Andre Schürrle (l.) erzielte mit einem Traumtor das 1:0 gegen Schalke © getty

Königsblau enttäuscht in Leverkusen auf ganzer Linie. Stevens spricht von "kollektivem Versagen". Bayers Offensive glänzt.

Leverkusen - Der Ball schlug genau im rechten Torwinkel ein und Lars Unnerstall konnte nur noch hinterhersehen.

Durch ein Traumtor hat Andre Schürrle Bayer Leverkusen im Spitzenspiel gegen Schalke 04 auf die Siegerstraße gebracht und den Königsblauen die Chance verbaut, den Rückstand auf Tabellenführer Bayern München auf fünf Punkte zu verkürzen.

Vier Tage vor dem Champions-League-Duell gegen Olympiakos Piräus verlor die Mannschaft von Trainer Huub Stevens verdient mit 0:2 (0:1).

Der Rückstand des Tabellenzweiten S04, der nach dem 2:3 bei 1899 Hoffenheim die zweite Auswärtspleite in Folge hinnehmen musste, auf die Bayern (1:1 in Nürnberg) beträgt damit jetzt acht Zähler (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Selbstkritischer Höwedes

Stefan Kießling (67.) sorgte mit seinem achten Saisontor für die Entscheidung. Schalkes Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos sah nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte (82.).

"Wir haben es unheimlich schlecht gemacht", sagte Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes:

"Wir hatten sehr viele Fehler im Spielaufbau und sind dafür gnadenlos bestraft worden. Wir haben das Spiel über 90 Minuten nie richtig in den Griff bekommen. Man hätte heute fast alle auswechseln können."

"Das war die schlechteste Saisonleistung", polterte auch Schalkes Trainer Stevens bei LIGA total!. "Das war ein kollektives Versagen."

Kießling vergibt Elfmeter

Die Leverkusener hingegen kamen aus dem Schwärmen nicht heraus.

"Das war ein sensationelles Tor, das kann man nicht oft genug sehen", zeigte sich Bayer-Sportchef Rudi Völler von Schürrles Treffer begeistert.

Dabei verpasste es der Werksklub, der den fünften Platz mit jetzt 21 Punkte festigte, den Erfolg noch höher ausfallen zu lassen.

Die beste Möglichkeit ließ Torschütze Kießling aus, als der Bayer-Stürmer mit einem an Schürrle verschuldeten Foulelfmeter (80.) an Unnerstall scheiterte ( 640535 DIASHOW: Der 12. Spieltag ).

Zudem hatte Lars Bender Pech, als seinen Hammer von der Strafraumgrenze an den Pfosten klatschte (61.).

Castro scheitert knapp

Bayer begann stark und besaß die erste Möglichkeit durch einen Kopfball von Kießling (2.). Nach schönem Dribbling verzog Kießling zudem aus 14 Metern (13.).

Die beste Gelegenheit in der ersten Halbzeit hatte Schalke durch Julian Draxler, der in der 27. Minute zweimal am glänzend reagierenden Bayer-Keeper Bernd Leno scheiterte.

Gonzalo Castros Freistoß aus 28 Metern (30.) und sein Schuss aus der Drehung (59.) sowie Schürrle (66.) sorgten nochmals für Gefahr für das S04-Tor.

Schalke mit Problemen im Vorwärtsgang

Bayer wirkte giftiger in den Zweikämpfen und entschlossener in der Vorwärtsbewegung. Schalke hatte Mühe, überhaupt auf Betriebstemperatur zu kommen.

"Wir haben es einfach gut verstanden, die Schalker ein bisschen kommen zu lassen in unsere Hälfte und dann eiskalt zu zupacken und schnell zu kontern", erklärte Torschütze Schürrle das Erfolgsrezept.

Der Tabellenzweite tat sich schwer, das Mittelfeld schnell zu überbrücken und die diszipliniert agierenden Leverkusener in der Abwehr zu überraschen.

Teilweise mit versteinerter Miene verfolgte Stevens das Treiben seiner Schützlinge.

Schalkes Keeper Unnerstall brachte es bei LIGA total! auf den Punkt: "Wir haben uns einfach zu wenig gewehrt. Als wir 0:2 zurücklagen, haben einige die Köpfe hängen lassen."

Heldt verärgert

Torjäger Klaas-Jan Huntelaar bekam kaum brauchbare Bälle.

"Wir haben zu wenige Leute, die Normalform bringen. Es muss sich einiges ändern", forderte Schalke-Sportdirektor Horst Heldt zur Halbzeit - vergeblich.

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