Thomas Berthold missfällt das Münchner Wehklagen über die Derby-Härte. Bremens Moral nach dem Allofs-Abgang begeistert ihn.

Hallo Fußball-Freunde,

so ganz kann ich die Dünnhäutigkeit der Bayern nicht verstehen. Warum die Bayern über die Härte im Derby gegen Nürnberg diskutieren, obwohl sie doppelt so viele Fouls begangen haben wie der Club, erschließt sich mir nicht.

Schließlich gehört es zu einem Derby doch dazu, dass es ruppiger zugeht. Außerdem muss man auch festhalten, dass es kein unfaires Spiel war.

Die Bayern haben sich das Unentschieden ein bisschen selbst zuzuschreiben. Rafinha muss das 2:0 machen, als er allein vor Schäfer steht. Wenn er den reinmacht, ist das Ding gelaufen, und die Bayern würden hinterher nicht über Härte reden.

Und man darf nicht vergessen, dass sie eine Viertelstunde in Überzahl gespielt haben. Da war noch genug Zeit, um so ein Spiel noch zu drehen.

Kommen wir zu den Verfolgern: Schalkes Vorstellung in Leverkusen hat mal wieder gezeigt, dass die Königsblauen kein Bayern-Jäger sind. Da wiederhole ich mich gerne: Der einzige Konkurrent für die Bayern ist Borussia Dortmund.

Das ist eben auch eine Frage der Qualität, wenn man näher ranrücken kann, dass man dann auch zuschlägt. Da fehlt es Schalke im Kopf, und da sind wir wieder bei der Qualität.

Die Bremer scheinen das ganze Hickhack um Klaus Allofs nicht groß mitgenommen zu haben. Ich glaube auch nicht, dass so etwas die Spieler lange beschäftigt. Wenn der Trainingsbetrieb und ein Spiel anstehen, gehen die Uhren wieder normal.

Zumal bei den Bremern einfach die Moral stimmt: Das haben sie gezeigt, indem sie das Spiel gegen Düsseldorf in Unterzahl gedreht haben. Ich glaube nicht, dass der Wechsel von Allofs zum VfL Wolfsburg noch ein Thema war.

Und bei Wolfsburg sollten wir den Erfolg gegen Hoffenheim nicht überinterpretieren - ob jetzt mit Klaus Allofs auf der Bank oder nicht. Schließlich haben es die Hoffenheimer den Wolfsburgern sehr einfach gemacht.

Da braucht man sich nur das 2:0 anschauen, bei dem Firmino den Ball in die Zentrale spielt. Das sind Fehler, die macht man in der Jugend nicht mehr.

Schauen wir noch kurz auf das Tabellenende.

Der Fürthern traue ich es am ehesten zu, da unten rauszukommen. Sie hatten zuletzt Pech mit den Schiedsrichter-Entscheidungen, vor allem am letzten Spieltag gegen Gladbach - da sind sie hart getroffen worden. Wenn sie nicht in Unterzahl geraten, verlieren sie das Spiel nicht.

Auch jetzt in Dortmund fand ich die Leistung sehr engagiert. Dass Dortmund für Fürth kein Gradmesser ist, das ist natürlich auch klar: Sie müssen gegen andere Mannschaften punkten.

Bei Fürth gefällt mir, dass sie sehr homogen spielen und dort eine gute Stimmung herrscht. So wie sich Mike Büskens äußert, lässt das auch erkennen, dass Ruhe im Verein ist. Daher haben sie eine realistische Chance, in der Liga zu bleiben.

Bei Augsburg fällt es mir schon sehr schwer, daran zu glauben. Mit sieben geschossenen Toren nach zwölf Spieltagen fehlt vorne die Durchschlagskraft.

Außerdem müssen die Augsburger kompakter auftreten. Das brauchen sie, wenn sie in der Liga bleiben wollen.

Bis nächste WocheEuer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf ist regelmäßig als LIGA total!-Experte im Einsatz und schreibt wöchentlich die Bundesliga-Kolumne für SPORT1.

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