Klaus Allofs gewann mit Werder Bremen 2004 das Double © getty

Der Abgang des Werder-Managers nach Wolfsburg ist perfekt. Bei seinem Abschied wird Allofs sogar emotional, geht aber im Guten.

Von Andreas Kloo

Bremen/München - Am Ende seiner 13-jährigen Amtszeit gab der meist so kühle Manager Klaus Allofs dann doch noch Einblick in seine Gefühlswelt.

"Ich fühle mich inzwischen als Bremer", bekannte der gebürtige Düsseldorfer auf seiner Abschiedspressekonferenz vor dem Wechsel nach Wolfsburg.

"Ich kriege noch heute Gänsehaut, wenn ich sehe, wie sich Werder entwickelt hat. Wir haben 2004 das Double geholt, wurden 2009 noch einmal Pokalsieger und haben in der Champions League gespielt - da sind Träume wahr geworden", erinnerte sich Allofs.

Wolfsburg als neue Herausforderung

Der 55-Jährige blickt auf eine erfolgreiche Zeit in Bremen zurück, nun setzt er sich aber in Wolfsburg neue Ziele:

"Es hat immer wieder Angebote anderer Vereine gegeben, die für mich aber nie eine Rolle spielten. Jetzt aber ist der Punkt gekommen, an dem ich noch einmal eine neue Herausforderung suchen möchte", begründete Allofs seine Wechsel-Entscheidung. (AKTUELL: Allofs-Wechsel perfekt)

Der Entschluss stand nach dem Angebot aus Wolfsburg schnell fest.

"Wahrscheinlich hätte es nur meine Frau geschafft, mich noch einmal umzustimmen", witzelte Allofs.

Keine Flucht aus Bremen

Er stellte aber dann klar, dass er nicht die Flucht aus Bremen ergreife: "Das hat nichts mit irgendwelchen Querelen, Unzufriedenheit oder mangelnder Perspektive zu tun, die es ja nicht gibt in Bremen."

Mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Willi Lemke war es allerdings immer wieder zu Konflikten gekommen. Durch das Verpassen des internationalen Wettbewerbs schrieben die Bremer im vergangenen Geschäftsjahr außerdem einen Verlust von 13,9 Millionen Euro.

[kaltura id="0_186nnujl" class="full_size" title="Ganz Wolfsburg freut sich auf Allofs"]

Basis gelegt

Doch Allofs betonte, dass die Wende zum Guten bereits eingeleitet sei: "Ich gehe hier nicht weg und hinterlasse einen Scherbenhaufen - wir haben die Mannschaft auf den Weg gebracht."

In Wolfsburg, wo Allofs am Donnerstag vorgestellt wird, ergeben sich für den neuen Geschäftsführer aufgrund des potenten Hauptsponsors im Rücken aber dennoch deutlich bessere finanzielle Rahmenbedingungen. (EINWURF: Allofs verdient keine Vorwürfe)

Allofs selbst wird dort angeblich drei Millionen Euro pro Jahr erhalten - doppelt so viel wie in Bremen.

Schaaf? "Kann das nicht ausschließen"

Dass Trainer Thomas Schaaf ihm irgendwann in die Autostadt folgen könnte, wollte Allofs nicht kategorisch ausschließen.

"Es gibt keinen Auftrag oder eine Taktik aus Wolfsburg nach dem Motto: Jetzt nehmen wir den einen, dann holen wir den anderen", sagte Allofs, fügte aber hinzu: "Ich kann Ihnen nicht sagen, was irgendwann einmal sein wird. Ich kann das nicht für alle Zeiten ausschließen."

Allerdings stelle sich das Thema im Moment nicht. "Wir haben in Wolfsburg einen Trainer", sagte der frühere Nationalspieler.

Keine normale Ablöse

Bevor der Wechsel bekanntgegeben wurde hatte eine tagelange Hängepartie in nächtlichen Verhandlungen ihr Ende genommen.

"Klaus Allofs hat mehr als ein Jahrzehnt lang die Entwicklung von Werder Bremen entscheidend mit geprägt und große sportliche Erfolge gefeiert. Daher war es für uns selbstverständlich, dass wir der Bitte von Klaus Allofs nachgekommen sind, über diesen Wechsel mit dem VfL Wolfsburg zu verhandeln", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Willi Lemke.

Außerdem hätten die "Wolfsburger Kollegen darum gebeten, alles möglichst schnell über die Bühne zu bringen.".

Laut Lemke zahlt Wolfsburg keine normale Ablöse, sondern entschädigt Werder über andere Wege. Angeblich fließt ein "mittlerer einstelliger Millionenbetrag" an die Weser.

Baumann als Nachfolgekandidat

In Bremen beginnt derweil die Suche nach einem Allofs-Nachfolger. Zunächst übernimmt Ex-Profi Frank Baumann kommissarisch die Aufgaben Allofs."

Nach SPORT1-Informationen ist er auch der heißeste Kandidat für dessen tatsächliche Nachfolge.

"Wir werden das sehr sorgfätig überlegen,da es eine entscheidende Position ist. Thomas Schaaf ist voll einbezogen in den Prozess", sagte Lemke zur Nachfolgersuche.

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