Lange Gesichter bei den Bayern (v.l.) Lahm, Schweinsteiger und Müller nach dem Derby-Remis © imago

Nach dem Derby bezichtigt Schweinsteiger den Club der Unfairness, Neuer flippt aus wegen seines Flatter-Gegentors.

Vom FC Bayern berichten Christian Paschwitz und Mathias Frohnapfel

München/Nürnberg - Die Mienen und Statements sprachen Bände:

Frustriert, vor allem aber hochgradig genervt, brachten die Profis des FC Bayern ein paar schnelle Kommentare hervor, um mit dem Mannschaftsbus dann bloß schnell das Weite in Richtung München zu suchen.

Kein Bock auf lange Analysen: Das nicht einkalkulierte 1:1 (1:0) beim 1. FC Nürnberg hatte deutlich Spuren hinterlassen beim Star-Ensemble. (Spielbericht: Bayern verpatzt Derby)

"Sie haben versucht, den Schiedsrichter zu beeinflussen, zu provozieren", ätzte Bastian Schweinsteiger bei "Sky".

"Es war halt nicht einfach, wenn du immer wieder einen Tritt bekommst."

Schweinsteiger angefressen

Der Bayern-Leader verstieg sich gar zu der kühnen Behauptung "Nürnberg kann ja nicht anders" - was ihm von den Franken nur noch zusätzlichen Spott einbrockte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wenn man irgendwann keine Mittel hat, ist es immer einfach, sich hinzustellen und zu sagen: Sie provozieren, sie haben keine Mittel", wies Raphael Schäfer die Vorwürfe zurück:

"Auch gegen solche Mannschaften muss man als Millionentruppe die Mittel finden, das Spiel zu gewinnen - vor allem in Überzahl." ( 640535 DIASHOW: Der 12. Spieltag )

Ellbogen-Check von Gebhart

Vielleicht war es auch gerade der Umstand, der Schweinsteiger so aufstieß.

Weil er bei der Ampelkarte für Timo Gebhart schließlich Leidtragender war, den bewussten Ellbogen-Check des Nürnbergers ins Gesicht bekam (75.).

"Ich habe schon genug Verletzungen gehabt in der Vergangenheit", echauffierte sich der Bayern-Routinier, während Manuel Neuer ins gleiche Horn stieß.

"Wir hatten nach 20, 25 Minuten keinen Spielfluss mehr, weil es sehr viele Fouls gab. Unser Spiel wurde in manchen Situationen kaputtgefoult", motzte der Nationalkeeper, der überdies über den angeblich so schlechten Rasen maulte.

Neuer flippt aus

Noch viel mehr auf den Keks gingen Neuer allerdings Nachfragen zum Ausgleichstreffer, nachdem ihm Markus Feulner gleich nach der Pause mit einem Flatterschuss hatte alt aussehen lassen (46.) und damit Bayerns Blitzführung durch Mario Mandzukic egalisierte (2.).

"Wollen Sie mich veraschen? Da müssen Sie sich die Flugkurve des Balls mal genau anschauen", antwortete der 26-Jährige auf die Frage eines "ARD"-Reporters, ob der Ball nicht haltbar gewesen sei.

"Schön, dass die Jounalisten so was immer gut erkennen."

Kurz darauf meinte Neuer, der in allen vorherigen fünf Auswärtspartien ohne Gegentor geblieben war, etwas gemäßigter bei LIGA total!.

"Ich verstehe ihre Frage nicht", sagte er da.

"Es war ein sehr schwieriger Ball für mich, weil er rechts an Dante vorbei geht. Feulner hat auch ein bisschen Glück, dass er den Ball so trifft."

Rückendeckung von Feulner

Immerhin dafür gab es keine Nürnberger Häme: "Ich wusste, dass ich einen guten Schuss habe. Aber dass er diese Kurve nimmt, hätte ich nicht gedacht", meinte Feulner.

Selbst Keeper-Kollege Schäfer erklärte: "Der war nicht haltbar, Manuel hat in der Situation keine Chance."

Feulner sei der Ball "komplett über den Fuß abgerutscht".

Ansonsten aber hielt sich die Nürnberger Anteilnahme in Grenzen - so wie die Münchner Selbstkritik.

Nur Heynckes halbwegs selbstkritisch

Jupp Heynckes zeigte sich allerdings halbwegs selbstkritisch bei der Analyse, warum es bei den Münchnern nach der Niederlage gegen Leverkusen nun im zwölften Saisonspiel erstmals nur zu einem Unentschieden reichte.

"In der zweiten Halbzeit haben wir eine ganz andere Nürnberger Mannschaft erlebt, die engagiert nach vorne gespielt hat", so der Coach, dessen Team nach der Führung versäumte nachzulegen.

Wie etwa Rafinha, der freistehend an Schäfer scheiterte (35.). Das 1:1 sei zu akzeptieren, so Heynckes und "kein Beinbruch: Wir können damit gut leben".

Große Rotation

Wenngleich auch Bayerns Trainer irgendwie nach Ausreden klang, als er meinte, wegen der Länderspiele in der Vorwoche sei ein zielgerichtetes Training unmöglich gewesen.

Vielleicht wollte Heynckes damit auch unaufgefordert rechtfertigen, die Mannschaft gleich auf sechs Positionen verändert zu haben.

Vielmehr hatte der Club am Ende sogar die besseren Chancen - und Dieter Hecking noch eine Erklärung für die von Schweinsteiger und Neuer monierte harte Gangart des FCN.

Man könne ja nicht einfach neben den Münchnern herlaufen, "dann gewinnen sie 4:0 und alle sagen, was sie für einen tollen Fußball spielen".

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