Bayern verzockt sich in Nürnberg und reagiert eingeschnappt auf den Stolperer. Es könnte aber der Warnschuss zur rechten Zeit sein.

Es fiel zuletzt ein wenig schwer, die Aussagen der Verantwortlichen des FC Bayern nach Bundesligaspielen noch wirklich ernst zu nehmen.

Aufpassen müsse man, schließlich sei die Saison noch lang und längst noch nichts gewonnen, erklärten die Münchner Macher, egal ob sie nun Hoeneß, Rummenigge, Sammer oder Heynckes hießen.

Wer sich wunderte, weshalb die Bayern auch nach dem Rekordstart in der Bundesliga und den deutlichsten Siegen gegen ängstliche Konkurrenten noch die Euphorie bremsten, bekam die Antwort am Samstag in Nürnberg.

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Der weiterhin unangefochtene Tabellenführer hat sich im Derby in Franken schlicht und ergreifend verzockt.

Trainer Jupp Heynckes rotierte ein paar Stars aus der Mannschaft.

Das immer noch elitär besetzte Team glaubte nach dem frühen Führungstreffer, die Nummer mit halber Kraft lässig nach Hause spielen zu können - schließlich ist am Dienstag ja schon wieder Champions League.

Aber halbe Kraft reicht in der Bundesliga nicht. Zumindest dann nicht, wenn sich ein Gegner wehrt, statt sich wie zuletzt so oft demütig zu ergeben.

Die beleidigten und schnippischen Reaktionen der Münchner auf die ruppige Gangart der Nürnberger zeigen, dass die Bayern-Profis die Bundesliga vielleicht tatsächlich schon ein bisschen abgehakt hatten.

Da könnte das Remis im Frankenland der Warnschuss zur richtigen Zeit sein. Denn wie Heynckes zu Recht feststellte, ist das Ergebnis für die Bayern "kein Beinbruch".

Trotz des kleinen Ausrutschers bleibt das Polster des Rekordmeisters komfortabel, weil der FC Schalke auch beim 0:2 in Leverkusen nachwies, dass zum echten Titelanwärter die Kaltschnäuzigkeit fehlt.

So bleibt als potenzieller Langzeit-Konkurrent für die Bayern wohl nur Meister Dortmund übrig.

Der verkürzte durch den überlegenen 3:1-Sieg über Fürth den Rückstand auf den Tabellenführer auf immer noch stattliche neun Punkte.

Der BVB hat nach dem 12. Spieltag aber nur einen Punkt weniger auf dem Konto als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison - und gab Schalke und Bayern auch noch Anschauungsunterricht.

Dem Revier-Rivalen führten Trainer Jürgen Klopp und seine Elf vor, wie man einen Patzer des FCB ausnutzt, den Münchnern, wie man dosiert rotiert und trotzdem sicher punktet.

Klopp gönnte mit Marco Reus und Kevin Großkreutz nur zwei Stammspielern eine Pause, die Vertreter Ivan Perisic und Jakub Blaszczykowski drehten dafür auf.

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