Bayerns Mario Mandzukic (r.), gegen Nürnbergs Per Nilsson, erzielte seinen neunten Liga-Treffer © getty

In Nürnberg erwischt der runderneuerte FCB dank Mandzukic einen Blitzstart, versäumt aber nachzulegen. Neuer greift daneben.

Aus Nürnberg berichtetMathias Frohnapfel

Nürnberg - Völlig unerwartet hat der FC Bayern beim Gastspiel in Nürnberg wichtige Zähler im Meisterrennen liegen gelassen: Der Spitzenreiter musste sich im Derby mit einem 1:1 (1:0) begnügen.

Nach fünf Auswärtssiegen mit 15:0 Toren blieb der Rekordmeister damit zum ersten Mal in dieser Saison auswärts erfolglos.

Dabei ging die erste Halbzeit klar an die Münchner, die dank Mario Mandzukics Treffer einen Blitzstart nach 2:40-Minuten hinlegten. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch der Club startete noch fixer in den zweiten Durchgang: Markus Feulner besorgte den Ausgleich (46.), als viele Stadionbesucher noch in ihre Pausen-Bratwurst bissen.

Neuer greift daneben

Nationalkeeper Manuel Neuer sah bei dem Distanzhammer nicht gut aus, ließ den Flatterball aus 25 Metern passieren. ( 640535 DIASHOW: Der 12. Spieltag )

"Wir können mit dem 1:1 leben, ich denke, es ist kein Beinbruch. Wir haben gut begonnen und überwiegend souverän agiert, es aber versäumt, das zweite oder dritte Tor zu erzielen", resümierte Jupp Heynckes.

Der Bayern-Coach ergänzte: "In der zweiten Halbzeit haben wir dann eine ganz andere Nürnberger Mannschaft erlebt, die engagiert nach vorne gespielt hat. Aufgrund der zweiten Halbzeit müssen wir akzeptieren, dass wir nur einen Punkt geholt haben."

Hecking erleichtert

Die Bayern ließen vor 50.000 Zuschauern in der zweiten Hälfte überraschend den FCN aufkommen, der sich mit großer Leidenschaft gegen den scheinbar übermächtigen Rivalen wehrte.

Und die Franken schafften es trotz einer Gelb-Roten Karte für Timo Gebhart (76.), das Unentschieden zu zehnt zu halten.

"Wir haben uns den Punkt absolut verdient. Ich habe nach dem frühen Rückstand Bedenken gehabt, ob wir wieder so ins Spiel zurückkommen, wie wir das dann geschafft haben", analysierte Club-Trainer Dieter Hecking nach der Partie.

Heynckes baut stark um

Pendant Heynckes hatte nach dem Länderspieltermin während der Woche sein Team gleich auf sechs Positionen umgebaut:

So nahm Javier Martinez - mit Spanien zuvor in Panama unterwegs - nur auf der Bank Platz, genauso wie Kapitän Philipp Lahm, der mit dem DFB-Team in den Niederlanden aktiv war und von Rafinha ersetzt wurde.

Der Brasilianer agierte rechts in der neu formierten Viererkette mit Dante und Daniel van Buyten im Zentrum sowie David Alaba.

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Gomez, Robben und Ribery daheim

Das gefürchtete Flügelduo Franck Ribery (Rückenprellung) und Arjen Robben (Muskelfaserriss) war sowieso gleich in München geblieben, der genesene Mario Gomez ebenfalls.

Die offensive Dreierreihe bildeten Spielmacher Toni Kroos sowie auf den Außen Thomas Müller und Xherdan Shaqiri.

Und die Münchner Offensive stach gleich mit dem ersten Angriff zu: Unter gütlicher Mithilfe von FCN-Verteidiger Javier Pinola erreichte der Ball Kroos, der von der Strafraumkante sofort Mario Mandzukic bediente.

Blitzstart dank Mandzukic

Der Kroate verwertete eiskalt zur Führung (3.), es war bereits das neunte Saisontor des Ex-Wolfsburgers.

Damit war jenes Szenario eingetreten, das die Nürnberger unbedingt verhindern wollte, dabei hatte der Club-Anhang gerade erst die Utensilien der gewaltigen Choreographie eingerollt.

Die Franken mühten sich sogleich gegen den großen Nachbarn.

Club fehlt Durchschlagskraft

Allerdings sprang bis zur Pause nicht mehr heraus als vier Ecken und einige hochgeschlagene Flanken, die aber Nationalkeeper Neuer pflichtmäßig herunterpflückte.

Das harmlose FCN-Offensivgebaren lag auch daran, dass es bei einigen Pässen an Präzision haperte.

Dem FCB dagegen merkte man trotz insgesamt sechs Wechseln im Vergleich zum Frankfurt-Spiel keinen Bruch an. Im Gegenteil: Der emsige Rafinha verpasste es nach Shaqiri-Pass frei vor dem wiedergenesenen Club-Keeper Raphael Schäfer, auf 2:0 zu erhöhen (36.).

Auch Kroos vermochte ein Zuspiel Shaqiris nicht zu verwerten, sein Kopfball hatte zu wenig Zugkraft (45.).

Feulner packt den Hammer aus

Was FCN-Coach Hecking in der Pause gesagt hatte, ist nicht bekannt. Allein: Es wirkte.

Die Clubberer kamen mit Wucht aus der Kabine, und just ein Ex-Bayern-Profi erzielte den Treffer für die Franken.

Feulner donnerte nach einem Schnitzer von Kroos aus 25 Metern den Ball aufs Tor, Neuer streckte sich, war noch mit dem Fingern dran, ließ aber das Spielgerät passieren (46.).

Ein ganz böser Moment für den Nationalkeeper, der bei dem Schuss gar keine gute Figur machte.

Die Franken versuchten sofort nachzulegen, die Bayern-Defensive war plötzlich aufgeschreckt. Gebhart und Sebastian Polter schafften es aber nicht im Strafraum, den Ball im Getümmel entscheidend zu treffen (49.).

Gebhart fliegt vom Platz

Mit einem Mal gestaltete sich die Partie völlig offen.

Heynckes brachte nun FCB-Kapitän Lahm für Rafinha - in der Hoffnung, die Aktionen seiner Mannen wieder mehr zu ordnen (61.).

Jedoch lief es jetzt auch in der Offensive beim Rekordmeister nicht mehr so flugs wie zuvor, und der FCN kam selbst durch Kopfbälle von Polter (67.) und Timm Klose (69.) zu Chancen.

Die Gelb-Rote Karte für Gebhart (76.) brachte dann die Nürnberger Balance etwas durcheinander, der Clubberer hatte mit dem Ellenbogen Bastian Schweinsteiger erwischt.

Pizarro wirkungslos

Schiedsrichter Manuel Gräfe entschied sofort auf Platzverweis.

Claudio Pizarro sollte jetzt als Joker für die Bayern noch den Sieg beim Außenseiter sicherstellen, doch auch der Peruaner blieb glücklos.

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