Jerome Boateng (r.) war bei der WM 2010 und EM 2012 für Deutschland im Einsatz © getty

Boatengs Verletzung stellt Heynckes vor Probleme bei der Besetzung der Innenverteidigung. Die Alternativen offenbaren Schwächen.

Von Andreas Kloo

München - Ein clever herausgespielter Erfolg gegen eins der Verfolgerteams, zehn Siege aus elf Spielen, sieben Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten - beim FC Bayern scheint derzeit alles eitel Sonnenschein.

Doch die 32. Minute im Spiel gegen Eintracht Frankfurt (2:0) sorgte dafür, dass doch Sorgenwolken am Münchner Firmament heranzogen.

Jerome Boateng begibt sich auf der linken Abwehrseite ins Laufduell, dann spürt er plötzlich einen stechenden Schmerz in der Leistengegend. Er bricht ab, liegt kurz darauf neben dem Spielfeldrand.

Die spätere Diagnose: Muskelfaserriss im Adduktorenbereich.

Immer auf dem Platz

"Das ist ärgerlich. Ich habe ja jedes Spiel gemacht. Jetzt muss ich zwölf Tage pausieren, bis ich wieder trainieren darf", zeigte sich der 24-Jährige in der "Bild" traurig.

In der Tat war Boateng eine der wenigen konstanten Größen in der ständig von Trainer Jupp Heynckes durchrotierten Bayern-Elf. Als einziger Münchner stand er in jedem Pflichtspiel 90 Minuten auf dem Platz.

"Irgendwann sucht sich der Körper seine Pausen", kommentierte Heynckes die Hiobsbotschaft nüchtern.

Erst vier Gegentore

Dabei ist Boatengs Ausfall durchaus ein herber Verlust für den Rekordmeister.

Er strahlte in dieser Saison bislang große Souveränität aus, von den Unkonzentriertheiten aus der vergangenen Spielzeit war nichts zu sehen.

Die Stabilität der Bayern-Defensive mit erst vier Gegentoren in elf Partien ist auch Boatengs Verdienst. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch nun gerät der Abwehrblock ins Wanken.

Fragezeichen hinter Badstuber

Denn mit Holger Badstuber fällt derzeit ein weiterer FCB-Verteidiger mit einem Muskelfaserriss aus.

Er soll diese Woche zwar wieder ins Mannschaftstraining einsteigen, ob der Linksfuß fürs Bayern-Derby beim 1. FC Nürnberg am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) schon wieder fit sein wird, ist aber fraglich.

Für Aushilfs-Linksverteidiger Badstuber wäre es eigentlich die Gelegenheit, endlich wieder auf seiner angestammten Position in der Innenverteidigung aufzulaufen. ( 636788 DIASHOW: Der 11. Spieltag )

Heynckes hat jedenfalls nun ein Problem: Wer soll neben Dante ran?

Van Buyten offenbart Schwächen

Gegen Frankfurt wechselte der Coach Daniel van Buyten für Boateng ein. Für den 34-Jährige war es nach vielen kleineren Verletzungen der langersehnte erste Saison-Einsatz.

Er sorgte vorne bei Standards für Gefahr und erzielte sogar den vermeintlichen Führungstreffer, der aber wegen einer Abseitsposition annulliert wurde. Hinten offenbarte er jedoch Schwächen im Stellungsspiel.

Der Belgier war nach dem Spiel glücklich, "endlich wieder mit meinen Kollegen zu spielen, zu vibrieren, und das zu tun, was ich liebe", wie er bei "FCB.tv" erklärte.

Martinez und Tymoshchuk als Kandidaten

Eine Alternative wäre Javi Martinez. Der Spanier ist auch als Innenverteidiger einsetzbar, spielte auf dieser Position die gesamte letzte Saison bei Athletic Bilbao.

Im Pokal gegen Kaiserslautern (4:0) testete Heynckes den 40-Millionen-Neuzugang in der Viererkette - und war hinterher unzufrieden: "Javi weiß ganz genau, dass er sich weiter steigern muss, er kann viel mehr", stimmte er ungewöhnlich kritische Töne an.

Option Nummer drei wäre Anatoliy Tymoshchuk. Der Ukrainer wurde einst von Louis van Gaal zum Innenverteidiger umfunktioniert.

Aber auch dem Ukrainer fehlt die Spielpraxis, nur gegen Lautern stand er über die gesamten 90 Minuten auf dem Feld.

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