Kyriakos Papadopoulos (l.) wechselte 2010 von Olympiakos Piräus zu Schalke © getty

Trainer und Manager finden nach Schalkes Debakel in Leverkusen klare Worte. Farfan motzt, "Papa" wütet. Bayer pirscht sich ran.

Aus Leverkusen berichtet Thorsten Langenbahn

Leverkusen - "Redebedarf", war eine der häufigsten Vokabeln, die bei den Gelsenkirchenern nach der 0:2-Pleite des FC Schalke in Leverkusen fiel.

Das bezog sich aber wohl nur auf interne Diskussionen, viele Schalke-Spieler wie Kyriakos Papadopoulos oder Jermaine Jones fanden nämlich erst mal keine Worte und verschwanden schnell im Bus.

"Kollektives Versagen", hatte Trainer Huub Stevens bei seinen Spielern in Leverkusen beobachtet: "Wir haben darum gebettelt, zu verlieren." ( 640535 DIASHOW: Der 12. Spieltag )

In seiner Rede an die Mannschaft wird der Niederländer am Tag nach dem desolaten Auftritt ähnlich deutlich geworden sein.

Stevens schickt Farfan zum Duschen

Schon während der Partie ging es bei den Königsblauen zünftig zu. Der unmittelbar nach dem 0:2 ausgewechselte Jefferson Farfan meckerte und stänkerte lauthals vor sich hin.

Stevens schickte den Peruaner und den ebenfalls ausgetauschten Lewis Holtby in die Kabine. Offizielle Begründung: Beide sollten zum sofortigen Regenieren auf dem Spinningrad, und zum Duschen, um draußen bei kühlen Temperaturen im nassen Trikot keine Erkältung zu riskieren.

"Mittwoch ist wieder ein Spiel", sagte Stevens, der von einem Streit überhaupt nichts wissen wollte.

"Auch Farfan ist enttäuscht, da habe ich überhaupt keine Probleme mit", stellte der 58-Jährige klar.

Höwedes: "Leverkusen eingeladen"

Die Art und Weise der Niederlage bei der Werkself ließ die Schalker teilweise ratlos zurück.

"Wir haben im Spielaufbau viele Fehler gemacht und Leverkusen zu Kontersituationen eingeladen", sagte Kapitän Benedikt Höwedes bei SPORT1 über die Ursachen für die Pleite.

"Wir haben nicht so ins Spiel gefunden, wie wir uns das vorgestellt haben, und auch ein bisschen naiv agiert", erklärte Julian Draxler im Gespräch mit SPORT1.

Papadopoulos macht TV-Journalisten nass

"Der Trainer hätte heute neun Mann auswechseln können", klagte unterdessen Schalkes Sportdirektor Horst Heldt.

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"Und einer der beiden, die ich nicht ausgewechselt hätte, fliegt dann auch noch vom Platz", seufzte Stevens über den Platzverweis gegen Papadopoulos nach taktischem Foul an Andre Schürrle.

Der kantige Grieche Papadopoulos wütete bei seinem Abgang, trat auf dem Weg in die Kabine noch eine Trinkflasche um, deren Inhalt sich auf einen TV-Aufnahmeleiter am Rand ergoss.

"Papa hat sich im Nachhinein bei dem Mann entschuldigt", nahm Stevens den Spieler in Schutz.

Heldt: "Heute haben wir versagt"

Schalke Manager Heldt war aber nicht wegen dieser Szene, sondern wegen des Auftretens auf dem Platz mächtig angefressen.

"Ich kann mich nicht erinnern, wann wir das letzte Mal so ein schlechtes Spiel gemacht haben. Es haben nur zwei Spieler Normalform gezeigt", kritisierte Heldt:

"Heute haben wir versagt. Da haben wir sogar gegen Bayern noch besser gespielt."

[kaltura id="0_ljozg97k" class="full_size" title="Schalke noch nicht reif für die "Big Points""]

Rückstand auf Bayern wächst

Das 0:2 am vierten Spieltag war die bis dato wohl schlechteste Saisonleistung gewesen - danach hatten die Schalker eine Serie von acht ungeschlagenen Pflichtspielen mit sechs Siegen hingelegt.

Durch die dritte Saisonniederlage verpasste Schalke nach dem Bayern-Patzer in Nürnberg (1:1) die Chance, den Abstand auf den Spitzenreiter zu verkürzen, er wuchs sogar auf acht Zähler an. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir gucken nicht auf Bayern, sondern auf die Mannschaften, die unter uns stehen. Es ist ärgerlich, dass wir uns nicht absetzen konnten", sagte indes Schalke-Torhüter Lars Unnerstall.

Kießling: "Sind gerannt wie die Ochsen?

Bayer hatte dagegen einen Sahnetag erwischt, stand gut geordnet, war griffig in den Zweikämpfen und erspielte sich so beste Möglichkeiten.

Dass Leverkusen mehrere gute Chancen ausließ? Geschenkt. "Da wollen wir an so einem Tag nicht zu kritisch sein", sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler.

Auf zwei Punkte ist die Werkself damit an den Tabellenzweiten Schalke rangerückt.

"Wir sind gerannt wie die Ochsen", sagte Stefan Kießling. Nur sein verschossener Elfmeter wurmte den Bayer-Stürmer. Mit seinem neunten Saisontreffer hätte er zu den Liga-Torjägern Mario Mandzukic (Bayern) und Alexander Meier (Frankfurt) aufgeschlossen.

Bayer rückt auf

Ein Makel, mit Kießling und die Bayer-Elf trotzdem gut leben konnten, die Formkurve zeigt weiter klar nach oben.

"Wir haben einen Plan auf dem Platz und den ziehen wir zu 100 Prozent durch", sagte Matchwinner Andre Schürrle zu SPORT1.

Bei seinem Traumtor zum 1:0 aus 26 Metern in den Winkel habe er "gleich gespürt, dass ich den Ball gut getroffen habe", erklärte der Nationalspieler.

Tabellenführer Bayern besiegt, den Zweiten Schalke geschlagen - Leverkusen rückt der Spitzengruppe immer mehr auf die Pelle.

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