasilien, das ist klar."

Doch momentan liegt Brenos Fokus auf dem Club sowie den diversen rechtlichen Instanzen, wie Bader bestätigt:

"Wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen, es sind noch viele juristische Details zu klären. Wie es allerdings dann im Detail weitergeht, können wir erst klären, wenn er aus dem Gefängnis raus kann."

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