Klaus Allofs ist seit 1999 Geschäftsführer bei Werder Bremen © getty

Zwischen Werders Boss Klaus Allofs und Wolfsburg scheint bereits alles fix zu sein. Allofs selbst dementiert aber.

Von Christian Paschwitz und Sven-Arne Görn

München - Geht jetzt alles ganz schnell?

Klaus Allofs' Wechsel als Geschäftsführer von Werder Bremen zum VfL Wolfsburg ist nach übereinstimmenden Medienberichten nur noch Formsache.

Und unter Berufung auf Bremer Vereinskreise berichtete die "Welt", dass Allofs am Montag ein Vertragsangebot erhalten und den Kontrakt auch unterschrieben habe.

Nun gehe es nur noch um die Ablösesumme für einen vorzeitigen Wechsel des eigentlich noch bis Sommer 2015 an Werder gebundenen Allofs.

Allofs dementiert

Bremens Geschäftsführer selbst dementierte gegenüber der "dpa" die Meldung, er habe bereits bei den "Wölfen" unterschrieben.

"Das stimmt nicht", sagte Allofs. Auf die Frage, ob er ein Angebot erhalten habe oder es Gespräche mit den Verantwortlichen der Wolfsburger gegeben habe, antwortete er: "Es ist alles beim alten Stand."

Wolfsburgs Pressesprecher Oliver Schraft wollte die Meldung weder bestätigen noch dementieren: "Dazu kann ich nichts sagen."

Aktuell scheinen alle Zeichen aber auf baldigen Vollzug in der Causa zu sprechen.

Schon zuvor gab es die kleinen Worte zeitlicher Bestimmung, die aufhorchen ließen: VfL-Aufsichtsratsboss Francisco Javier Garcia Sanz wich zwar dem Thema aus, sagte aber auch: "Es gibt noch nichts".

Lemke verweist auf Mittwoch

Sein Bremer Pendant Willi Lemke erklärte indes am Montagmittag auf SPORT1-Nachfrage, dass es vor Mittwoch keine Entscheidung und somit keine Neuigkeiten geben werden.

Zuvor hatte das Werder-Urgestein betont: "Niemand hat bisher den Aufsichtsrat kontaktiert, weder jemand vom VfL Wolfsburg oder von Volkswagen, noch ein Berater."

Weiter sagte er: "Der Sachstand hat sich seit Donnerstag nicht geändert."

Öffentlich sieht Lemke, der im "kicker" indes zitiert wird, an der Sache sei "wohl etwas dran", daher auch keinen Grund zu einer außerplanmäßigen Sitzung:

"Fakt ist, dass der neugewählte Aufsichtsrat zu seiner konstituierenden Sitzung am Sonntag eingeladen ist", meinte Lemke. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Was macht Werders Aufsichtsrat?

Der 66-Jährige, der offenbar damit rechnet, dass der VW-Klub in Kürze auf ihn zugeht, fügte aber an: "Sollte ein früherer Termin notwendig werden, können wir uns aber jederzeit treffen."

In der "Bild" betonte Lemke zum Thema Allofs überdies: "Ich will, dass er bleibt. Er hat bis 2015 Vertrag. Und ich gehe auch davon aus, dass er ihn erfüllt."

[kaltura id="0_wmpxgrcw" class="full_size" title="Lemke will Allofs halten"]

Spannende Fragen sind allerdings: Will Lemke seinen verdienten Manager nach 13 Jahren Zusammenarbeit tatsächlich noch halten und bekäme Allofs andernfalls widerstandslos seine Freigabe? Oder ist Werders offizielle Unwissenheit nur Strategie, um eine hohe Ablöse zu erzielen?

Doppeltes Gehalt beim VfL?

Die soll im mittleren einstelligen Millionen-Bereich liegen, die "Bild" schreibt von 2,5 Millionen Euro - und geht davon aus, dass Allofs nun schnellstmöglich um seine Freigabe bittet.

Wolfsburg und Allofs sind sich nach übereinstimmenden Berichten der "Syker Kreiszeitung" und der "Wolfsburger Nachrichten" schon einig.

Dem Vernehmen nach soll der Routinier beim VW-Klub mit drei Millionen Euro ein doppelt so hohes Gehalt wie bisher und einen Vertrag bis 2016 erhalten - womöglich gar bis 2017.

Schaaf oder Slomka als Trainerkandidaten

Als möglicher Allofs-Assistent wird laut "Sky" überdies Wolfsburgs Pablo Thiam gehandelt. Der bisherige Sportliche Leiter der Wolfsburger U 23 soll ins VfL-Management aufrücken.

Die Spekulationen, dass Werder-Coach Thomas Schaaf als Trainer mitgeht zu den "Wölfen", haben an Tempo eingebüßt.

Interimscoach Lorenz-Günther Köstner hat beim VfL mit drei Siegen aus vier Pflichtspielen beste Argumente für eine weitere Zusammenarbeit.

Für nächste Saison gibt es mit dem aktuellen 96-Trainer Mirko Slomka einen Nachfolgekdandidaten.

Der bestätigte am Sonntagabend, dass ihm in Hannover noch kein neuer Vertrag vorliege: "Es liegt momentan kein unterschriftsreifes Angebot von Hannover 96 vor. Ich glaube auch nicht, dass es so schnell geht", sagte Slomka, dessen jetziger Kontrakt am Saisonende ausläuft.

Ein Wechsel ins nicht weit entfernte Wolfsburg wäre durchaus denkbar, die finanziellen Konditionen dürften beim VW-Klub stimmen.

"Ganz viel Fantasie, nichts zu sagen"

Die VfL-Bosse wollen sich aber - was die Personalpolitik angeht - ohnehin nicht hetzen lassen: "Wir haben ganz viel Fantasie, nichts zu sagen. Da können sie sich sicher sein", sagte Geschäftsführer Thomas Röttgermann.

Und weiter: "Der Stand der Dinge ist immer derselbe. Der Aufsichtsrat und die Geschäftsführung beraten darüber, wer die Person für den Managerposten sein kann. Sobald die Entscheidung getroffen ist, wird sie bekannt gegeben."

Die ebenfalls im Raum stehende Verpflichtung von Schaaf schloss der VfL-Geschäftsführer indirekt aus: "In unserem Raum steht es nicht."

Auch Diego würde sich freuen

Bei Köstners Profis wäre Allofs hochwillkommen: "Ich respektiere ihn sehr, seinetwegen spiele ich in Deutschland", frohlockt neben Naldo nun auch Diego, Wolfsburgs zweiter früherer Werder-Profi.

Allofs selbst dagegen eiert im Transferpoker weiter herum. Der 55-Jährige lässt sowohl ein Bekenntnis zu seinem jetzigen Arbeitgeber vermissen als auch eine Absage an den VfL, wo er Nachfolger für den entlassenen Felix Magath werden soll.

"Es bringt jetzt nichts, zu sagen: Was wäre wenn? Wenn irgendetwas passiert, wird es eine Reaktion geben. Aber das ist nicht heute der Fall", hatte Allofs am Wochenende nach der 1:2-Pleite beim FC Schalke 04 gesagt.

Allofs' Ruf bekommt Kratzer

Einen Gefallen tut sich der Routinier jedoch nicht mit seinen verräterischen Floskeln wie: "Im Fußball verändern sich die Dinge manchmal schnell. Man muss nicht irgendeine Behauptung aufstellen, die man in einigen Wochen wieder zurückdrehen muss. Es gibt im Moment keinen Anlass dafür, so eine Erklärung zu machen."

Der gute Ruf des 55-Jährigen droht, Kratzer abzubekommen - Allofs hätte sich jeden Kommentar lieber ganz verkniffen. ( 636788 DIASHOW: Der 11. Spieltag )

Denn sollte er nun bei den "Wölfen" unterschreiben, dürfte man ihm seine lavierenden Aussage um die Ohren hauen und anlasten, hinter dem Rücken des Werder-Aufsichtsrats verhandelt zu haben.

Beiersdorfer gehandelt

Und was passiert derweil bei Werder hinter den Kulissen?

Als heißester Kandidat auf die Allofs-Nachfolge gilt Ex-Spieler Dietmar Beiersdorfer, derzeit Sportchef bei Zenit St.Petersburg.

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