Frank Baumann (r., hier mit Klaus Allofs) ist seit 1999 bei Werder Bremen © imago

Aufsichtsrat Lemke lässt tief blicken, dass der Ex-Profi neuer Werder-Manager wird - aber wohl kein Geschäftsführer.

Von Christian Paschwitz

München - Noch gibt es ein Dementi vom Klub an der Franz-Böhmert-Straße:

Doch die Zeichen verdichten sich, dass Werder Bremen einen Nachfolger für den an den VfL Wolfsburg verlorenen Klaus Allofs gefunden hat.

Der dürfte mit recht großer Wahrscheinlichkeit tatsächlich Frank Baumann heißen.

"Er wird dabei eine wichtige Rolle spielen", sagte Willi Lemke zum Stand der Beratungen über das Allofs-Erbe nun auch im "NDR-Sportclub". ( 640535 DIASHOW: Der 12. Spieltag )

Lemke widerspricht Einigung, aber...

Werders Aufsichtsratschef widersprach zwar einer vorzeitigen Einigung mit Baumann und erklärte, in den kommenden Tagen werde eine Liste von Kandidaten abgearbeitet.

Dass Ex-Profi Baumann jedoch allerbeste Chancen auf das Amt hat, ist kaum zu überhören. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir warten noch auf klare Antworten: Wo sieht sich Baumi? Er ist auf jeden Fall ein heißer Kandiat. Das weiß auch jeder, der sich ein bisschen mit Bremen auskennt", sagte Lemke wiederum gegenüber "Sky".

Baumann: Mann mit Stallgeruch

Von Baumann gibt es zu dem Thema bislang kein Statement.

Was für den 37-jährigen spricht, ist jedoch sein Werder-Stallgeruch: Der als loyal geltende Leisetreter, seit 1999 Profi in Bremen und bis zu seinem Karriereende 2009 Kapitän unter Coach Thomas Schaaf, kennt den Verein aus dem Effeff.

Für zwei Jahre agierte Baumann als Allofs-Assistent, seit Beginn des Jahres leitet er die Scoutingabteilung des Klubs.

Schon längst Einigung?

Die "Welt" berichtet, dass sich Werders sechsköpfiger Aufsichtsrat bereits vor dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf am Sonntag (2:1) auf den gebürtigen Würzburger geeinigt habe. (BERICHT: Werders Chaos-Woche endet erfolgreich)

"Wir hatten eine Shortlist, wo wir eine Handvoll Namen der Kandidaten drauf haben, auf die wir uns geeinigt haben im Aufsichtsrat - mit einem klaren Profil, das wir erstellt haben", so Lemke, der dem Vernehmen nach im Laufe der Woche Vollzug melden will zu der Personalie.

Er ergänzte: "Einen gestandenen erfahrenen Manager in die Bundesliga zu holen, dass ist sehr sehr schwer, weil die meisten von den Guten unter Vertrag sind. Wir wollen eigentlich niemanden aus einem laufenden Vertrag rauskaufen."

Beiersdorfer sagt ab

Und auch lieber Geld sparen: Alles Faktoren, die Baumanns Chancen enorm steigen lassen - zumal mit Dietmar Beiersdorfer, derzeit Sportchef bei Zenit St. Petersburg, ein teurer Wunschkandidat abgesagt hat.

"Mehrere Werderaner haben mit ihm telefoniert", räumte Lemke ein. "Leider hat er mir am Samstagabend um 23.10 Uhr mitgeteilt, dass er nicht zur Verfügung steht."

Gleiches gilt für Jens Todt: Der ehemalige Werder-Profi und aktuelle Sportvorstand des Zweitligisten VfL Bochum, der am Freitagabend beim Regionalliga-Spiel zwischen Werder II und dem VfB Oldenburg gesichtet worden war, wiegelte in der "Kreiszeitung" ab: "Ich bin glücklich in Bochum, es gibt keinen Kontakt zu Werder."

Hat Bode überhaupt Lust?

Bleibt neben Baumann womöglich noch das frisch gewählte Aufsichtsratsmitglied Marco Bode, während Rune Bratseth offenbar keine Rolle spielt.

Laut Lemke wird "Marco eine gewichtige Rolle in unserer Zukunft spielen" - ob der Ex-Profi aber tatsächlich Lust auf das operative Geschäft hat, ist nicht übermittelt.

Klar soll dagegen sein, dass Werders Aufsichtsratschef statt der großen, im Fall Beiersdorfer kostspieligen Ein-Mann-Lösung, nach wie vor eine Zwei-Mann-Variante bevorzugt für die Neubesetzung der Posten von Geschäftsführer und Sportdirektor, die Allofs in Personalunion ausfüllte.

Geschäftsführer-Kandidat sagt ab

Das Geld, das Werder durch eine Entscheidung für Baumann sparen würde, wird der Klub offenbar für einen neuen Geschäftsführer ausgeben.

Gesucht werden soll dabei jemand mit wirtschaftlichem Hintergrund, der als bislang Außenstehender vorbehaltlos neue Akzente setzen mag. Zur Erinnerung: 1999 hatte mit Jürgen L. Born ein Banker den Posten des Vorstandsvorsitzenden angetreten.

In der näheren Auswahl stehen dem Vernehmen nach bis zu vier Namen, darunter auch ein Unbekannter, der im Fußball-Business bisher noch nicht gewirkt hat.

Nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" soll dieser Unbekannte aber bereits abgesagt haben. Dabei soll es sich um Thomas Krohne handeln.

Der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes eröffnet Ende November mit Unterstützung von Werder das Fitness- und Ballsportzentrum "Werder Sports" in Bremen und ist gleichzeitig geschäftsführender Gesellschafter eines Medienunternehmens.

Doch Krohne steht "momentan" für den Posten nicht zur Verfügung.

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